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Dem Range Rover kann keiner das Wasser reichen
16.01.2013 - 17:32 Uhr
Von Hartmut Metz

Bisher rollte man höchstens über den Atlas, wenn man zu Hause seinen alten "Diercke" rausholte und ihn vor die Garage legte. Das ging mühelos und bereitete vor allem Freude, wenn man Erinnerungen an den Erdkunde-Unterricht sadistisch vertreiben wollte. Mühelos fährt es sich auch durch das Atlas-Gebirge - allerdings sollte man dafür in Marokko schon einen Range Rover (Fotos: pr) unter dem Gesäß haben, um die steilen wie unebenen Pfade am Fuße der bis zu 4165 Meter hohen Spitzen zu meistern.

Dass es nicht plan eben auf dem Schotter zugeht, bremst die vierte Generation des seit 1970 gebauten Kultautos genauso wenig aus wie bis zu 90 Zentimeter tiefes Wasser oder - als Kontrast - tückischer Wüstensand. Das erweiterte Terrain-Response-System passt sich bis zu 500 Mal in der Sekunde dem Untergrund an und findet die optimale Einstellung, egal, ob Geröllhalde, Schnee oder Wüste. In Schräglage und auf drei Rädern marschiert der Range Rover unbeeindruckt bis zu einem Böschungswinkel von 34,7 Grad (vorne; 29,6 Grad hinten) voran.

Der Weltatlas schien einem früher im Schulranzen tonnenschwer - fast wie ein Range Rover. Dem "Diercke" hätte jeder Schüler auch eine Abspeckaktion wie jetzt der Mutter aller Geländewagen gegönnt: Die Karosserie bringt 39 Prozent weniger Gewicht auf die Waage. Dank des exzessiven Aluminium-Einsatzes ist sie nun "sogar leichter als die eines Dreiers von BMW", hebt Produktpressesprecher Mayk Wienkötter hervor. Ein Leichtgewicht wird das britische Dickschiff dadurch gewiss nicht, aber der Bannstrahl für Stahl lässt den Gelände-Lord um 8,4 Zentner abspecken!

Die verbleibenden 2160 Kilogramm bewegen sich dadurch merklich leichtfüßiger, so es das Gelände im Atlas-Gebirge erlaubt. Auf deutschen Autobahnen klebt die vierte Generation gar einem Jaguar XK Coupé an den Fersen, wie Wienkötter mit Blick auf den Fünf-Liter-Motor betont. Der aus dem Land Rover Discovery stammende Supercharged-V8-Benziner wurde leicht verbessert und jagt den weiterhin fünf Meter langen 2,33-Tonner dank 510 Pferdestärken in 5,4 Sekunden auf Tempo 100. Optional wird der schnelle Herrscher des Geländes erst bei 250 km/h (statt 225 km/h) abgeregelt. Der offizielle Verbrauch von 13,8 Litern bleibt dann aber über 100 Kilometer Makulatur, eher steht die 2 vorne.

Dermaßen viel Unvernunft mag es bei Ölscheichs geben, deutsche Käufer bevorzugen statt des 113600 Euro teuren Spitzenmodells "zu 95 Prozent" einen der beiden Diesel, mutmaßt der Hersteller mit Blick auf die bisher hierzulande jährlich verkauften 500 bis 800 Range Rover.

Der Drei-Liter-V6 (89100 Euro) genügt mit seinen 258 PS, um den Range Rover adäquat zu beschleunigen. In 7,9 Sekunden geht es auf 100 km/h und bis auf Tempo 209. Eine Sekunde schneller schafft der bis zu 217 km/h leistende 4,4-Liter-V8 (ab 107100 Euro) den Sprint. 339 PS und 700 statt 600 Newtonmeter stehen zur Verfügung. Dafür schluckt er mit der Acht-Stufen-Automatik im Schnitt 8,7 statt 7,5 Liter - das sind nach der Diät und den mit runderen Formen verbesserten c w -Werten bis zu 22 Prozent weniger als beim Vorgänger.

Bei der Zugkraft verteidigt der Range Rover so oder so mit 3,5 Tonnen die Bestmarke und dürfte bei Pferdenarren weiterhin als erste Wahl gelten. Der Brite gibt sich auf der Straße flüsterleise und dezent wie englischer Hochadel: Bei 50 km/h ist keiner trotz 21-Zoll-Rädern leiser - angesichts von nur 65,2 Dezibel wirkt selbst ein Rolls-Royce im Vergleich dazu mehr wie AC/DC denn Adele. Ihr kann mit dem neuen Soundsystem innen noch ungestörter gelauscht werden. Alle Tasten lassen sich zudem schneller finden, weil die Zahl der Schalter um 50 Prozent reduziert wurde.

Obwohl der Klassiker bereits mit 70 Zentimetern Wattiefe den Rekord hielt, pflügt er nun durch bis zu 90 Zentimeter hohes Wasser! Das Ende der Fahnenstange markiert das kaum, sondern soll nur Reklamationen vermeiden. "Wenn Bugwellen ausbleiben, ist auch mehr als ein Meter kein Problem", erläutert Land-Rover-Experience-Tourguide Marcus Maegle an einer Furt. Unter der Haube beatmen zwei "Queen-Mary-Luftansaugstutzen" den Motor - den Namen tragen sie wegen der Ähnlichkeit mit den Türmen des berühmten Kreuzfahrtschiffs. In Tümpeln sind sie bei geschlossener Haube abgedichtet, zudem sorgen Wasserabscheider dafür, dass das Aggregat keinen Schaden nimmt.

Außer dass diesem Landrover keiner das Wasser reichen kann, verstärken die automatische Luftfederung, höhere Boden- und zwölf Zentimeter mehr Fußfreiheit im Fond die Gewissheit: Hier fährt der bisher beste Range Rover.

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