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Von der Wildschwein-Bierwurst bis zur abgehangenen Rehkeule
Das städtische Forstamt mit seinem Chef Martin Koch setzt auf die Direktvermarktung heimischen Wildbrets.  Foto: fuv
03.04.2014 - 00:00 Uhr
Von Ingo Apioleinus

Rastatt - Wer's "wild" mag, ist in der Rastatter Platanenstraße 7 an der richtigen Adresse: In den dortigen Verwaltungsräumen vermarktet die städtische Forstverwaltung ganzjährig Reh, Wildschwein, Fasane, Stockenten oder Feldhasen. Revierförster Martin Koch schätzt ebenso wie seine Kundschaft die hohe Qualität heimischen Wildbrets, das Fleisch sei völlig unbelastet - von radioaktiven Tschernobyl-Rückständen keine Spur, was die ständigen Untersuchungen belegten. Außerdem enthalte das Fleisch viele Mineralstoffe und einen geringen Fettanteil - mehr Bio gehe nicht.


Die Stadt Rastatt hat rund 4800 Hektar Fläche an sogenannte Regiejäger verpachtet, die dafür sorgen, dass die Kühlschränke im städtischen Forstbetrieb nicht leer stehen.

Allerdings: Mehr als zehn Wildschweine und 20 Rehe pro Jahr gebe es in der Regel nicht, so Koch. Rund zwölf Jäger betreuen dieses gewaltige Areal. Während die regulären Jagdpachten für viele tausend Euro neun Jahre lang vergeben werden, sind die Regiejäger teilweise nur ein Jahr mit zwei- bis dreihundert Euro dabei, betont Koch, der selbst gern auf die Pirsch geht. An seine erste erlegte Wildsau kann er sich noch gut erinnern: "So ein Erlebnis vergisst man nicht, rund 70 Kilo brachte das Tier auf die Waage", berichtet Koch, der auf die herausragende Qualität des Wildbrets aus der Region verweist.

Er betont, dass die weitläufige Meinung, dass Wild nur in den Wintermonaten Saison habe, ein Trugschluss sei. Wildschwein beispielsweise dürfe das ganze Jahr über gejagt werden, Rehe indes haben von Februar bis Mai Schonzeit. Um der zunehmenden Population von Wildschweinen, die immer wieder Äcker und Felder verwüsteten, Einhalt zu gebieten, dürften sie ganzjährig geschossen werden. "Wild hat immer Saison", betont der Revierförster. Schon seit Mitte der 80er Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts vermarktet die Stadt heimisches Wildbret.

Groß beworben wird dies allerdings nicht, die Verkaufsstelle ist eher ein Insidertipp. Auch stehe man nicht in Konkurrenz zu anderen gewerblichen Anbietern, dafür seien die Absatzmengen viel zu gering, so Koch. Im Erdgeschoss der Platanenstraße 7 kann man sich dennoch mit Wildbret gut eindecken. Kochs Devise: Kurz vorher anrufen und fragen, was man in der Tiefkühltruhe oder frisch vorrätig habe. Das Fleisch kann vor Ort abgeholt werden, bezahlt wird per Rechnung.

Und wer Außergewöhnliches wie Fasan oder Wildente mag, kann diese auf Vorbestellung ordern. Wenn der Jäger entsprechende Exemplare vor die Flinte bekommt, wird der Kunde verständigt. Apropos Regiejäger - diese sind verpflichtet, das erlegte Wild bei der Forstbehörde abzugeben. Wenn sie das Wildbret selbst behalten wollen, zahlen sie wie jeder andere den gleichen Obolus dafür. Ein Kilo Rehbraten kostet beispielsweise 16 Euro.

Die Tiere werden nach der veterinärmedizinischen Untersuchung vom Ottersdorfer Metzger Stefan Reis "verwurschelt" und in Folie portioniert. Aber auch Wildschwein-Bierwurst in der Dose oder -krakauer, Wildbratwürste und andere Delikatessen stellt er her. In der Kühlzelle des Forstamts wartet derweil ein erlegtes Wildschein auf seine Freigabe. "Rund vier bis fünf Tage dauere es, bis die Untersuchung abgeschlossen ist und das Fleisch auf den Markt darf", so Koch. Gutes Wildbret muss eben auch gut abgehangen sein.

Wer Wild bei der Stadt bestellen möchte, kann dies per E-Mail unter forst@rastatt.de oder unter (07222) 9726500 erledigen.

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