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"Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance"
'Für den ersten Eindruck  gibt es keine zweite Chance'
06.12.2012 - 10:44 Uhr
Baden-Baden (red) - Wie stellt sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Mittelbaden dar, auf was sollten junge Menschen bei der Berufswahl achten und wie sollten sie sich am besten bewerben? Das Badische Tagblatt fragte dazu Inge Bellan-Payrault, Teamleiterin Berufsberatung in der Agentur für Arbeit Rastatt.

BT: Frau Bellan-Payrault, wie ist die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Mittelbaden?

Inge Bellan-Payrault: Jugendliche, die auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sind, haben heute viel bessere Chancen als in den vergangenen Jahren. Für diesen Herbst gibt es noch jede Menge freier Ausbildungsplätze. In diesem Ausbildungsjahr haben etwa 1800 junge Menschen mit Unterstützung der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Rastatt eine Ausbildungsstelle gesucht. Ihnen standen über 2000 Ausbildungsstellen gegenüber, 200 mehr als im Vorjahr.

BT: Es gibt also mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Warum finden Jugendliche trotz idealer Rahmenbedingungen dennoch keinen Ausbildungsplatz?

Bellan-Payrault: Rein rechnerisch stimmt das natürlich. Auf einen Bewerber oder eine Bewerberin kommen derzeit 1,15 Ausbildungsstellen. Aber ganz so einfach ist es leider nicht, da Wunschberuf und Ausbildungsplatzangebot nicht immer übereinstimmen. So gibt es beispielsweise ein großes Angebot an Ausbildungsstellen im Bereich des Nahrungsmittelhandwerks oder in den Bauberufen, während bei den kaufmännischen Berufen weit mehr Bewerber zu verzeichnen sind als gemeldete Ausbildungsstellen.

BT: Wie reagieren die Firmen auf die veränderte Situation am Ausbildungsmarkt?

Bellan-Payrault: Die Bewerberentwicklung zeichnet sich ja schon seit einiger Zeit so ab, dass Betriebe nicht alle Ausbildungsplätze mit ihren "Wunschkandidaten" besetzen können. Deshalb haben wir beispielsweise in Rastatt am "Tag des Ausbildungsplatzes" den Fokus auf Jugendliche gelegt, die auf den ersten Blick nicht so einfach einen Ausbildungsplatz finden. Eine der Aktionen war ein Zusammenführen von Betrieb und Jugendlichen zu einem kurzen Kennenlernen beziehungsweise Vorstellungsgespräch beim Speed-Dating in der Arbeitsagentur. Dort konnte der teilnehmende Ausbildungsbetrieb einen persönlichen Eindruck von dem Jugendlichen - unabhängig von Zeugnisnoten und Lebenslauf - bekommen. Die Rückmeldungen der Betriebe waren äußerst positiv.

BT: Firmen finden keine Bewerber und Bewerber keinen Ausbildungsplatz, was kann die Arbeitsagentur beitragen?

Bellan-Payrault: Die Berufsberater können durch eine individuelle Beratung der Jugendlichen sowie durch Transparenz der Ausbildungsangebote im dualen Bereich auf einen besseren Ausgleich hinwirken. Wichtig ist meines Erachtens vor allen Dingen, dass die Weiterentwicklung innerhalb der Berufe bis hin zum Studium - auch ohne Hochschulreife - bekannter werden. So kann sicherlich die Entscheidung für eine direkte Ausbildung gefördert werden, denn wie heißt es bei uns doch so schön: "Kein Anschluss ohne Abschluss".

BT: Schulnoten zeichnen oft ein unzulängliches Bild von der Leistungsfähigkeit eines Menschen.Welche Hilfen können Sie jungen Menschen anbieten und welche Unterstützung erhalten Unternehmen?

Bellan-Payrault: Gerade am Übergang von der Schule in den Beruf spielen die Schulnoten eine entscheidende Rolle, weil Zeugnisse oft neben dem Bewerbungsschreiben die einzigen Unterlagen zur Beurteilung eines jungen Menschen sind. Zur Verbesserung der Talente, die junge Menschen ja immer mitbringen, aber oft nicht wirklich unter Beweis stellen können, gerade im praktischen Bereich, hat die Bundesagentur eine Vielzahl von Angeboten, auf verschiedene Lebens- und Schulsituationen abgestimmt. So gibt es die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, innerhalb dieser werden schulische Defizite aufgearbeitet, fehlende Schlüsselqualifikationen erarbeitet sowie bei verschiedenen Praktika die Neigungen und Begabungen des Jugendlichen festgestellt. Ziel ist, nach maximal elf Monaten die Ausbildungsreife des Jugendlichen herzustellen. Auch ein fehlender Hauptschulabschluss kann nachgeholt werden.

Betriebe, die schwächere Bewerber in eine Ausbildung übernehmen, können ausbildungsbegleitende Hilfen beantragen. Das ist ein Stütz- und Förderunterricht, der zusätzlich angeboten wird.

BT: Was raten Sie Jugendlichen, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind?

Bellan-Payrault: Eine gute Vorbereitung ist das wichtigste. Die Jugendlichen sollen sich über ihre eigenen Motive ebenso im Klaren sein wie über die Anforderungen des Berufs, nicht zu vergessen die Besonderheiten des einzelnen Betriebs. Vermeiden sollten Jugendliche, ihre Bewerbungen wie Serienbriefe zu erstellen, ohne auf die Verbindung der Ausbildung zur eigenen Persönlichkeit einzugehen. Bei einer schriftlichen Bewerbung gilt es immer, eine Form zu wahren und alle Anlagen, die vonseiten der Betriebe erwartet werden, beizulegen. Wer im Lebenslauf Zeiträume überspringt ohne eine plausible Erklärung, wird ebenfalls sehr schnell eine Absage erhalten. Bei einer persönlichen Vorstellung kommt es auf den ersten Eindruck an, also Pünktlichkeit, angemessene Kleidung, höfliches Verhalten, auch hier ist die gute Vorbereitung wieder wichtig. Tipps zu diesen Themen gibt es unter www.planet-beruf.de. Selbstverständlich ist, dass unsere Berufsberater/innen beim persönlichen Gespräch auch auf diese Themen eingehen. Denn für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

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