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Fahrer schon vor tödlichem Müllwagen-Unfall mit Lkw umgekippt
Fahrer schon vor tödlichem Müllwagen-Unfall mit Lkw umgekippt
08.03.2018 - 15:36 Uhr

Tübingen (lsw) - Schon vor dem Müllwagen-Unfall mit fünf Toten in Nagold (Kreis Calw) ist der angeklagte Fahrer mit einem Lastwagen umgekippt. Der Mann verlor damals seinen Führerschein für ein Dreivierteljahr und musste eine Geldstrafe zahlen. Das Landgericht Tübingen zitierte am Donnerstag aus einem sogenannten Fahreignungsregister.

Demnach war er am 25. Mai 2010 bereits mit einem Müllwagen zu schnell gefahren und mit dem Lkw umgekippt. Sein Beifahrer wurde damals verletzt.

Der 55 Jahre alte Müllwagenfahrer ist im aktuellen Fall wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Er soll der Staatsanwaltschaft zufolge am 11. August 2017 zu schnell in eine Kreuzung gefahren sein, wobei sein Müllwagen auf ein voll besetztes Auto kippte. Alle fünf Menschen darin starben, darunter zwei Kinder.

Am zweiten Verhandlungstag am Donnerstag kam die Frage auf, ob er und sein Beifahrer im Müllwagen bewusst besonders schnell unterwegs waren. Ein Zeuge sagte aus, dass ihm bei der Fahrt durch das Nagolder Industriegebiet am 11. August 2017 wenige Minuten vor dem Unfall von einem Müllwagen die Vorfahrt genommen wurde. Er konnte sich auch an eine Handgeste des Beifahrers im Müllwagen erinnern - "als ob er sich bedankt, dass man ihn vorbei lässt", sagte der Zeuge. urz darauf soll der Müllwagenfahrer der Staatsanwaltschaft zufolge zu schnell in eine Kreuzung gefahren sein, wobei sein Fahrzeug auf das Auto kippte.

Fahrer spricht von Problemen mit den Bremsen

Der Fahrer hatte beim Prozessauftakt am Mittwoch Probleme mit den Bremsen als Unfallursache beschrieben. Das Bremspedal habe sich nicht ganz durchdrücken lassen, sagte er. Sein Beifahrer trug mit der Zeugenaussage am Donnerstag kaum zur Klärung bei. Er habe im Fahrerhaus gegessen und nichts wahrgenommen, sagte er. Sein Bruder hingegen erinnerte sich daran, dass der Beifahrer am Unfalltag geschildert habe, wie der Fahrer des Müllwagens mit der Motorbremse bremsen wollte, aber nichts funktioniert habe.

Das Gericht hörte weitere Unfallzeugen. Einer beschrieb, dass der Müllwagen schon auf der abschüssigen Strecke vor der späteren Unfall-Kreuzung - aus der Ferne beobachtet - in Schlangenlinien gefahren sei. Andere sagen, dass der Müllwagen an der Kreuzung schnell auf die Landstraße gefahren sei und dabei einem anderen Fahrzeug die Vorfahrt genommen habe. Bei einer scharfen Rechtskurve sei das Fahrzeug umgekippt.

Gutachter bestätigt ordentliche Fahrweise

Ein Gutachter hat dem Angeklagten eine ordentliche Fahrweise bescheinigt. "Mann kann aus dem Fahrstil nicht ableiten, dass versucht wurde, Zeit zu sparen", sagte der unfallanalytische Gutachter am Landgericht Tübingen. Er sprach von "sehr gediegenem Fahrverhalten". Der Müllwagenfahrer hat laut Rekonstruktion des Gutachters wohl vier Kilometer vor dem Unfall seinen Kollegen am Steuer abgelöst und beim anschließenden Fahren die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten eingehalten. Mit Hilfe eines digitalen Kontrollgeräts aus dem Müllwagen und GPS-Daten konnte der Experte die Geschwindigkeiten des Fahrzeugs und die gefahrene Strecke rekonstruieren. Technische Defekte an den Bremsen hat der Gutachter aber nicht feststellen können.


Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren

Der Fahrer arbeitete zum Zeitpunkt des Unfalls nach eigenen Angaben schon mehr als 16 Jahre lang als Müllwagenfahrer und fuhr täglich zwischen 100 und 200 Kilometern. Sein Arbeitgeber hatte beim Prozessauftakt gesagt, dass sich sein Mitarbeiter in den sechs Jahren der Anstellung bei ihm noch keine Bußgelder eingehandelt und nur kleinere Rangierschäden verursacht habe.

Das Urteil wird am dritten Verhandlungstag (19. März) erwartet. Dem Angeklagten droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Archivfoto: dpa

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