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Fahnder finden Gift bei mutmaßlichem Erpresser - Haftbefehl
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30.09.2017 - 09:13 Uhr
Konstanz (dpa) - Die Supermarkt-Erpressung mit vergifteter Babynahrung ist nach Überzeugung der Ermittler aufgeklärt. Die Polizei fand das gleiche Gift sowie andere Beweise bei einem 53 Jahre alten Mann, den sie im Kreis Tübingen festnahm. Er steht nach Angaben der Behörden unter dringendem Tatverdacht. Ein Richter in Ravensburg erließ am Samstagnachmittag Haftbefehl.

Der Verdächtige habe die Tat bisher nicht gestanden, hatte der Leitende Oberstaatsanwalt Alexander Boger zuvor in Konstanz gesagt. Die Beweislast sei aber wegen des Abgleichs mit den Fahndungsfotos und anderer Spuren erdrückend. Die Polizei hatte Hunderte Hinweise aus der Bevölkerung erhalten.

Vernichtung von Beweismitteln vorbereitet
Bei einer Wohnungsdurchsuchung am Freitag in Ofterdingen habe man eine Flasche mit dem Gift Ethylenglycol gefunden, mit dem die sichergestellte Babynahrung in Friedrichshafen versetzt worden war. DNA-Spuren an den vergifteten Gläschen deuteten ebenfalls auf den Mann hin. Der Verdächtige habe die Vernichtung von Beweismitteln vorbereitet. Einen Laptop fanden die Beamten in einem Altkleider-Container. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Der Verdächtige lebte demnach seit 2005 in Baden-Württemberg. Zuvor war er in Bayern gemeldet gewesen.

Behörden mahnen Verbraucher weiter zur Vorsicht
Trotz der Festnahme sollen die Menschen beim Einkauf weiterhin vorsichtig sein, mahnten die Behörden. "Es wäre vorschnell, schon eine komplette Entwarnung zu geben", sagte Polizeivizepräsident Uwe Stürmer. Der Erpresser hatte damit gedroht, bis Samstag 20 vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen und per E-Mail einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag gefordert. Die sichergestellte Menge von etwa 250 Millilitern Ethylenglycol in einer halbvollen Flasche hätte nach Stürmers Angaben ausgereicht, weitere fünf Gläschen zu vergiften. Nach Stürmers Einschätzung wurde jedoch der gesamte Giftvorrat des Verdächtigen gefunden.
Die Warnmeldung bleibe jedoch bestehen, bis mehr Klarheit herrsche. Die Menschen sollten beim Einkauf weiter darauf achten, ob Produkte manipuliert seien, und im Zweifelsfall die Polizei informieren. Es gebe derzeit keine Erkenntnisse, dass der festgenommene Mann in Supermärkten oder Drogerien mehr vergiftete Lebensmittel als die bereits gefundenen Gläschen mit Babynahrung platziert habe.

Der Vorwurf gegen den Verdächtigen lautet auf versuchte räuberische Erpressung. Laut Boger drohen ihm im Fall einer Verurteilung zwischen 5 und 15 Jahren Haft. Er schloss eine mögliche Beschuldigung auch wegen versuchter Tötung nicht aus. In dem Fall wäre eine lebenslange Strafe möglich. Weil der Verdächtige bisher nicht ausgesagt habe, gebe es keine Erkenntnisse zum möglichen Motiv.

Festgenommener Mann mit psychischen Auffälligkeiten
Der Verdächtige sei ein Mann mit psychischen Auffälligkeiten und Brüchen in der Biografie, sagte Stürmer. Er sei ein exzentrischer Einzelgänger. Weitere Angaben wollte der Vizepräsident wegen des Persönlichkeitsrechts des Verdächtigen nicht machen. Boger sagte, der Mann sei nach ersten Erkenntnissen strafrechtlich vorbelastet. Details nannte er nicht, weil ihm die Akte noch nicht vorliege.
Nach Auffassung des Kriminologen und Psychologen Martin Rettenberger handelt es sich um einen äußerst seltenen Verbrechensfall. "Das ist auf jeden Fall eine ungewöhnliche Konstellation", sagte der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden.
Eine Gemeinsamkeit von Erpressungsversuchen mit vergifteten Lebensmitteln sei, dass die Täter innerhalb kurzer Zeit bundesweit, zum Teil darüber hinaus, einen "maximalen Aufmerksamkeitsfokus" erhielten. Er vermutet beim Täter ein "ausgeprägtes Geltungsbedürfnis". Wenn es nur um die Gier nach Geld ginge, ließen sich für Täter andere Wege finden.
Der baden-württembergische Verbraucherminister Peter Hauk (CDU) reagierte mit Erleichterung auf die Festnahme. Er dankte den Verbrauchern, die besonnen und aufmerksam reagiert hätten, und der Polizei für ihre professionelle Arbeit. Bis zur endgültigen Aufklärung sollten Verbraucher aufmerksam bleiben.

Foto: dpa

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