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Eisenkraut in Fülle: Feierabend hat hier kaum Chancen
Ein Garten voller Kräuter und ein Bienenstock dazu: Marianne Knörr-Groß und ihr Ehemann Clemens Groß. Foto: ema
22.09.2012 - 10:20 Uhr
Rastatt (ema) - Dass im Garten und in der Hofeinfahrt der Familie Knörr-Groß in Ottersdorf das Eisenkraut wuchert, ist wohl kein Zufall. "Eisenkraut steht für Leute, die nie Feierabend haben", sagt Marianne Knörr-Groß. Ihr Ehemann Clemens Groß schmunzelt dazu. Das Ehepaar hat eine besondere Beziehung zur Natur. Sie hat sich in der Region einen Namen als Kräuterfachfrau gemacht. Er, hauptberuflich als Anlagenbauer tätig, unterstützt seine Frau und hat über sie die Leidenschaft für die Imkerei entdeckt.


Die Beschäftigung mit der Natur nimmt das Ehepaar ganz schön in Beschlag. Ein anderes Hobby oder Urlaub? Nix drin. Doch die Erfahrungen in ihrem Beruf und seinem Hobby geben keinen Grund zur Klage. "Die Natur gibt uns alles, wenn wir sie nur verstehen", sagt Clemens Groß über die Grundeinstellung des Paars.

Speziell was Kräuter angeht, weiß Marianne Knörr-Groß einiges. Weit über 100 Arten wachsen im Garten der Familie. Dort herrscht "geordnete Wildnis", wie die Kräuterfachfrau betont. Schon als Kind ist die gebürtige Bischweiererin mit ihrer Oma über die Felder gestreift. Vor zehn Jahren entschloss sich die gelernte Apothekenhelferin und Gärtnerin, berufsbegleitend eine Heilpflanzenschule in Freiburg zu besuchen. Seitdem beherrschen Kräuter ihr Leben. Oder eher Unkräuter, wie sie sagt (was ihren Ehemann zu der ironischen Bemerkung "Kulturbegleitgrün" veranlasst). Sie hält Vorträge, bietet spezielle Führungen an und stellt zu Hause Produkte aus Kräutern her. Wer zum richtigen Zeitpunkt zu Besuch kommt, kann wie der BT-Reporter in den Genuss einer alkoholfreien Bowle und Quiche mit Kräutern kommen.

"Kräuter sind in", stellt Marianne Knörr-Groß bei ihren Veranstaltungen immer wieder fest. Nicht zuletzt wegen des Gesundheitsbewusstseins. Sie selbst weiß, wie die Pflanzen helfen. Wenn sie zum Beispiel Kopfschmerzen hat, nimmt sie kein Aspirin, sondern bedient sich des Mädesüß.

Manchmal bedauert die Kräuterfachfrau, dass das Thema eher wie ein Fernsehfilm konsumiert wird. Die Mühe, etwas draus zu machen, wollen sich dann die meisten doch nicht machen. Dabei habe "jede Pflanze etwas zu bieten", sagt sie. Selbst das indische Springkraut, das eingewandert ist und manchem Biologen ein Dorn im Auge ist. Marianne Knörr-Groß schätzt dagegen sein Potenzial als Zutat in der Küche. Oder der Hohlzahn, der sowohl kochtechnisch als auch als Stärkungsmittel verwendet werden kann. Erst kürzlich hat sie darüber bei einer "Kräuterkonferenz" einen Vortrag gehalten.

"Wo was gut wächst oder schlecht, hat immer seine Bewandtnis", ist die Kräuterfachfrau überzeugt. Und weil nach ihrer Erfahrung jede Pflanze auch eine Botschaft in sich trägt, sei es nie verkehrt, die Natur zu lesen. Das wuchernde Eisenkraut im eigenen Garten hat Marianne Knörr-Groß manches Mal schon ins Grübeln gebracht, ob sie nicht kürzertreten soll.

Aber stattdessen hatte sie vor drei Jahren auch noch den Hang zur Imkerei entdeckt. Weil jedoch der "Tag einfach zu kurz ist", ließ sich Ehemann Clemens auf das neue Hobby ein. Ihn fasziniert, dass "jede Biene weiß, was sie zu tun hat, ohne dass jemand ein Kommando gibt, und eine hält alles zusammen." Selbst ein Rückschlag wie in diesem Jahr, das für die Imker wegen des feuchten und kalten Frühjahrs schlecht ausfällt, kann seine Leidenschaft nicht trüben. Sechs Völker, die fünf Honigsorten produzieren, sind mittlerweile in seiner Obhut,

Das Naturprodukt ist eines von vielen, das zur weitgehenden Selbstversorgung der Familie beiträgt. Hergestellt werden im Familienbetrieb auch Kerzen oder Zahnpasta, Lippenpflegestift, Handcreme oder Seife aus Wachs. Auch Marianne Knörr-Groß weiß selbstverständlich mit den Kräutern einige Leckereien herzustellen, etwa Aufstriche, Tee, Salz, Likör oder Sirup.

Ob sie denn nicht mal ein Buch schreiben wolle, wurde die Kräuterfachfrau schon gefragt. Sie würde gern - doch wann? Das Eisenkraut im Garten ist schon dominant genug.

Öffnungszeiten:
Der Hofladen ist nach Bedarf geöffnet.

Kontakt:
Telefon: (07222) 68317

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