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Dunkle Jahreszeit - ein Risiko?
Dunkle Jahreszeit - ein Risiko?
04.11.2018 - 07:51 Uhr
Berlin (dpa) - Den Beginn der dunklen Jahreszeit nutzt die Polizei regelmäßig zur Warnung vor Wohnungseinbrüchen. Dazu einige Fakten:

Behauptung: Es wird immer öfter eingebrochen

Falsch. Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte bundesweit 2017 zum zweiten Mal in Folge einen Rückgang. Während die Zahlen von 2008 bis 2015 kräftig stiegen, war 2017 mit 319 erfassten Einbrüchen pro Tag wieder in etwa auf dem Niveau von 2009. Mögliche Gründe: Die Bundesregierung hat die Strafen verschärft, Bewohner haben ihre Häuser sicherer gemacht. Allerdings sind im Jahr 2017 in 75 deutschen Regionen die Fallzahlen nach oben gegangen. Den höchsten Anstieg im Vergleich zu 2016 verzeichneten der Rheingau-Taunus-Kreis (47 Prozent), Darmstadt (38) und Braunschweig (28).

Behauptung: Großstädte sind besonders gefährdet

Falsch. Wegen ihrer hohen Bevölkerungszahl standen bei den absoluten Zahlen zwar die Metropolen Berlin, Hamburg und Köln 2017 mit zusammen rund 17 500 registrierten Einbrüchen an der Spitze. München war mit knapp 1000 Taten weniger betroffen. Die sichersten Großstädte: Erlangen (37 Fälle), Jena (41) und Reutlingen (49). Betrachtet man aber Einbrüche anteilig zu allen registrierten Straftaten, zeigt sich ein anderes Bild. Laut BKA lagen 2017 Landkreise in Großstadtnähe ganz vorn: Osterholz bei Bremen, der Rheingau-Taunus-Kreis bei Wiesbaden sowie Harburg und Stormarn bei Hamburg. Hier war der Anteil mit je rund 5 Prozent etwa doppelt so hoch wie der Bundesschnitt.

Behauptung: Einbrecher haben im Dunkeln leichte Beute

Nicht unbedingt. Nach Angaben des BKA für 2017 kam es zwischen 21.00 Uhr abends und 6.00 Uhr morgens zu drei von fünf Einbrüchen. Zu diesem Zeitraum wurden aber auch Fälle mit unbestimmbarer Uhrzeit gezählt - etwa wenn die Bewohner übers Wochenende weggefahren oder im Urlaub waren. Auf Monate bezogen wurde 2017 häufiger im Winter eingebrochen als im Sommer - laut BKA-Tatzeitstatistik im Dezember zum Beispiel so oft wie im August und September zusammen. Zur Umstellung von Sommer- auf Winterzeit am Sonntag hatte man deshalb unter Schirmherrschaft von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wieder den "Tag des Einbruchschutzes" ausgerufen, um mit Beginn der dunklen Jahreszeit über Einbruchschutz zu informieren. Wie das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen zuletzt in einer 2017 veröffentlichten Studie über ungeklärte Taten der Jahre 2011 und 2012 in NRW herausfand, glücken Einbrüche allerdings besonders im Hellen - etwa weil die Bewohner dann außer Haus sind. Zudem kommt es auf die Lage der Häuser an.

Behauptung: Einbrecher sind meistens Ausländer

Falsch. Am häufigsten ermittelte die Polizei deutsche und örtlich-regionale Tatverdächtige - oft bekannte Gewohnheitstäter, zum Beispiel Drogenkonsumenten, die durch Einbrüche ihre Rauschgiftsucht finanzieren. Die Studie des LKA NRW kam für geklärte Fälle zu dem Ergebnis, dass verdächtige Einbrecher in fast 90 Prozent der Fälle männlich und im Mittel knapp 27 Jahre alt waren. Demnach besaßen rund 64 Prozent der Verdächtigen die deutsche Staatsangehörigkeit; mit knapp 22 Prozent bildeten Tatverdächtige mit einer osteuropäischen Staatsangehörigkeit laut der Studie die zweitgrößte Gruppe. Nach BKA-Angaben hat der Anteil überregional und international agierender Tatverdächtiger «kontinuierlich zugenommen». Solche «reisende Täter» stammten häufig aus Südost- und Osteuropa.

Behauptung: Deutschland ist in Europa besonders betroffen

Falsch. Trotz seiner zentralen Lage zwischen West und Ost gibt es hierzulande weit weniger Einbrüche als in anderen wirtschaftsstarken EU-Ländern. Mit 184 erfassten Einbrüchen auf 100 000 Einwohner stand die Bundesrepublik im jüngsten Ländervergleich von Eurostat 2016 besser da als etwa Spitzenreiter Dänemark (778 Fälle), Schweden (429), Luxemburg (368), Frankreich (361) oder die Schweiz (313).

Foto: dpa

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