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Qualität der Mitarbeiter wird im Spa der Zukunft wichtiger als Produktinnovationen
Qualität der Mitarbeiter wird im Spa der Zukunft wichtiger als Produktinnovationen
23.11.2012 - 11:14 Uhr
Von Irene Schröder

Er zählt zum "Urgestein" der Spa-Szene und pendelt als Präsident der European Spa Academy (ESA) weltweit von einem "Hot Spot" zum nächsten. Zwischen Hongkong und Dubai machte Professor Heinz Kroehl in Baden-Baden Station, um als Jury-Mitglied an der Verleihung der Gala Spa Awards in Brenners Park-Hotel & Spa teilzunehmen. Zu Baden-Baden hat der Kommunikationswissenschaftler eine ganz besondere Beziehung, hätte sich doch hier ein Spa-Traum erfüllen können - ein zentraler Ausbildungsort für angehende Spa-Mitarbeiter und -Manager mit staatlich anerkannten Qualifikationen und international einsetzbar.

"Mit dem Auftritt der damaligen Kurdirektorin Dr. Sigrun Lang und dem früheren Brenners-Direktor Richard Schmitz in der David Susskind-Show im amerikanischen Fernsehen fing vor über 30 Jahren die Spa-Entwicklung in Deutschland an", erinnert sich Heinz Kroehl. "Sie diskutierten in der Show über die europäische Kur im Vergleich zur amerikanischen Spa-Kultur und brachten eine Fülle von Ideen mit."

Prävention und Entschleunigung im Einklang mit der Natur wurde unter dem Begriff "Das Brenners Spa" als Spa-Philosophie entwickelt, gesetzlich geschützt - und zunächst im deutschen Kur- und Hotelbetrieb belächelt. Spa und Spass kombiniert mit Sparen - die Häme ließ nicht auf sich warten.

"Dass sich aus dem Spa-Gedanken ein riesiger internationaler Markt entwickeln würde, hätte keiner gedacht", schmunzelt Kroehl. "Es war ja nicht nur die Kosmetikbranche, sondern auch die Sanitär- und Badindustrie, die Ernährungsbranche sowie die Medizin, die plötzlich neue Marktchancen sah."

Während einige Experten das "Medical Spa" als zukunftsweisend sehen, meldet der Professor Bedenken an: "Die Spa-Branche hat bezüglich Vor- oder Nachsorge der Ärzteschaft zwar mächtig Dampf gemacht, denn die klassische Medizin hatte sich in ihrem Verschreibungswahn oder im Einsatz von Geräten zu wenig um die Befindlichkeiten der Patienten gekümmert. Bei Fragen der kosmetischen Chirurgie stößt das Spa aber an seine Grenzen, das passt nicht zur Philosophie." Der Professor berichtet von einem amerikanischen Schönheitschirurgen, der die absurden Züge des Schönheitswahns beklagte. Er sei zutiefst betroffen gewesen, als er nach einer Operation in die tieftraurigen Augen im wunderbar modellierten "neuen" Gesicht eines Stars geblickt habe. Ebenso bedenklich stimmt Kroehl der Erfolg der "Teenager Spas" in USA.

"Die Entwicklung des Spa-Gedankens hat eine unglaubliche Dynamik entfaltet, aber der Höhepunkt ist überschritten, die Märkte sind gesättigt", schätzt der Experte die künftige Entwicklung ein. "Das Hauptproblem: Es gibt weltweit keine fundierte Ausbildung. In Baden-Baden hätte vor einigen Jahren die Möglichkeit bestanden, zusammen mit einem interdisziplinären Spitzenteam eine Spa-Akademie zu gründen. "Die Idee ist am Kleingeist der hiesigen Politiker gescheitert", bedauert Kroehl eine "vertane Chance - auch für Baden-Baden."

"Das Spa der Zukunft wird nicht von den so genannten Facilities, den Wohlfühleinheiten und Produktinnovationen geprägt werden, sondern vom geistigen Überbau, von der Qualität und Identifikation seiner Mitarbeiter", prophezeit Kroehl - und sieht noch großen Handlungsbedarf. Am ehesten komme noch die Ausbildung in Asien diesem Qualitätsanspruch nach. "Die arbeiten da mit totaler Hingabe, das ist in Europa gar nicht machbar", berichtet er von seinen Erfahrungen. "Aber: nach ein paar Wochen sind die Kräfte so erschöpft, dass sie sich eine Auszeit nehmen müssen."

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