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Nahrungssuche ist für Bienen kein Honigschlecken
24.08.2012 - 12:45 Uhr
Gernsbach (map) - Dickflüssig, in einem warmen Bronzeton, läuft der Honig aus der großen Edelstahlzentrifuge und verströmt dabei einen süßlichen Geruch im ganzen Raum. Draußen fliegen einige Bienen umher. Ärgerlich darüber, dass ihnen soeben ihre Waben weggenommen wurden, suchen sie den Weg hinein ins Haus.


"Türen und Fenster muss ich immer schließen, denn sie folgen mir sonst von ihren Stöcken hierher", erklärt Hobby-Imker Andreas Balensiefen. Vor etlichen Jahren, noch unerfahren im Umgang mit den Tieren, habe er die Waben an der Rückseite des Hauses für einige Stunden abgestellt. Als er abends kam, sei die ganze Wand übersät gewesen mit Bienen - eine lehrreiche Erfahrung. Je nach Stimmung der Tiere ist es gar nicht einfach, die Waben aus den Stöcken zu nehmen. "Wenn Gewitter in der Luft liegt, sind sie besonders aggressiv", erzählt der Imker. Als Vorsichtsmaßnahme zieht er stets einen stechsicheren Overall an und räuchert die Stöcke ein, um die Bienen dadurch in den unteren Teil der Kisten zu drücken.

Zehn Wirtschaftsvölker besitzt der Reichentaler. Diese fleißigen Arbeiter produzieren den Honig. Doch in diesem Jahr ist die Ernte mager, Waldhonig habe es so gut wie gar nicht gegeben. "Die Art des Honigs erkenne ich an seiner Farbe", erklärt Balensiefen. Waldhonig ist sehr dunkel, Blütenhonig deutlich heller. Der dunkelgoldene Ton der gerade geernteten Leckerei lässt auf einen Mischhonig schließen: "Vermutlich ist etwas Ahorn dabei."

Schuld an der miserablen Ausbeute ist das Wetter. Ein kaltes Frühjahr und ein regnerischer Sommeranfang haben dafür gesorgt, dass der Honigtau regelrecht von den Bäumen gewaschen wurde und sich die Bienenvölker schlecht entwickelt haben. "Die jungen Völker, die Ableger, bekommen sogar Zusatzfutter", erzählt der Forstwirt.

Im Vergleich zu 2011 haben seine Bienen gerade mal die Hälfte an Honig produziert, etwa 100 bis 150 Kilogramm. Die Ausbeute reiche gerade, um den näheren Bekanntenkreis abzudecken. Die schlechten Bedingungen halten auch die Wanderimker fern. Zu einer guten Erntezeit kämen diese sonst aus vielen Teilen Deutschlands mit ihren Bienenvölkern per Lkw angereist, um rund um Gernsbach den begehrten Waldhonig zu ernten. In diesem Jahr nicht.

Die meisten seiner Waben hat er bereits geschleudert. Aus einer vollen Wabe erzielt er bis zu zwei Kilogramm der süßen Speise. Aber nicht alle werden diesem Verfahren unterzogen, einige hat er den Bienen gelassen. Aus gutem Grund: Die schwachen Tiere brauchen den Honig zur eigenen Ernährung.

Bis der Honig ins Glas mit dem Siegel vom Badischen Imkerverband kommt, sind einige Arbeitsschritte nötig. Zunächst muss mühevoll das Wachs abgekratzt werden, mit dem die Tiere den Honig in den Kammern der Waben abdecken. Balensiefen verwendet dazu eine Art Kamm und hebt es ab. Sind die Waben beidseitig vom Wachs befreit, kommen sie in die Zentrifuge. Darin werden immer vier davon rund zehn Minuten bei etwa 2000 Umdrehungen geschleudert. Dadurch löst sich der Honig und kann mit einem Hahn abgelassen werden. Das Verfahren zerstört die Waben hin und wieder. Auch diesmal ist eine kaputt, stellt der Forstwirt beim Herausnehmen fest. Bis eine Wabe erntereif ist, dauert es rund zwei Wochen. Bevor der Honig schlussendlich ins Glas gefüllt wird, siebt der Imker die restlichen Wachsteilchen heraus.

Obwohl vor kurzem der Sommer Einzug hielt, bereitet Balensiefen seine Bienen bereits auf den Winter vor. In den kommenden Tagen werden die Tiere gegen die für sie lebensgefährliche Varroa-Milbe behandelt. Je nach Bedarf erhalten sie Winterfutter. Ein Volk, rund 30.000 Tiere, bekommt zehn Liter Zuckerwasser. Bis zum nächsten Frühjahr ernähren sich die Bienen davon, dann werden die Futterreste entfernt und eine neue Saison kann beginnen.

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