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Tarifabschluss für Metall- und Elektrobranche
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06.02.2018 - 06:47 Uhr
Stuttgart (dpa) - Nach einem erneuten Verhandlungsmarathon von 13 Stunden haben sich die Tarifparteien der Metall- und Elektrobranche in Baden-Württemberg am frühen Dienstagmorgen auf einen Abschluss verständigt.

Das zähe Ringen bis zur sechsten Verhandlungsrunde hatte seinen Grund: Angesichts der zahlreichen geforderten Neuerungen mussten die Vertreter des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall und der IG Metall Baden-Württemberg an vielen Stellschrauben drehen, um schließlich jeweils mit Kompromissen leben zu können.
Eine Laufzeit von 27 Monaten, 4,3 Prozent mehr Geld, dazu jährliche Einmalzahlungen - das ist nur ein Teil des nun vorliegenden Pilotabschlusses.
Die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie können darüber hinaus künftig für bis zu zwei Jahre ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden absenken. Im Gegenzug dürfen Betriebe dann mit mehr Beschäftigten als bisher 40-Stunden-Verträge abschließen. Dies sind die wesentlichen Punkte der Vereinbarung; darüber hinaus wurde über zahlreiche zusätzliche, weniger kostspielige Änderungen verhandelt und entschieden.
Die Vier vor dem Komma schmerze, sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf im Anschluss an die Verhandlungen. Immerhin habe man aber mit der langen Laufzeit von 27 Monaten für Planungssicherheit gesorgt.
«Wir haben um jedes Detail hart gerungen», bilanzierte auch IG-Metall-Verhandlungsführer Roman Zitzelsberger. Die Gewerkschaft hat durchgesetzt, dass die Beschäftigten zusätzlich zur Entgelt-Erhöhung von 4,3 Prozent ab April 2018 für die Monate Januar bis März 2018 eine Einmalzahlung von 100 Euro erhalten. Außerdem gibt es von 2019 an jährlich ein neues tarifliches Zusatzgeld von 27,5 Prozent eines Monatseinkommens sowie einen Festbetrag von 400 Euro. Letzterer, das haben die Arbeitgeber durchgesetzt, kann in wirtschaftlich schweren Zeiten gesenkt oder gestrichen werden.
Einigung wurde auch im hart umkämpften Bereich der Arbeitszeit erzielt, mit dem Ergebnis, dass beide Parteien diesen Faktor künftig flexibler handhaben können. So können Arbeitnehmer ab 2019 ihre Wochenarbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf 28 Wochenstunden reduzieren und diese reduzierte Arbeitszeit auch erneut beantragen. In einem vergleichbaren Umfang dürfen die Arbeitgeber hingegen mit den Beschäftigten Verträge über 40 Wochenstunden abschließen, was laut Südwestmetall etliche Mitarbeiter wollen, um mehr Geld zu verdienen.
Auch ein besonders strittiger Punkt wurde schließlich geklärt: Die Forderung der IG Metall, dass bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder im Falle solch einer Arbeitszeitreduzierung einen Zuschuss für entgangenen Lohn erhalten sollen. Sie können nun statt dem für alle vereinbarten tariflichen Zusatzgeld von 27,5 Prozent eines Monatsgehalts acht freie Tage wählen.

Die Einigung in Baden-Württemberg gilt als Pilotabschluss für die deutschlandweit rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. In der Regel übernehmen die übrigen sechs Tarifbezirke den Abschluss des Pilotbezirks.
Themenfoto: dpa

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