http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Polizei sucht zwei weitere Verdächtige im Vergewaltigungsfall
Polizei sucht zwei weitere Verdächtige im Vergewaltigungsfall
02.11.2018 - 15:22 Uhr


Freiburg (lsw) - Der Hauptbeschuldigte war den Ermittlern seit mehreren Monaten als Intensivtäter bekannt. Der Haftbefehl gegen den heute 22 Jahre alten Syrer war schon ausgestellt, die Verhaftung für Ende Oktober terminiert. Doch bevor die Handschellen klickten, wurde der Mann erneut zum Straftäter.

Er soll Mitte Oktober, genau zehn Tage vor der von der Polizei geplanten Verhaftung, in Freiburg eine 18-Jährige nach einem Discobesuch vergewaltigt und danach andere Männer in der Disco zu Vergewaltigungen animiert haben - auch diese sollen sich an der jungen, wehrlosen Frau vergangen haben. Insgesamt acht Männer sitzen in Untersuchungshaft. Von zwei weiteren Männern, die allerdings unbekannt sind, hat die Polizei nun Körperspuren gefunden.

Hauptverdächtiger war untergetaucht
In dem Fall, der überregional Schlagzeilen macht, sind die Ermittler in den vergangenen Tagen in Erklärungsnot geraten. Eine rasche Verhaftung des Syrers, sagte Kriminaldirektor Bernd Belle am Freitag in Freiburg bei einer Pressekonferenz, hätte die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung verhindert. Doch dass sich eine solche Tat ereignen könnte, sei nicht abzusehen gewesen. In den Tagen vor dem Verbrechen sei eine Verhaftung nicht möglich gewesen. Der Mann, der nun Hauptbeschuldigter ist, war untergetaucht. Die Polizei habe ihn nicht finden können. Am 23. Oktober, so Belle, wollten die Polizisten erneut anrücken und dann auch die Wohnung des Mannes durchsuchen.
"Dann haben uns die Ereignisse überrollt", sagte der Beamte mit Blick auf die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung, die sich in der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober ereignete - also zehn Tage vor der geplanten Polizeiaktion. Nachdem sich das 18 Jahre alte Opfer am Morgen nach den mutmaßlichen sexuellen Übergriffen bei der Polizei gemeldet habe, sei dann aber alles sehr schnell gegangen.

Fast alle Verdächtigen vorbestraft
Acht Verdächtige wurden innerhalb von fünf Tagen festgenommen. Sie sitzen in Untersuchungshaft - sieben Syrer im Alter von 19 Jahren bis 29 Jahren und ein 25 Jahre alter Deutscher. Die meisten von ihnen sind laut Oberstaatsanwalt Michael Mächtel vorbestraft. Die Syrer wohnten in Flüchtlingsunterkünften in und um Freiburg.

22-Jähriger animierte andere Männer zur Vergewaltigung
Im Fokus steht der mutmaßliche Haupttäter, der vor wenigen Tagen 22 Jahre alt wurde und der als Flüchtling in Freiburg lebte. Er soll der Frau, die er nicht näher kannte, in der Disco etwas ins Getränk gemischt haben. "Sie war ein Zufallsopfer", sagte Chefermittler Belle. Sie sei wehrlos gewesen - auch weil sie zuvor Drogen, vermutlich Ecstasy, konsumiert habe. Sie sei mit dem Mann nach draußen gegangen. Nachdem dieser sich dort nach Mitternacht in einem Gebüsch an der Frau vergangen habe, sei er zurück in die Disco gegangen und habe andere Männern dazu animiert, die Frau ebenfalls zu vergewaltigen.

Mindestens noch zwei weitere Täter
Spuren am Opfer und dessen Kleidung werden noch untersucht. Zwei der insgesamt acht Verhafteten seien durch solche DNA-Spuren überführt worden, die anderen durch Zeugenaussagen und weitere Beweise. Neben den acht Verhafteten soll es mindestens noch zwei weitere Täter geben - von ihnen wurden DNA-Spuren gefunden. Nach diesen zwei Unbekannten sucht die Polizei nun, wie die Ermittler am Freitag mitteilten.

Opfer wirkt stabil
Die junge Frau, sagte Ermittler Belle, "wirkt für uns stabil". Sie werde von einer Opferschutzorganisation betreut. Am Morgen nach der Tat war sie gemeinsam mit einer Freundin zur Polizei gegangen und hatte Anzeige erstattet. Die Polizei gründete die Ermittlungsgruppe "Club", die das Verbrechen aufklären soll.

Ermittlungen gegen Hauptverdächtigen wegen weiteren Sexualdelikts
Der 22 Jahre alte Syrer, der mutmaßliche Haupttäter, war den Angaben zufolge seit Monaten wegen mehrerer Verbrechen im Visier der Ermittler. Im Sommer vergangenen Jahres soll er eine Bekannte gemeinsam mit zwei weiteren Männern sexuell missbraucht haben. Zudem habe es seit diesem Sommer mehrere Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Gewalttaten gegeben, darunter drei Körperverletzungen. Auch habe er in großem Stil mit Drogen gehandelt, deshalb sei er zeitweise observiert worden. Er galt der Justiz zufolge als Intensivtäter, deshalb sei am 10. Oktober Haftbefehl erlassen worden. Weil für eine solche Verhaftung jedoch extra genügend Beamte sowie Spezialkräfte angefordert werden müssten, sei diese Aktion für den 23. Oktober geplant worden.

Rücktritt von Strobl gefordert
Der Fall hat, vor allem wegen des zunächst nicht vollstreckten Haftbefehls, eine politische Dimension erreicht. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sieht sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Der Minister trage die politische Verantwortung und müsse daher von seinem Amt zurücktreten, sagte FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke. CDU-Landesgeneralsekretär Manuel Hagel wies diese Forderung zurück.

Mehr Polizisten sollen subjektive Sicherheit verbessern
In Freiburg wollen Polizei und Stadt nun mit mehr Polizisten das Sicherheitsgefühl der Bürger verbessern, wie Polizeipräsident Bernhard Rotzinger sagte. Rund zwei Jahre nach dem Sexualmord an einer Studentin, für den ein junger Flüchtling später vom Freiburger Landgericht verurteilt wurde, habe das Sicherheitsgefühl gelitten, sagte Rotzinger. Und warnt gleichzeitig vor Illusionen: In einer Stadt mit rund 230.000 Einwohnern, in die am Wochenende zusätzlich mehrere Tausend Party-Pendler aus dem Umland strömten, sei Sicherheit "im Sinne einer Vollkaskoversicherung" nicht immer zu garantieren. 

Foto: dpa

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
Autofahrer mit knapp zwei Promille unterwegs

02.11.2018
Mit knapp zwei Promille unterwegs
Baden-Baden (red) - Unangenehme Post von der Staatsanwaltschaft erhält in Kürze ein 30 Jahre alter Mann. Der Grund: Der Autofahrer war mit knapp zwei Promille Alkohol unterwegs gewesen. Die Polizei zog ihn am Donnerstagabend in Steinbach aus dem Verkehr (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Bühl
Drogen an Bord: So schnell ist der Führerschein wieder weg

02.11.2018
So schnell ist der Führerschein weg
Bühl (red) - Eine Polizeikontrolle wurde in den frühen Freitagmorgenstunden einem 18-jährigen VW-Fahrer zum Verhängnis. Im Wagen des jungen Mannes entdeckten die Beamten ein Glas mit Marihuana. Und auch ein Drogentest fiel positiv aus (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Malsch
--mediatextglobal-- Völlig ausgebrannt und unbewohnbar ist das Haus in der Malscher Albert-Schweitzer-Straße nach dem Brand.  Foto: Thomas Schnepf

02.11.2018
Technischer Defekt verursacht Brand
Malsch (red) - Ein technischer Defekt war vermutlich die Ursache des Brandes in der Malscher Albert-Schweitzer-Straße am Dienstag. Dies ergaben Ermittlungen der Kriminalpolizei. Die Malscher Gemeindeverwaltung hat für die Hausbewohner eine Spendenaktion gestartet (Foto: pr). »-Mehr
Stuttgart
Polizeigesetz als Zankapfel

02.11.2018
Polizeigesetz als Zankapfel
Stuttgart (red) - Innenminister Thomas Strobl (CDU) will das Landespolizeigesetz weiter verschärfen, stößt damit aber beim Koalitionspartner, den Grünen, bislang auf taube Ohren. Im Kern geht es um die Erweiterung von polizeilichen Befugnissen, unter anderem im digitalen Bereich (Foto: dpa). »-Mehr
Gaggenau
Brand in Moosbronn

01.11.2018
Brand in Moosbronn
Gaggenau (red) - Bei einem Dachstuhlbrand ist im Gaggenauer Stadtteil Moosbronn am Donnerstagabend ein Schaden von rund 500.000 Euro entstanden. Eine Person wurde dabei leicht verletzt. Laut Polizei breitete sich das Feuer durch die Isolierung des Hauses aus (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die Fernsehserie „Lindenstraße“ wird 2020 nach gut 34 Jahren beendet. Bedauern Sie das?

Ja.
Nein.
Ist mir egal.


http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
www.los.de/lrs-rastatt/
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz