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Häufiger Freigang tut jedem Federvieh gut
Ausreichend Platz für arttypisches Verhalten haben die Puten von Martin Fraß in Steinmauern. Foto: Vetter
23.10.2012 - 15:26 Uhr
Steinmauern (sl) - Gerade Geflügelkauf ist Vertrauenssache: Einerseits rangiert das recht magere, eiweißreiche und vielseitig verwendbare Fleisch in der Verbrauchergunst ganz oben, andererseits ist besonders die Federviehhaltung in den vergangenen Jahren in Verruf geraten. Zu viel hat man schon gelesen über schreckliche Zustände in den Ställen, verkrüppelte Tiere, hormonverseuchte Puten oder Salmonellen im Hähnchenfleisch.


Martin Fraß aus Steinmauern will da andere Wege gehen. Seine Puten, die auch Truthühner genannt werden, Gänse und Enten sind nicht hinter dicken Mauern versteckt. Jeder, der am idyllisch gelegenen Hofladen am Ende der Steinmauerner Rheinstraße und am wenige Meter weiter gelegenen Freigelände vorbeikommt, kann sich vom Zustand der Tiere überzeugen. Sie haben ein dichtes Federkleid, sind sauber und agil. Eine leidende Kreatur sieht anders aus.

Rund 500 Gänse und 200 Puten tummeln sich zurzeit auf den Fraß'schen Wiesen vor den Toren des Flößerdorfs. Klingt viel, ist aber tatsächlich von Massentierhaltung weit entfernt. Die Tiere haben ausreichend Platz, ihrem natürlichen Bewegungsdrang zu folgen und ihr arttypisches Verhalten zu zeigen. Etliche Enten kommen noch dazu.

Alle Vögel bekommt der Landwirt als Küken, wenige Wochen nach dem Schlupf, und zieht sie dann groß bis zur - leider muss man es so deutlich sagen: Schlachtreife. Bis es soweit ist, dürfen die Tiere viel nach draußen. Freilandhaltung ist bei Gänsen keine Seltenheit, bei Puten aber schon, erklärt der Fachmann, weil sie von Natur aus empfindlicher sind. Bei schlechtem Wetter bleiben sie lieber im Stall - bei Fraß auf frischem Stroh.

Doch der Steinmauerner hat festgestellt, dass der regelmäßige Freigang den Truthühnern gut tut. "Das bringt den Tieren Vitalität", sagt er. Daher sei anders als bei der Massentierhaltung kein Einsatz von Antibiotika notwendig. Und den Kunden schmeckt das Putenschnitzel auch besser, ist Fraß überzeugt. Die Tiere haben auch mehr Zeit zum Wachsen, werden nicht in wenigen Wochen zu Turbovögeln, die sich kaum auf den Beinen halten können.

Die Saison für den Hofladen beginnt, sobald es im Herbst kühl wird. Die Zeit zwischen Sankt Martin und Weihnachten ist natürlich die Hauptsaison für Gänsebraten. "Nach dem Fest verkaufe ich keine Gans mehr", begründet Fraß, warum den 24. Dezember kaum ein Tier erlebt. Der Landwirt schlachtet selbst. Keine schöne Arbeit, aber es muss ja getan werden. Und: "Ich erspare den Tieren so den Transportstress." Allerdings ist sich Fraß sicher, dass die schlauen Gänse ahnen, was ihnen bevorsteht. Wenn zu Sankt Martin die Ersten für immer von ihren Artgenossen Abschied nehmen müssen, werden die anderen unruhig, sobald sie ihren Besitzer erblicken: "Von da an ist das Verhältnis gestört", bedauert Fraß. Ganz anders die Puten, die in den Tag hinein leben und weniger in die Zukunft schauen.

Ganze Gänse oder Puten sollte man rechtzeitig vorbestellen, natürlich besonders zu Weihnachten. Im Hofladen gibt es außerdem auch Steaks und verschiedene Wurstsorten von der Pute, neue Kartoffeln und solche zum Einkellern und seit neustem naturtrüben Apfelsaft von eigenen Streuobstwiesen. Ergänzt wird das Angebot von hofeigenem Holzofenbrot und Honig eines Imkers aus Steinmauern.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: nachmittags bis abends
Samstag: 9.30 bis 12.30 Uhr

Geflügel auf Vorbestellung.

Kontakt:
Geflügelhof Fraß
Rheinstraße 71
76479 Steinmauern
Telefon: (07222) 27622

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