http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Felle, Wolle, Lammfleisch und auch Wurst
Genießt sein Hobby an der frischen Luft: Der Gernsbacher Joachim Lohmann züchtet seit 40 Jahren Schafe. Foto: Fricke
29.08.2012 - 15:45 Uhr
Gernsbach (nof) - "Kommt, kommt, kommt", schallt es durch den Wald. Kurz warten, dann noch einmal: "Kommt, kommt, kommt." Dann lugt neugierig ein Augenpaar über den kleinen Hügel auf der Weide beim Träufelbachsee in Gernsbach. Weitere folgen. Das Ritual bereits bestens verinnerlicht, folgt die kleine Schafherde dem Lockruf von Joachim Lohmann. Seit 40 Jahren züchtet er Schafe - und bietet auch einige Schafprodukte an.


Auf der Wiese scharen sich die Schafe um Lohmann, der verteilt trockenes Brot. Auch dem fremden Besucher von der Zeitung versucht ein Schaf einen Leckerbissen zu entlocken und stupst ihn wiederholt an. Leider vergebens. Nur einen Fotoapparat hält der in Händen. So gewinnt man keine Freunde.

"Das haben die Schafe alles abgefressen", zeigt Lohmann derweil auf einige Flächen in den Ecken der eingezäunten Weide. Hier oben und auch in Hörden hat er Flächen, auf denen seine Tiere als Landschaftspfleger zum Einsatz kommen. "Ohne meine Schafe wäre hier schon alles zugewachsen."

Aus einer "verrückten Idee" heraus sei er vor 40 Jahren zum Hobby-Schafzüchter geworden. "Ich habe den Erdbeeracker vom Großvater eingezäunt und damit der nicht zuwächst die ersten Schafe angeschafft." Zahlreiche Kurse habe er besucht und sich intensiv mit der Fachliteratur beschäftigt. Auch viele Gespräche mit Berufsschäfern hätten ihn im Umgang mit den Tieren geschult. "Das rangiert bei mir zwischen Hobby und Verrücktheit", sagt der End-Sechziger lachend. 65 Schafe hat er, 25 bis 30 Lämmer werden jedes Jahr geboren. Tja, und Lammfleisch gibt es bei ihm auf Bestellung, sagt Lohmann. Schafswurst bietet er ebenfalls an, die ihm der Sonnenwirt in Loffenau herstellt.

"Die hat zwei Jahre nicht getragen, ich weiß nicht warum", zeigt Lohmann auf ein Schaf in der Herde. "Kann sein, dass sie bald in der Salami landet." Wurst wächst eben nicht am Baum. Eine Spezialität sei die Bratwurst aus Schafsfleisch. "Ja, schmeckd' des denn?", werde er beim Grillen häufig skeptisch gefragt. Dann gebe er meist eine zum Probieren und erhält die Reaktion: "Kann ich noch eine haben?"

Auch Schafswolle hat Lohmann natürlich im Angebot. "Für die industrielle Verwertung ist meine Menge zu klein", erklärt Lohmann. Deshalb betreibe er ein Tauschgeschäft. "Ich bringe meine Wolle zu einer Lodenwalkerei und für den Gegenwert darf ich mich in deren Verkaufsraum mit Bekleidung ausstatten." Das verursacht ein kleines Problem: "Die Qualität ist so gut, da geht nichts kaputt. Doch mein Kleiderschrank ist mittlerweile voll."

Die Nachfrage nach Wolle müsste ja eigentlich wieder steigen - Stricken liegt wieder im Trend: "Kommt darauf an, mit welchem Material gestrickt wird. Dann preist er die "Wunderfaser Wolle" an und lässt über zwei unterschiedliche Schaffelle streichen, die er auch auf dem Gernsbacher Weihnachtsmarkt verkauft. Er arbeitet mit der Schäferei Studer in Bad Rotenfels zusammen.

Wolle könne unter freiem Himmel mit geringem Energieverbrauch und ohne gefährliche Abfallprodukte erzeugt werden, sie sei leicht zu veredeln, zu färben und mit anderen Fasern zu mischen, sei giftfrei und hautfreundlich, elastisch, lärmdämmend, wärme- und feuchtigkeitsausgleichend, schmutz- und wasserabstoßend, schwer entflammbar, leicht zu reinigen und fast knitterfrei, wiederverwendbar und hundertprozentig biologisch abbaubar, zeigt Lohmann auf einer Informationstafel.

Und noch mehr könne Wolle: Die von schlechterer Qualität könne zu einem ökologischen Langzeitdünger verwandelt werden. Lohmann hält die Düngepellets in Händen und zeigt auf seine Blumen. Kein Zweifel: Die stehen in voller Pracht.

Vor der Wolle steht aber das Scheren. "Zehn Minuten benötige ich für ein Schaf", sagt Lohmann. Auf ein beeindrucktes Nicken folgt die Aussage, dass Profis nur zwei Minuten benötigen. Und auf einer Schafscher-Weltmeisterschaft gehe es noch flugser zu.

"Bei den Schafen gibt es jeden Tag etwas zu machen", aber er genieße es, an der frischen Luft zu sein. Einen Gewinn fährt er mit seinem Hobby nicht ein: "Ich hoffe, dieses Jahr auf eine schwarze Null zu kommen."

Die Schafe haben mittlerweile ihr Interesse am Besuch verloren, das mitgebrachte Brot gefressen und trotten wieder von dannen. Eines betont Lohmann, der auch immer wieder Kindergärten oder Schulklassen in die Geheimnisse der Schafzucht einführt, noch zum Abschluss - die positive Wirkung seines Hobbys auf die Gesundheit: "Ganz ehrlich, ohne Schafe wär' ich kränker."

Kontakt:
Telefon: (07224) 2144

BeiträgeBeitrag schreiben 
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die Temperaturen klettern laut Vorhersage im Laufe der Woche auf 16 Grad. Machen Ihnen die Temperaturschwankungen zu schaffen?

Ja.
Nein.
Ab und zu.

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen