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Von kristallinen Festkörpern zum Flüssigen
Selbst gebraut, selbst gezapft - und selbst getrunken. So lässt sich gut sein. Bierbrauer Christoph Werner. Foto: Fricke
19.09.2012 - 15:36 Uhr
Gaggenau (nof) - Auf dem Herd der Eltern hat einst alles angefangen. In einem Kochtopf hat Christoph Werner in den 80er Jahren sein erstes eigenes Bier gebraut, angespornt von Freunden: "Du machst doch alles selbst, warum also nicht auch das Bier?" Das Ergebnis muss geschmeckt haben. Werner hing sein seit acht Semestern betriebenes Mineralogie-Studium an den Nagel und wechselte von den Festkörpern hin zum Flüssigen. Viele Gaggenauer und Gäste aus dem Umland dürften Werner für diesen Gesinnungswechsel dankbar sein, wenn sie heute im Christophbräu das Glas zum Munde führen.


Obwohl der Start fast in die Hose ging: "Am 30. April 1995 haben wir geöffnet - und hatten keinen Maibock, ein schweres Vergehen in der hiesigen Gegend." Doch die Gaggenauer haben ihm den Anfängerfehler offensichtlich verziehen. Neben der Hausbrauerei in der Alois-Degler-Straße betreibt Werner auch einen Biergarten im Kurpark in Bad Rotenfels, von wo der hausgemachte Gerstensaft ebenfalls nicht mehr wegzudenken ist.

Doch zurück zu den Anfängen: Der Wechsel von den Gesteinen zum Bier war verbunden mit einem Weggang "ins Ausland", wie Werner lachend erzählt: Nach Freising führte ihn sein Weg. An einer Außenstelle der Technischen Universität München begann er, die bereits gesammelten heimischen Erfahrungen mit dem Brauwesen zu professionalisieren - und eben dieses zu studieren.

"Doch nach dem Studium war der Arbeitsmarkt am Boden", sagt Werner. Den Traum, selbst hergestelltes Bier zu verkaufen, den gab aber es weiterhin. "Mein Vater hat zu der Zeit seine Eisenwarenhandlung aufgelöst. Dann habe ich den Entschluss gefasst, das Gebäude umzubauen und es zu wagen." Günstig sei er dann noch an eine gebrauchte Brauanlage gekommen. So konnte es losgehen - zumal auch sein Bruder Michael damals in den Betrieb miteingestiegen ist. "Wir haben uns durchgewurstelt", sagt Christoph Werner. "Erfahrungen in der Gastronomie hatte ich keine."

Dafür aber im Bierbrauen - und er weiß die Vorzüge seiner Erzeugnisse zu preisen: "Eine Hausbrauerei ist wie ein Wochenmarkt - die Produkte sind ganz frisch und in Geschmack und Qualität nicht zu übertreffen. Allerdings müssen sie auch schnell verbraucht werden. Denn: Umso länger Produkte haltbar sind, umso weniger schmecken sie auch."

Nach drei bis vier Wochen sollte das Bier getrunken sein, sagt Werner über seine Erzeugnisse. Einmal in der Woche steht er am Braukessel. Zehn Hektoliter Bier werden bei jedem Vorgang erzeugt.

Gelagert wird das Bier in Tanks im Keller. "Vier Wochen muss es reifen", erklärt Werner den Unterschied zu Industriebieren, die in wenigen Tagen hergestellt würden. Ein Kleinbetrieb sei das Christophbräu, deshalb kaufe er auch seine Rohstoffe nur bei Kleinbetrieben. "Das ist ein Grundsatz, den ich befolge", unterstreicht Werner. Fündig wird er in der Region.

Das Malz komme aus der Ortenau, der Hopfen aus dem Elsass: "Strisselspalt - eine Sorte, die ich sonst nirgends bekomme." Auch bei der Hefe ist Werner wählerisch. Die beziehe er von einem Spezialhefehersteller aus Bamberg. "Ich möchte eine Hefe haben, die mein Produkt charakterisiert."

Dass sein Bier "nicht immer gleich schmeckt", darauf legt Werner großen Wert. "Es freut mich, wenn ein Gast kommt und feststellt, dass es Nuancen gibt - und diese auch noch beschreiben kann", lobt Werner einen ausgeprägten Geschmackssinn, den es aber nur selten gebe.

Selbiger sei aber absolute Grundvoraussetzung, um Braumeister werden zu können. Auch sei es notwendig, zwei, drei Dinge gleichzeitig erledigen zu können - vor allem wenn eine Automation fehle. Ansonsten lasse er sich "am Sud nicht ablenken. Der Kopf muss voll dabei sein, ein Fehler und der ganze Sud ist versaut." Solch einen "Totalschaden" habe er in 17 Jahren am Kessel aber erst einmal verzeichnen müssen.

Seine Gäste "wissen, warum sie kommen: Weil's besser schmeckt", ist Christoph Werner überzeugt. Dabei nimmt er es niemandem krumm, wenn er zu Hause auch Industriebier trinkt. "Da sind wir wieder beim Unterschied von einem frischen Produkt zu einem lange haltbaren."

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 11 bis 14 Uhr und 16 bis 1 Uhr
Samstag: 11 bis 1 Uhr
Sonn- und Feiertage: 11bis 1 Uhr

Kontakt:
Christophbräu
Alois-Degler-Straße 3
76571 Gaggenau
Telefon: (07225) 70393
E-Mail: info@christophbraeu.de

www.christophbraeu.de

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