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Salz und Sonne für Schönheit und Gesundheit
Salz und Sonne für Schönheit und Gesundheit
03.01.2013 - 17:14 Uhr
Baden-Baden (ela) - Kurvenreich schlängelt sich die Straße die kahlen Berge hinab. Markierungen an den Felsen informieren den Besucher, wie viele Meter er sich aktuell unter dem Meeresspiegel befindet. Wer auf der Hauptstraße Nummer eins in Israel von Tel Aviv über Jerusalem, vorbei an Ramallah und Jericho, das Tote Meer erreicht, taucht in einen besonderen Mikro-Kosmos ein.

Am geografisch tiefsten Punkt der Erde, rund 400 Meter unter dem Meeresspiegel, bilden Luft, Wasser und Sonne ein ganz eigenes Klima, das in dieser Kombination sonst nirgends zu finden ist. Das Wasser des Meeres mitten in der Wüste gilt mit einem Salzgehalt von mehr als 30 Prozent und 21 enthaltenen Mineralien (zwölf davon sind in keinem anderen Meer der Welt zu finden) als besonders gesund für die Haut. Und kurios ist das Baden in den sich ölig anfühlenden Fluten allemal: Der starke Auftrieb sorgt automatisch für eine gemütliche Schaukelstuhl-Position, schwimmen ist unmöglich. Wer wieder Boden unter den Füßen spüren will, muss kräftig Schwung holen, um die Beine nach unten zu bringen. Wer will, kann natürlich auch "Toter Mann" im Toten Meer spielen - so einfach wie dort ist es nirgendwo sonst. Deutlich sichtbar ist allerdings inzwischen, dass der Meeresspiegel dramatisch sinkt - vom Spa "Ein Gedi", das einst am Wasser lag, werden die Gäste heute mit einem Bähnchen zum Baden gefahren.

Der Mikrokosmos Totes Meer hat aber noch weitere gesundheitliche Vorzüge. Die gefährlichen ultravioletten Sonnenstrahlen werden durch das größere Luftpolster und die ständige Dunstglocke durch die hohe Verdunstung gefiltert. Der Luftdruck liegt im Schnitt bei 1060 Millibar. Zum Vergleich: Auf Meereshöhe beträgt er rund 1013 Millibar. Die besonderen Luftdruck-Verhältnisse kommen Patienten mit Lungenerkrankungen, beispielsweise Mukoviszidose, zugute. Allergiker wissen die trockene, pollenfreie Luft zu schätzen.

Gesundheit, Erholung, Naturerlebnis und kulturhistorisch bedeutende Sehenswürdigkeiten liegen am Toten Meer nahe beieinander. Während in den zahlreichen medizinischen Einrichtungen im israelischen Ein Bokek und Neve Zohar vor allem verschiedene Hauterkrankungen wie Psoriasis, Neurodermitis oder Vitiligo, Rheuma und Erkrankungen des Atmungsapparats wie Asthma und Mukoviszidose behandelt werden, bieten die Hotels sowie verschiedene Kibbuz-Gästeeinrichtungen ebenso Wellness- und Spa-Einrichtungen - der Genuss kommt also nicht zu kurz. Dass das mineralienhaltige Seewasser, der schwarze Heilschlamm aus der Tiefe des Meeres und die Schwefel-Quellen auch der Schönheit dienen, wusste bereits Kleopatra und nutzte diese Geschenke der Natur. So stieß man bei Ausgrabungen auf die Überreste einer Schönheitsmanufaktur, die nachweislich den Hof der Königin belieferte.

Der Gesundheitstourismus hat große Bedeutung: Patienten aus aller Welt suchen Jahr für Jahr Hilfe am Toten Meer. In den Kliniken wird ihnen in einer individuell abgestimmten Klima- und Heliotherapie ein Mix aus verschiedenen Anwendungen verordnet. Regelmäßige Bäder im salzigen Meereswasser und in der Sonne, je nach Erkrankung kombiniert mit heißen und kalten Meerschlammpackungen, sowie Quellwasser-Bäder stehen im Mittelpunkt der Therapien. "Wir arbeiten mit der Natur. Kein anderer Ort in der Welt bietet solche klimatischen Bedingungen. Nach einem drei- bis vierwöchigen Aufenthalt sind rund 90 Prozent unserer Patienten mit Hauterkrankungen beschwerdefrei, eine Besserung, die im Schnitt neun Monate und damit deutlich länger als bei anderen Therapien anhält", ist die Erfahrung von Dr. Marco Harari, Direktor des weltweit bekannten Deutschen Medizinischen Zentrums (DMZ) in Ein Bokek. In der 1988 gegründeten Tagesklinik für Rehabilitationsmedizin am Toten Meer werden hauptsächlich chronische Erkrankungen der Haut, der Gelenke und des Atmungsapparats behandelt und erforscht. Bei der individuellen Zusammenstellung der Therapie muss sowohl das Krankheitsbild als auch die Stärke der Sonne, die an 330 Tagen im Jahr scheint, je nach Jahres- und Tageszeit beachtet werden. Die Sonnenbäder kann man in Freiluft-Solarien wie dem "Solarium 400" nehmen.

Das Tote Meer ist aber nicht nur eine Gesundheitsoase der besonderen Art, auch 5000 Jahre Geschichte sind in nächster Nähe hautnah spürbar. Christen, Juden und Moslems haben ihre Spuren hinterlassen. Jesus, Johannes der Täufer, König Herodes, die Essener und Römer sind untrennbar mit der Wüste rund um das Tote Meer verbunden. Zahlreiche kulturhistorische Stätten zeugen heute noch von der geschichtlichen Bedeutung der Region. So sind die beeindruckenden Ruinen von Masada - einer Festung, die König Herodes ausbauen ließ - nach der Klagemauer in Jerusalem das beliebteste Ziel für Touristen. Hoch auf einem gigantischen Felsblock gelegen, ist Masada bis heute ein wichtiges Symbol jüdischer Geschichte. Der letzte Ort des Widerstands jüdischer Freiheitskämpfer gegen die Römer fiel im ersten Jahrhundert nach Christus erst nach rund drei Jahren. Von der Unesco wurde der Nationalpark Masada 2001 in die Liste der Stätten des Weltkulturerbes aufgenommen. Ruinen des Herodes-Palastes, der Synagogen und der Residenz des Kommandanten sind ebenso erhalten wie deutlich sichtbare Überreste des römischen Lagers am Fuße des Felsplateaus. Nicht weniger bekannt sind die Ruinen der Siedlung und die Höhlen von Qumran, in denen von Beduinen 1947 die ältesten biblischen Dokumente gefunden worden waren. Die wegen des trockenen Klimas gut erhaltenen ledernen Schriftrollen waren in Tonkrügen verwahrt worden. Der Ausgrabungsort ermöglicht einen Einblick in das Leben der Essener, einer asketischen jüdischen Sekte, die aus Jerusalem geflohen war. Besonders interessant ist das Scriptorium, der Schreibsaal, in dem sie wahrscheinlich die meisten der entdeckten Schriftrollen geschrieben haben.

Ein Ausflug zum nahe gelegenen, zwölf Kilometer langen Bergrücken Sodom führt in eine Welt bizarrer Formationen aus purem Salz. Oben angekommen, bietet sich ein beeindruckender Blick auf das austrocknende Salzmeer und die jordanische Küste gegenüber. Auf dem Weg trifft man auf eine markante Säule - die der Legende nach zur Salzsäule erstarrte Frau Lots.

Mehr als 1000 Pflanzenarten aus aller Welt sind im botanischen Garten von Ein Gedi zu Hause. Die ruhige Oase in der Wüste am Toten Meer bietet zahlreiche kleine Gästehäuser, in denen man eine Auszeit vom Alltag nehmen kann. Kontakte mit den Besuchern des benachbarten Kibbuz sind nicht nur erwünscht, sondern werden gezielt gefördert. Eine Spa-Einrichtung mit heißen Mineralwasser-Quellen sowie Wanderungen zur "Davidsquelle" und Vogelbeobachtungen im angrenzenden Naturschutzgebiet gehören zu den Höhepunkten eines Aufenthaltes.

Nicht verpassen sollte man auch einen Kurztrip auf den Tel Arad, einem archäologischen Siedlungshügel. Beeindruckend sind auch der Spaziergang durch die 30 Meter lange unterirdische "Mehlhöhle" aus weichem Kalkstein sowie den Canyon sowie die Festung von Zohar.

Ebenfalls nicht weit vom Toten Meer entfernt liegt Jericho. Die älteste kontinuierlich bewohnte Stadt der Welt unterliegt heute der palästinensischen Autonomiebehörde. Ein Tagesausflug durch das Jordantal zum See Genezareth, nach Nazareth, in die Negev-Wüste, nach Eilat am Roten Meer oder auch nach Jerusalem sind ebenfalls gut möglich.

Infos: Staatliches Israelisches Verkehrsbüro, Friedrichstraße 95, 10117 Berlin, (030) 2039970.

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