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Nicht jeder Schmerz ist Berufskrankheit
Nicht jeder Schmerz ist Berufskrankheit
23.11.2012 - 18:02 Uhr
Baden-Baden (red) - Beinahe ununterbrochen klingelte das Telefon: Bei der gestrigen Telefonaktion zum Thema Berufsunfähigkeit beantworteten Anna-Rosa Käflein von der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg, Ingo Gerstenberg vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und Martin Keller von der Unfallkasse Baden-Württemberg zahlreiche Leserfragen. Hier eine Zusammenfassung:


Ich habe einen Bürojob und seit Jahren Rückenbeschwerden. Habe ich eine Chance, dass das als Berufskrankheit anerkannt wird?

Eher nicht. Wenn Wirbelsäulenbeschwerden als Berufskrankheit anerkannt werden sollen, müssen bestimmte arbeitstechnische und medizinische Voraussetzungen erfüllt sein. Die Volkskrankheit "Rücken" muss abgrenzt werden gegen eindeutig beruflich bedingte Rückenleiden bei Krankenpflegern, Forstarbeitern und Möbeltransporteuren beispielsweise.

Ich bin schon lange krank, 56, im öffentlichen Dienst beschäftigt, bekomme noch Krankengeld. Kann der Arbeitgeber mich deswegen abmahnen? Soll ich jetzt eine Erwerbsminderungsrente beantragen?

Krankheit ist kein Grund für eine Abmahnung. Die Krankenkasse wird Sie auffordern, eine Rehabilitation zu beantragen. Tun Sie das bitte in der erforderlichen Frist. Geht es Ihnen nach der Reha nicht besser, wird geprüft, ob der Reha-Antrag in einen Rentenantrag umgedeutet wird.

Mein Sohn lernt Kfz-Mechaniker. Ein Versicherungsvertreter drängt uns, für ihn eine private Berufsunfähigkeits-Police abzuschließen. Was meinen Sie?

Neben der Privathaftpflicht ist die private BU-Versicherung die wichtigste überhaupt. Denn sie sichert die Arbeitskraft Ihres Sohnes finanziell ab.

Ich hatte kürzlich einen schweren Arbeitsunfall. Wie lange bekomme ich Verletztengeld?

Verletztengeld bekommen Sie, solange Sie arbeitsunfähig sind, maximal 78 Wochen. Das Verletztengeld richtet sich nach Ihrem Arbeitsverdienst im Entgeltabrechnungszeitraum vor dem Unfall. Grundsätzlich bekommen Sie 80 Prozent davon, aber nicht mehr als Ihr Netto. Sind Sie dann noch nicht wieder arbeitsfähig, ermittelt die Berufsgenossenschaft (BG) oder Unfallkasse eine Unfallrente.

Wie hoch wäre denn meine Erwerbsminderungsrente, wenn ich nicht mehr voll arbeiten kann?

Erwerbsminderungsrenten sind wie alle anderen Renten auch individuell. In der Renteninformation, die Sie jährlich bekommen, steht auch, wie hoch Ihre volle Erwerbsminderungsrente sein würde. Haben Sie Ihre Renteninformation nicht zur Hand, können Sie die Rentenhöhe auch in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung erfragen. Dazu müssen Sie Ihre Rentenversicherungsnummer angeben.

Meine beiden Söhne haben seit einigen Jahren eine private BU-Absicherung. Man hört jetzt viel von Burnout als Ursache für Berufsunfähigkeit. Ist diese Krankheit bei meinen Söhnen mitversichert?

Kurze Antwort: Ja.

Ich bin sehbehindert. Bekomme ich eine private BU-Absicherung?

Das ist möglich. Versicherer können beim Vertrag entweder einen Beitragszuschlag verlangen oder Krankheiten infolge einer gesundheitlichen Beeinträchtigung vom Versicherungsschutz ausschließen. Erkundigen Sie sich bei verschiedenen Versicherern.

Ich bin 50, in Teilzeit beschäftigt. Ist eine BU-Absicherung für mich sinnvoll?

Eine solche Absicherung ist grundsätzlich sinnvoll; insbesondere dann, wenn man sein Berufsleben noch vor sich hat. Da mit dem Alter das Risiko steigt, berufsunfähig zu werden, steigt demzufolge bei Abschluss in fortgeschrittenem Alter auch der Beitrag. Bedenken Sie auch, dass Sie vor Abschluss Gesundheitsfragen beantworten müssen. Bei Vorerkrankungen kann der Vertrag abgelehnt werden. Legen Sie selber Geld zurück, für den Fall, dass Sie nicht mehr arbeiten können.

Ich bin 32, seit acht Jahren Friseurin. Ich habe jetzt Hautprobleme. Die BG hat mir verschiedene Hautschutzmaßnahmen vorgeschlagen, die ich auch einhalte. Ich fürchte aber, dass ich den Beruf nicht mehr ausüben kann. Was passiert jetzt?

Wenn der Verdacht besteht, dass sich eine Berufskrankheit entwickeln könnte, wird die BG mit Ihnen gemeinsam überlegen, welcher andere Beruf für Sie infrage käme. Auf Kosten der BG können Sie sich umschulen lassen. Während dieser Zeit bekommen Sie Übergangsgeld von der BG.

Ist eine Kombination aus Rentenversicherung und BU-Zusatzversicherung zu empfehlen?

Das kann sinnvoll sein; es kommt immer auch auf das konkrete Vertragswerk an. Werden Sie berufsunfähig, bekommen Sie eine Rente aus dem Vertrag; der Versicherer zahlt bei entsprechender Gestaltung die Beiträge für die Hauptversicherung weiter, und so sammelt sich Kapital für Ih re Altersvorsorge. Die BU-Versicherung zahlt bis zur Regelaltersrente.

Ich bin 60, bekomme noch bis 2014 Arbeitslosengeld. Zur Reha war ich schon mal. Ich denke, dass ich aus gesundheitlichen Gründen auch nicht mehr werde arbeiten können. Kann ich schon in Rente?

Mit 60 können Sie noch nicht in Altersrente gehen. Sollte sich Ihr Gesundheitszustand verschlechtert haben, können Sie nochmals eine Rehabilitation beantragen. Wird das abgelehnt, beantragen Sie rechtzeitig vor Auslaufen des Arbeitslosengeldes eine Erwerbsminderungsrente.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter:

www.dguv.de

www.klipp-und-klar.de

www.deutsche-rentenversicherung.de

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