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Senioren trinken einsam
Komatrinken ist kein jugendliches Phänomen. dpa
23.11.2012 - 17:05 Uhr
Alkoholsucht bei Senioren bleibt Experten zufolge im Gegensatz zum Komasaufen bei Jugendlichen zu oft unbemerkt. Dies liege an der zunehmenden Vereinsamung älterer Menschen, erklärt der Leiter der Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme in Regensburg, Christian Kreuzer. "Alte Menschen lebten früher eher im Verbund." Heute bleibe die Sucht dagegen oft unentdeckt. Die Einsamkeit sei auch ein möglicher Grund für übermäßiges Trinken, erläuterte Kreuzer.

Als weitere Ursache nannte der Suchtexperte auch den Renteneintritt. "Jemand, der aus dem Erwerbsprozess raus ist, fällt weniger auf." Ältere wollten zudem nur ungern über ihre Sucht sprechen. Umso wichtiger sei es, das Problem beim Namen zu nennen: "Mama, du trinkst zu viel" zu sagen, sei zwar nicht einfach, könne aber ein erster Schritt sein, ein weiterer professionelle Hilfe.

In seiner Arbeit erlebt Kreuzer immer wieder, dass erwachsene Kinder ihre Eltern zur Suchtberatung bringen. Darüber hinaus müssten Alten- und Suchthilfe stärker zusammenarbeiten, fordert der Leiter der Fachambulanz. Das Bewusstsein für Alkoholprobleme sei zwar da. Für Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheime scheine es aber oft dringendere Themen zu geben als die Suchtgefährdung von Senioren.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), hat auf Suchtprobleme älterer Menschen hingewiesen und eine engere Zusammenarbeit zwischen Altenheimen und Senioreneinrichtungen gefordert. Man dürfe nicht erwarten, dass ältere Menschen von sich aus zu einer Beratung kommen, sagte sie der in "Apotheken Umschau".

Dem Bericht zufolge trinken 17 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer, die älter als 60 Jahre sind, Alkohol in "gefährlichen Mengen". 2011 seien zudem 12345 Personen in dieser Altersgruppe mit einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), die sich auf ihrer Homepage auf die "aktuellsten Daten" bezieht, ist die Zahl der Alkoholvergiftungen zwischen 2000 und 2009 um rund 112 Prozent gestiegen. Bei Personen über 65 Jahren wurden um 180 Prozent mehr Alkoholvergiftungen festgestellt. (red)

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