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Prozess gegen Erzieher
Prozess gegen Erzieher
27.08.2018 - 08:08 Uhr
Heilbronn (lsw) - Vergewaltigung eines Schuljungen sowie Herstellung von Kinderpornos werden dem ehemaligen Leiter eines Kindergartens zur Last gelegt, der sich von Montag an vor dem Landgericht Heilbronn verantworten muss. Kritik gibt es an den Ermittlern und der Landeskirche.


Laut Anklage soll der 31-Jährige sich von 2012 bis Anfang 2018 insgesamt 19 Mal meist in seiner Wohnung an einem anfangs sechs Jahre alten Kind vergangen und diese Taten auch gefilmt haben. Der Mann sitzt seit Anfang März in Haft. Schwerwiegendster Vorwurf: schwerer sexueller Missbrauch von Kindern - was mit bis zu 15 Jahren Gefängnis bestraft werden kann (Az: 2 KLs 32 Js 7465/18).

Arbeitgeber spät informiert?

Bereits Anfang 2016 war der Erzieher beim Tauschen von Kinderpornos erwischt worden. Die Polizei beschlagnahmte Tausende Fotos und Videos. Dass es dem Vernehmen nach bis Sommer 2017 dauerte, bis die Evangelische Kirche als sein Arbeitgeber alarmiert wurde, hat nicht nur bei Eltern in Heilbronn für besonderes Entsetzen gesorgt.

Die Polizei hat Konsequenzen in Abläufen angekündigt. Warum der Mann danach noch bis Anfang 2018 für die Kirchengemeinde arbeitete, versucht derzeit ein Krisenteam dort ohne Zeitvorgabe aufzuklären. Danach werde entschieden, welche Konsequenzen zu ziehen seien, sagte ein Sprecher der Landeskirche. Nach bisherigen Erkenntnissen blieben die Kinder im Kindergarten von den sexuellen Übergriffen verschont.

Geständnis angekündigt

Der 31-Jährige hat die Vorwürfe in Vernehmungen eingeräumt, wie es hieß. Verteidiger Thomas Amann kündigte ein Geständnis an. Ob das Opfer in den Zeugenstand muss, war zunächst unklar. Sein Mandant wolle "unbedingt" eine Sexualtherapie machen, sagte Amann, und er wolle sich einen Beruf suchen, in dem er nicht mit Kindern arbeite.

Sechs Verhandlungstage

Das Landgericht hat zunächst sechs Verhandlungstage bis zum 28. September angesetzt. Fünf Zeugen sind den Angaben zufolge geladen. Es ist davon auszugehen, dass die Öffentlichkeit aus Gründen des Opferschutzes weitgehend vom Prozess ausgeschlossen wird.

Schutzkonzepte im Fokus

Der Deutsche Kinderschutzbund fordert im Zusammenhang mit dem Heilbronner Fall mehr Beachtung der verpflichtenden Schutzkonzepte vor sexuellem Missbrauch in Kindergärten. "Man muss grundsätzlich weg von dem Gedanken "Bei uns passiert so was nicht", weil es leider überall passieren kann", sagte Vize-Präsident Christian Zainhofer.

Symbolfoto: dpa

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