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Zusatzstoffe in Zigaretten krebserregend
Zusatzstoffe in Zigaretten krebserregend
26.11.2012 - 11:06 Uhr
Von Mirjam Hliza

Stuttgart - Die Belastung von Kindern in Deutschland durch Passivrauchen ist immer noch hoch, auch verglichen mit anderen europäischen Ländern - das wurde in einem Pressegespräch deutlich, zu dem die Landesstelle für Suchtfragen der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg eingeladen hatte. Zudem wurde in der Runde vor den Zusatzstoffen in Zigaretten gewarnt.

Die "Kinder-Umwelt-Survey" des Umweltbundesamts Berlin, die zwischen 2003 und 2006 in Deutschland erarbeitet wurde, hatte 1790 Kinder und deren Wohnsituation untersucht.

André Conrad vom Umweltbundesamt wies darauf hin, dass sich Tabakrauch an Wänden oder Möbeln absetzen und weiterhin in die Raumluft abgegeben werden könne. Vor allem Kinder mit rauchenden Elternteil seien durch Passivrauchen belastet. 50 Prozent der Kinder lebten mit mindestens einem Raucher zusammen, ein Viertel der Kinder seien zu Hause dem Zigarettenrauch ausgesetzt, sagte Conrad. "Die Belastung der Kinder in Deutschland ist immer noch hoch", fasste er zusammen. Im Ländervergleich mit Belgien, Finnland, Frankreich, Italien und den Niederlanden schneide Deutschland zudem am schlechtesten ab. Die Folgen: Kinder bekämen häufiger Asthma, Infektionen des Atemtrakts, Mittelohrentzündungen, Kleinkinder könnten häufiger am "plötzlichen Kindstod" sterben.

Dabei sei der Passivrauch gefährlicher als der direkte Zug an der Zigarette, erklärten Conrad und Dr. Thomas Kyriss, Leitender Oberarzt der Thoraxchirurgie in der Klinik Schillerhöhe in Gerlingen: Die Giftbelastung innerhalb der Rauchwolke, die von der Zigarette abgegeben wird, sei höher. Das liege daran, dass der Stickstoff in der Luft das Nikotin in krebserregende Stoffe umwandle.

Kyriss stellte die Ergebnisse einer weiteren Studie aus dem Jahr 2011 von Wissenschaftlern der University California, San Franscisco vor, an der er mitgearbeitet hat und die sich mit den Zusatzstoffen in Zigaretten befasst. Die Zusatzstoffe, so die Studie, würden bei ihrer Verbrennung teilweise toxisch und krebserregend.

600 Zusatzstoffe für Zigaretten gibt es - wie viele und welche konkreten Stoffe sich in den Zigaretten befinden, würden die Tabakunternehmen nicht verraten, monierte Kyriss. Er gehe davon aus, dass die Zusatzstoffe rund zehn bis 15 Prozent des Gewichts einer Zigarette ausmachen. Ihre Anzahl in einer Zigarette veranschlagte Kyriss im dreistelligen Bereich.

Er unterteilte die Zusatzstoffe in drei Gruppen: Manche Stoffe veränderten die Eigenschaften des Tabaks, machten ihn etwa voluminöser. Andere Stoffe wirkten auf die Atemwege und verbesserten den Geschmack - was Einsteiger schneller abhängig mache. Eine weitere Gruppe der Zusatzstoffe verändere die Nikotinwirkung und die Rauchwahrnehmung: Zigarettenrauch werde etwa durch bestimmte Zusatzstoffe durchsichtiger oder weniger riechbar - bleibe aber genauso gefährlich.

"Die Zusatzstoffe in den Zigaretten dienen nur dazu, den Profit für die Tabakindustrie zu steigern", kritisierte Kyriss. Sie steigerten die Suchtwirkung beim Raucher und seien gleichzeitig gesundheitsschädlich. Daher sei die veraltete Annahme widerlegt, "dass Zusatzstoffe gesündere Zigaretten mit weniger Teergehalt erzeugen", folgerte der Leitende Oberarzt.

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