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Zusammenhänge in der Natur erkennen und nutzen
Andrea und Peter Rieger in ihrem Hofladen. Was sie für den Kreislauf der Landwirtschaft benötigen, produzieren sie nahezu alles selbst.  Foto: Eiermann
01.09.2013 - 12:07 Uhr
Rheinmünster (jo) - Grasende und dösende Tiere auf der Weide sind das Sinnbild für ländliche Idylle schlechthin. Eine Herde Fleckviehrinder erblickt das Auge bei der Anfahrt zum Wacholderhof in Söllingen, den Peter und Andrea Rieger als Bioland-Hof betreiben. Der Hofladenverkauf hat seit den 70er-Jahren Tradition. In der Kühltheke und in den Regalen finden sich - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nur eigene Produkte.

"Unsere Kunden schätzen die Authentizität", erklärt Andrea Rieger beim Rundgang. Spezialitäten des Wacholderhofs, dem früheren Mederhof, sind Fleisch- und Wurstwaren sowie Kartoffeln. Mit Mehl und Brot hat sich der Familienbetrieb in der Direktvermarktung ein weiteres Standbein geschaffen.

Gearbeitet wird streng nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. "Unsere Arbeit verstehen wir als Lebensaufgabe. Wir wollen die Zusammenhänge in der Natur erkennen, fördern und für uns nutzbar machen", lautet die Philosophie.

Die Mitgliedschaft im Bioland-Verband (seit 1998) verpflichte, auf dem Feld, im Stall und in der Verarbeitung "alles wegzulassen", was für Mensch und Tier schädlich sein könnte. Die Riegers produzieren, was sie für den Kreislauf der Landwirtschaft benötigen, möglichst selbst. Wie etwa das Futter fürs Vieh: Kleegras, Mais, Grünland und Soja, Teile davon werden für den Winter konserviert. "Rundum gut ernährt, haben unsere 25 Rinder und 15 Schweine ein ruhiges Leben", erklärt Peter Rieger. Die hohenlohischen Borstentiere stehen in drei Altersklassen im Stall.

An heißen Tagen wie diesen holt Peter Rieger bis Mittag auch die Kühe und den Stier unters Dach. Denn: "Ein Rindvieh mag keine Hitze." Zudem sei es im Stall auch besser geschützt vor Mücken, Schnaken und anderem Ungeziefer.

Geschlachtet wird in Bühl, die Verarbeitung erfolgt auf dem Hof. "Bei der Herstellung von Bioland-Wurst verzichten wir auf Nitratpökelsalz, Phosphat, Glutamat und fertige Würzmischungen", unterstreicht Andrea Rieger. Geräucherter Schinken sei aus Qualitätsgründen nur von Herbst bis Frühjahr im Angebot.

Viele Kunden kommen auch wegen der Biokartoffeln auf den Hof. Die Sorte Agria gehört seit Jahren zu den beliebtesten, so Peter Rieger. "In diesem Jahr hat die Anuschka gut eingeschlagen", eine sehr frühe, festkochende Sorte. Knollen, die nicht marktgerecht gewachsen sind, dienen zusammen mit zu klein geratenen Getreidekörnern den Schweinen als Ernährungsgrundlage.

Apropos Getreide: Der Wacholderhof baut Urdinkel, Weizen und Roggen ("keine Hybridzucht") an und erzeugt das Mehl in der eigenen Mühle. Gebacken wird ein Holzofenbrot, einmal monatlich auch reines Dinkelbrot. Was das Sortiment betrifft, "stecken wir noch in der Experimentierphase", sagt Peter Rieger.

"Im warmen Klima unserer Rheinebene wachsen auch vorzüglich Sojabohnen", schildert er. Die Sojapflanze zieht den Stickstoff aus der Luft und macht diesen für nachfolgende, andere Kulturen nutzbar - ganz ohne synthetischen Stickstoffdünger. Abnehmer der Bohnen ist ein Freiburger Bio-Unternehmen, das Tofu-Produkte herstellt.

30 Hektar Acker und Grünland umgeben den Aussiedlerhof, den Hubert und Waltraud Meder in den 60er-Jahren gegründet hatten. "Die Arrondierung ist ein Riesenvorteil", sagen die Riegers. Die Geschlossenheit mache den Bioanbau unempfindlicher gegen äußere Einflüsse. Unkraut wird auf eine einfache, effektive, wenngleich zeitraubende Weise getilgt: "Wir machen uns die Mühe, von Hand durchzugehen."

Zukunftspläne: Die Riegers wollen einen neuen Stall bauen und auch Bio-Geflügel auf den Hof holen. Andrea Rieger ist sich sicher: "Wir sind für die Zukunft besser gerüstet als der konventionelle Landbau."

Öffnungszeiten:
Mittwoch: 10 bis 12 Uhr
Freitag: 15 bis 18 Uhr
Samstag: 10 bis 14 Uhr

Verkaufsstelle Michelbach:
Mittwochs: 15 bis 18 Uhr

Kontakt:
Der Wacholderhof liegt westlich der B36 und ist von Stollhofen über den Kreisel und die Grünfeldstraße zu erreichen (vor dem Bahnübergang rechts abbiegen, den Schienen folgen) oder von der Ortsmitte Söllingen via Poststraße in südwestlicher Richtung.

Wacholderhof
Mederhof 1
77836 Rheinmünster-Söllingen
Telefon: (07227) 991126

Verkaufsstelle Michelbach
Walkenbach 7
76571 Gaggenau-Michelbach

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