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Mehr Verkehrstote - Land für mehr Blitzer und echte Lkw-Notbremsen
Mehr Verkehrstote - Land für mehr Blitzer und echte Lkw-Notbremsen
20.02.2018 - 16:11 Uhr
Stuttgart (lsw) - Nach einem deutlichen Anstieg von tödlichen Unfällen auf Baden-Württembergs Straßen hat Innenminister Thomas Strobl (CDU) eine Blitzer-Offensive gegen Raser ausgerufen. "Wir fahren den Kontrolldruck hoch und setzen verstärkt auf neuste Technik", kündigte Strobl am Dienstag in Stuttgart an.

Zudem setze sich das Land für die Pflicht zum Einbau von nicht abschaltbaren Notbremssystemen in Lastwagen ein. Auch die Groko will das. Mit einer echten Notbremse hätte sich der schwere Lastwagenunfall mit vier Toten vor einer Woche bei Walldorf wohl nicht ereignet, sagte Strobl.

Mit fast 326.500 Verkehrsunfällen landesweit (plus 3,7 Prozent) sei ein neuer Höchststand erreicht worden, erklärte der Minister. "Besonders bitter" sei der Anstieg bei der Zahl der Getöteten: 458 Menschen kamen 2017 auf Baden-Württembergs Straßen ums Leben, rund 13 Prozent mehr als im Jahr davor. 104 Menschen starben auf dem Motorrad (plus 38,7 Prozent), 111 Menschen bei Lastwagenunfällen (plus 20,7). Raserei war die Hauptursache: 40 Prozent der Auto- und 70 Prozent der Motorradfahrer waren zu schnell, bevor sie starben. Im Kampf gegen Unfälle will das Land nun an mehreren Stellschrauben drehen.

Blitzer: An Autobahnen etwa setze man im Kampf gegen Raser auf ein neues, mobiles Blitzgerät, erklärte Strobl. Der "Enforcement-Trailer", eine Art Anhänger, kann ohne Personal mehrere Tage selbstständig das Tempo kontrollieren. Verstärkt sollen auch zivile Video-Autos oder Handlasermessgeräte zum Einsatz kommen.

Lkw-Notbremse: Baden-Württemberg mache sich dafür stark, dass nicht abschaltbare Notbremssysteme in Lastwagen EU-weit Pflicht werden, sagte Strobl. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass Lastwagen zwar mit solchen Sicherheitssystemen ausgerüstet sein müssten, diese aber - um im Windschatten fahren zu können oder beim Überholen - wieder ausgeschaltet werden könnten. Beim Walldorfer Unfall spielte die Notbremse jedoch keine Rolle. Das System ist erst seit Baujahr 2015 Pflicht, der Lastwagen war älter.

Kontrolle: Überprüfungen von Lastwagen und Bussen bleiben ein Schwerpunkt der Polizei im Südwesten, wie Strobl ankündigte. Neben den Lenkzeiten und dem Zustand der Fahrzeuge würden gezielt auch Tempo und Abstand überwacht. Eine Beanstandungsquote bei einer Kontrollwoche von 41,1 Prozent "unterstreicht die Notwendigkeit der polizeilichen Kontrolle des gewerblichen Güter- und Personenverkehrs".

Handy: Der Trend der vergangenen Jahre zu Handys am Steuer hält an - was zu Unfällen führen kann. 2017 habe die Polizei bei 72.080 Verkehrsteilnehmern die Handynutzung am Steuer zur Anzeige gebracht, 2016 waren es noch 58.793. Auch hier werde "der Kontrolldruck" gezielt hochgehalten, sagte Strobl. Am 20. September werde sich die Polizei Baden-Württemberg zudem an einem bundesweiten Kontrolltag zur unerlaubten Handynutzung beteiligen.

Biker-Kampagne: Zwischen März und Oktober 2017 kam den Zahlen zufolge an jedem vierten Tag ein Motorradfahrer durch einen selbst verschuldeten Unfall ums Leben. Für Strobl Grund genug, in allen Polizeipräsidien sogenannte Präventionsteams einsetzen. Zusammen mit dem TÜV und dem ADAC soll die Polizei gezielt Bikertreffpunkte aufsuchen und fahr- und sicherheitstechnische Beratung anbieten.

Symbolfoto: dpa

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