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Wenn der Kinobesuch zum Luxus wird
Wenn der Kinobesuch zum Luxus wird
18.10.2017 - 21:30 Uhr
Rastatt (for) - Verreisen, Freunde zum Essen einladen oder ein Kinobesuch - was für die einen selbstverständlich ist, ist für die anderen nahezu unmöglich. Die Armutsgefährdung in Baden-Württemberg steigt. Das zeigt der erste Armuts- und Reichtumsbericht, den Stephanie Saleth, Projektleiterin bei der Erstellung des Berichts, in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses vorstellte.

Als "armutsgefährdet" gilt in Baden-Württemberg jeder vierköpfige Haushalt, bestehend aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren, dessen Mindesteinkommen unter 2.169 Euro pro Monat liegt. Demnach wiesen im Jahr 2016 nach Angaben des Armuts- und Reichtumsberichts rund 15 Prozent der Bevölkerung ein überdurchschnittliches Armutsrisiko auf. Vor allem kinderreiche Familien sowie Alleinerziehende und ihre Kinder seien mit zunehmender Tendenz armutsgefährdet. Ein enger Zusammenhang bestehe zwischen der Erwerbstätigkeit der Eltern und Kinderarmut. Dies begründe auch den leichten Rückgang des Armutsrisikos bei über Sechsjährigen. Grund sei, dass mit dem Eintritt des Kindes in die Grundschule für Eltern eher die Möglichkeit bestehe, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

Erlernen eines Musikinstruments oft unerschwinglich

Zwar bedeute Armut hierzulande nicht unbedingt, dass die Betroffenen um das "pure Überleben" kämpfen, sie wirke sich aber erheblich auf die kulturelle Teilhabe aus, so Saleth. Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen sind die Folge. Das Erlernen eines Musikinstruments oder die Mitgliedschaft in einem Verein - für viele schlichtweg unmöglich. Rund 76 Prozent der Kinder, deren Eltern SGB-II-Leistungen beziehen, könnten sich laut des Berichts keine einwöchige Urlaubsreise leisten.

Auswirkungen der Armutsgefährdung zeigten sich auch in einem schlechteren Gesundheitszustand und im oft niedrigeren Bildungserfolg. Trotz dass der Anteil der Bildungsausgaben am gesamten Einkommen in allen Einkommensklassen etwa gleich sei, gebe es immer noch einen engen Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft. Diesen aufzulösen, sei laut Saleth ein wichtiger Ansatzpunkt zur Armutsbekämpfung.

Kinderarmut auch in Landkreis Rastatt gestiegen

Im Anschluss an ihren Vortrag beleuchtete Otto Tepper, Geschäftsführer des Diakonischen Werks des Evangelischen Kirchenbezirks Baden-Baden und Rastatt, die Thematik der Kinderarmut aus Sicht eines Verbands der freien Wohlfahrtspflege. Er ließ dabei regionale Erfahrungen einfließen. Die Zahlen einer Studie der Bertelsmann-Stiftung belegen: Auch im Landkreis Rastatt ist die Kinderarmut gestiegen. Waren es im Jahr 2011 noch 2.540 Minderjährige im SGB-II-Bezug, so stieg die Anzahl 2015 auf 2.570, das sind rund sieben Prozent aller Minderjährigen. Zwar gebe es Ansätze zur Senkung der Kinderarmut, beispielsweise veränderte Hartz-IV-Regelsätze oder eine Kindergrundsicherung, Tepper bezweifelte jedoch, dass es zu schnellen politischen Veränderungen kommen werde. Deshalb seien Eltern auf Unterstützungsangebote angewiesen.

Positiv anzumerken sei, dass der Landkreis über ein gut funktionierendes Netz an Hilfsorganisationen verfüge. Als Vorzeigebeispiel aus der Region nannte Tepper den Karlsruher Kinderpass. Im lokalen Bereich tragen neben dem Rastatter Diakonieladen und dem Kids & Co Caritasverband auch die Tafelläden zur Unterstützung bei. Derzeit seien 2.559 Kinder im Rastatter Tafelladen registriert. Weitere Clubs und Verbände leisten zusätzlich Beistand. Da viele Angebote aber nur punktuell helfen, gestalte es sich schwierig, ein "Best-Practice-Beispiel" zu finden. Treppers Wunsch ist es deshalb, das Thema Kinderarmut in regelmäßigen Abständen als Tagesordnungspunkt in den Sitzungen zu integrieren.

Symbolfoto: dpa

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