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Gewerkschaft: Bildungsnotstand bei der Polizei erreicht
Gewerkschaft: Bildungsnotstand bei der Polizei erreicht
22.10.2017 - 17:06 Uhr
Stuttgart (lsw) - Weniger Standorte, fehlendes WLAN, veraltete Duschräume: Bei der Polizei in Baden-Württemberg mangelt es aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) an etlichen Stellen. "Beispielsweise kann man fast drei Jahre nach der Schließung der Fortbildungseinrichtungen in Freiburg und Wertheim nicht einmal ansatzweise von einem Ersatz sprechen", sagte der Landesvorsitzende Ralf Kusterer.

Die Stimmung unter den Auszubildenden, Lehrern, Dozenten und Professoren sei auf dem Tiefpunkt. Polizeianwärter verließen kurz nach der Einstellung die Polizeibildungseinrichtungen, die von ihnen als "miserabel" bezeichnet würden. "So sieht heute keine Jugendherberge mehr aus." Doch das Land will sich den Problemen bereits angenommen haben: Nach Auskunft von Innenminister Thomas Strobl (CDU) vom Sonntag vollzieht Baden-Württemberg gerade das "größte Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramm in der Geschichte der Polizei". Der Südwesten erfülle jetzt - vorbehaltlich der Beschlüsse im Landtag - bereits das, was zum Ende der Legislatur im Jahr 2021 versprochen worden sei. "Mit der Einstellung von 1.400 Polizisten im Jahr sind wir jetzt schon an der Grenze, mit 1.800 brauchen wir neue Ausbildungskapazitäten."

Zusätzliche Ausbildungsstandorte

Die CDU-Fraktion gab Kusterer allerdings recht. "Die Kritik der Deutschen Polizeigewerkschaft ist berechtigt. Die Situation muss besser werden", sagten Fraktionschef Wolfgang Reinhart und der innenpolitische Sprecher, Thomas Blenke. Deshalb habe die Landtagsfraktion bereits im Doppelhaushalt 2018/19 einen deutlichen Schwerpunkt auf die innere Sicherheit gelegt und werde die finanziellen Mittel für zusätzliche Ausbildungsstandorte bereitstellen.

"Mit der Kreidetafel gegen Internetkriminalität"

Aktuell findet die Einstellung der Polizeischüler im mittleren Dienst laut Kusterer überwiegend im Süden (Lahr und Biberach) und nur in kleinem Umfang in Bruchsal statt. An der Ausstattung mangele es aber. "In einigen Gebäuden müssen Eimer dazu dienen, eindringendes Wasser aufzufangen, Platten fallen von den Toiletten- und Duschwänden ab", erzählte Kusterer. Erst in der vergangenen Woche sorgte die Krätze in Bruchsal für die zeitweise Schließung. Und auch die Hochschule für die Polizei in Villingen-Schwenningen ist laut Kusterer "ein Desaster": Kaum WLAN, veraltete Lehrräume. "Man kann die Zustände bei der Polizei auch so beschreiben: Mit der Kreidetafel gegen Internetkriminalität."

Neuer Standort in Herrenberg

Derzeit prüft die Landesregierung Standorte für eine neue Polizeischule. Schon beschlossen ist - von Herbst 2018 an - ein neuer Standort in Herrenberg (Landkreis Böblingen). Im weiteren Verlauf des kommenden Jahres ist ein noch ein anderer Standort geplant. Laut Reinhart soll die frühere Fortbildungsstätte Wertheim im Main-Tauber-Kreis - sie wurde zwischenzeitlich als Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge genutzt - polizeilich weitergenutzt werden. Im Gespräch für Standorte neuer Polizeischulen sind laut Kusterer außerdem Mengen/Hohentengen (Kreis Sigmaringen) und Messstetten (Zollernalbkreis).

Foto: dpa

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