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Nach Familienphase wieder in Beruf einsteigen
Nach Familienphase wieder in Beruf einsteigen
27.11.2012 - 11:48 Uhr
Baden-Baden (pr) - Kinder, Küche, Haushalt, Erziehung - 23 Jahre lang war Bettina Lorenz (46) nur für ihre Familie da. Dann kam der Tag, an dem sie sich fragte: Wie geht es weiter? "Meine beiden Kinder waren aus dem Haus. Der Sohn studiert, meine Tochter macht eine Ausbildung zur Tierpflegerin. Sollte ich weiter zuhause sitzen und darauf warten, bis mein Mann in Rente geht?", erzählt Lorenz.

Das wollte sie nicht. Die gelernte Physiotherapeutin bewarb sich auf Stellenanzeigen - allerdings nicht in ihrem erlernten Beruf, sondern für Angebote im kaufmännischen Bereich. "Als Physiotherapeutin fehlt mir heute die Körperkraft, die man dazu braucht. Deshalb interessierte ich mich mehr für den Beruf als Sekretärin." Doch es gab nur Absagen. Grund: Keine Fachkenntnisse, keine Computer-Erfahrung, und damit keine Chancen.

Dann las sie in einer Zeitung von "Veranstaltungen für Berufsrückkehrerinnen nach der Familienphase". Da ging sie nach kurzem Zögern hin. Dort traf Lorenz auf Frauen, denen es so ging wie ihr. Und sie bekam die entscheidenden Tipps für den Wiedereinstieg ins Berufsleben: "Ich meldete mich in der Arbeitsagentur, bekam nach einer Woche einen Termin beim Arbeitsvermittler. Der ging mit mir die Weiterbildungsangebote durch, riet mir zu einem Computerkurs. Dafür bekam ich einen Bildungsgutschein, die Weiterbildung wurde also von der Arbeitsagentur bezahlt."

So besuchte Lorenz einen sechsmonatigen Kurs in Buchhaltung, Excel und Word. "Anfangs war es schwer für mich. Ungewohnt die Fächer Buchhaltung, Englisch, Schriftverkehr. Aber ich hatte mir geschworen: Geht nicht, gibt's nicht. Durchhalten, lernen - das war die Parole."

Und sie hat es geschafft: Mit einer Beraterin des Berufsbildungszentrums (BBZ) fand sie den Beruf, den sie wollte. Mittlerweile arbeitet Bettina Lorenz in einem Großunternehmen in der Personalabteilung. Als Sekretärin des Personalchefs kommen viele Bewerbungsschreiben von Frauen, die nach der Familienzeit wieder in den Beruf wollen, auf ihren Schreibtisch. Ihnen kann Bettina Lorenz nur raten: "Probiert den Wiedereinstieg aus. Es lohnt sich."

Das tut es wirklich: Bedingt durch die Auswirkungen des demographischen Wandels setzen immer mehr Arbeitgeber auf gut ausgebildete Frauen. Besonders Fachkräfte werden in vielen Branchen händeringend gesucht. Und immer seltener spielt dabei das Alter der Wiedereinsteigerinnen eine Rolle. Wichtig sind die Qualifikation und die Lust am Job.

Weil der Weg aus der Familienzeit auf den Arbeitsmarkt bislang nicht immer ganz einfach war - vor allem, wenn die letzte Arbeitsstelle schon längere Zeit zurück lag -, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Bundesagentur für Arbeit das Aktionsprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" entwickelt. Dieses hat zum Ziel, Frauen Mut zu machen, den Wiedereinstieg auch nach einer längeren Familienphase zu wagen.

Das Programm fußt auf drei Säulen und wird finanziell aus Mitteln des europäischen Sozialfonds (ESF), der Bundesagentur für Arbeit und Beiträgen von Trägern und Kommunen getragen.

17 ausgewählte Modellprojekte stehen zur Verfügung, die effektive Angebote für Berufsrückkehrerinnen anbieten. Diese Angebote finden interessierte Frauen in einem speziellen Internetportal der Bundesagentur. Dort werden viele Beratungs- und Informationsmöglichkeiten, ein Wiedereinstiegs-Check zum Sammeln von Informationen, die direkt auf persönliche Lebenssituationen abgestimmt sind, Beratungsstellen in unmittelbarer Nähe sowie Termine über Veranstaltungen angezeigt.AA

www.perspektivewiedereinstieg.de

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