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Mit Problemen umgehen können
Mit Problemen umgehen können
05.12.2012 - 18:15 Uhr
Baden-Baden (red) - Als Hauptgrund für die Berufswahl nennen die meisten Pflegeschüler, dass sie alten Menschen helfen möchten. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn im Berufsalltag sind die Auszubildenden einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt - wie zum Beispiel dem Umgang mit sehr kranken oder dementen Patienten.


Schichtdienst und chronische Zeitknappheit erschweren zusätzlich die Arbeit. Die Berufsfachschulen versuchen zunehmend, die Pflegeschüler noch besser auf die Praxis vorzubereiten.

"Viele Schüler bekommen einen Schock, wenn sie zum ersten Mal in einem Altenheim sind. Da liegt zum Beispiel eine 82-jährige hilflose ältere Frau, die unverständliche Sachen redet", sagt Werner Schaub, Abteilungsleiter für soziale Berufe an der Justus-von-Liebig-Schule in Waldshut.

Es sind vor allem Gefühle von Mitleid und Resignation, unter denen die Pflegeschüler leiden. "Es fehlt anfangs die nötige Distanz und sie beschäftigen sich zu viel mit den Problemen ihres Gegenüber." Die Schüler leiden förmlich, wenn ein alter Mensch den ganzen Tag nur im Bett liegt. Viele Pflegebedürftige bekommen nie Besuch von Angehörigen. Die Frage "Warum erscheint hier niemand?" frustriert und bleibt unbeantwortet.

Gleichzeitig entsteht der immense Wunsch, sich mehr mit solchen alten Menschen zu beschäftigen. Das geht aber im hektischen Berufsalltag kaum. Die Zeit für Zuwendungen ist knapp. Durch den Fachkräftemangel hat sich das Problem weiter verschlimmert. Ein Teufelskreis entsteht: Jeder Schüler muss jetzt noch mehr arbeiten. Dadurch hat er immer weniger Zeit für den einzelnen Patienten. Das deprimiert.

Besonders belastend ist für viele Pflegeschüler der Schichtdienst. Man arbeitet vormittags ein paar Stunden, hat dann frei und muss am selben Abend erneut im Pflegeheim antreten und das neben dem normalen Schulalltag mit seinen komplexen Anforderungen. "Das erfordert sehr viel Disziplin, die viele Jugendliche noch nicht haben", sagt Schaub.

Kein Wunder, dass viele Schüler die Ausbildung zum Altenpfleger abbrechen. In der Justus-von-Liebig-Schule in Waldshut waren es vom letzten Prüfungsjahrgang 20 von 60 - oft im zweiten Ausbildungsjahr. In anderen Berufsschulen sieht es ähnlich aus. Um die Altenpflegeschüler besser auf den Berufsalltag vorzubereiten, wurde bundesweit das sogenannte Lernfeldkonzept eingeführt. Es soll dazu beitragen, die Ausbildung stärker an den Aufgabenstellungen und Handlungsabläufen der Altenpflege auszurichten. In den Berufsschulen gibt es nicht mehr die gewohnten Unterrichtsfächer, wie man sie zum Beispiel aus der Realschule kennt. Vielmehr nehmen die Pflegeschüler an Lernfeldern teil. In jedem Lernfeld steht ein bestimmtes Thema der Altenpflege im Mittelpunkt, zum Beispiel "Mit Krisen und schwierigen Situationen umgehen", "Dekubitusprophylaxe" oder "Wohnraum- und Wohnumfeldgestaltung".

2100 Stunden Theorie sind in der Ausbildung vorgesehen. Dazu kommen 2500 Stunden Praxis in einer Pflegeeinrichtung. Die Ausbildung ist deutschlandweit gleich geregelt, sie dauert drei Jahre und endet mit der Anerkennung zum Altenpfleger nach dem Bundesaltenpflegegesetz.

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