http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Keine Blutspenden, kein Weizen- und Sojaanbau
Keine Blutspenden, kein Weizen- und Sojaanbau
11.11.2018 - 09:00 Uhr
Karlsruhe/Baden-Baden (vn/nof/fk) - Gleich zweimal schaffte es das Thema PFC in der zurückliegenden Woche wieder auf die Titelseite des Badischen Tagblatts. Zum einen hatte das Regierungspräsidium Karlsruhe sein Vorerntemonitoring abgeschlossen und musste im Zuge dessen feststellen, dass die mit der Chemikalie PFC belasteten Flächen angewachsen sind. Zum anderen erregte im öffentlichen Diskurs die Nachricht Aufsehen, dass Blutplasma von Spendern aus dem Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden wegen möglicher PFC-Belastung nicht für die direkte Anwendung beim Menschen eingesetzt wird.

 

Das ist allerdings kein neues Phänomen, sondern war lediglich durch einen Bericht des SWR in den Fokus gerückt. Denn die Regelung gilt bereits seit März 2017, wie der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen in Frankfurt auf BT-Nachfrage bestätigte.

Kein Grund zur Sorge

Gründe zur Sorge bestünden für die Bevölkerung nicht, betonte Pressesprecherin Stefanie Fritzsche: "Jede Blutspende zählt."

Bislang werden Blutprodukte nicht auf per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) untersucht. Es gebe keinen wissenschaftlich belegbaren oder behördlich festgelegten Messwert, ab dem von einer besonderen Gesundheitsgefährdung ausgegangen werden könnte, erläutert Fritzsche.

Bereits bei vergangenen Info-Veranstaltung hatten Experten betont: "Wir forschen". Zwar gebe es einen Wert, bei dem klar ist, dass die PFC-Konzentration auf Basis der Untersuchungen keine Auswirkungen hat, doch einen Wert, ab dem man sagen könne, dass PFC irgendwelche Folgen habe, gebe es nicht.

Die Anreicherung im menschlichen Organismus erfolge langfristig, zum Beispiel über das Trinkwasser. "Eine Bluttransfusion erfolgt in der Regel aus akutem Anlass und nicht über einen langfristigen Zeitraum. Eine akute Gefahr für den Blutempfänger ist deshalb auszuschließen", sagte Fritzsche dem Badsichen Tagblatt. Hinweise auf ein Risiko für eine PFC-Anreicherung durch Bluttransfusionen würden ebenfalls nicht vorliegen.

DRK: Reine Vorsorgeentscheidung

Der Spender- und Empfängerschutz sei für den DRK-Blutspendedienst das höchste Gut. Nur deshalb sei "ohne behördliche Auflage vorsorglich, freiwillig und eigenverantwortlich" entschieden worden, das gespendete Blutplasma aus der Region Mittelbaden für die Verwendung als sogenanntes therapeutisches Quarantäneplasma vorläufig zu sperren.

Aufgehoben werden soll diese Sperre erst, wenn eine abschließende Bewertung des Risikos in der Region von der durch die Landesregierung eingesetzten Expertenkommission erfolgt ist. Dazu würden auch die Ergebnisse der Reihenuntersuchungen in der Bevölkerung mit berücksichtigt.

Vorerntemonitoring: 881 Hektar belastet

Beim Thema Vorerntemonitoring gibt es indes konkretere Zahlen. Der Umfang der Flächen mit PFC-Gehalten in Nord- und Mittelbaden ist auf insgesamt 881 Hektar angewachsen. Davon liegen 644 Hektar im Raum Rastatt/Baden-Baden, verteilt auf rund 200 Quadratkilometer.

Kein Weizen mehr auf PFC-Flächen

Unerwartet früh wurden zudem in geringem Umfang Spuren von PFC in Spargel und - entgegen der bisherigen Erkenntnisse - auch in Wintergerste gefunden. Bereits bei geringen PFC-Gehalten im Boden werde der Beurteilungswert der kurzkettigen PFC im Weizenkorn überschritten. Insofern muss künftig auf den Anbau von Weizen auf PFC-Flächen verzichtet werden, stellt der Abschlussbericht des Regierungspräsidiums klar.

Das RP informiert weiter über die Ergebnisse des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ). Dieses hat herausgefunden, dass Kartoffeln zwar wie erwartet im Kraut einen hohen PFC-Gehalt aufweisen, in der Knolle jedoch keine nachweisbaren PFC einlagern. Ein weiteres Ergebnis zu Sojabohnen habe die ersten Erkenntnisse aus dem VEM bestätigt, wonach diese Pflanze ganz erheblich PFC einlagert und somit als Anbaualternative nicht zur Verfügung steht.

Stadtwerke filtern aus

Das Baden-Badener Trinkwasser enthält seit diesem Jahr wie berichtet kaum noch PFC, da die Stadtwerke mittels Osmose die PFC-Schadstoffe aus dem Wasser isolieren. Allerdings geht dabei Trinkwasser verloren, denn aus 100 Litern PFC-verunreinigtem Wasser werden nur 80 Liter sauberes Trinkwasser gewonnen, 20 Liter bleiben als Konzentrat übrig, da der chemische Stoff PFC nicht abgebaut, sondern nur isoliert werden kann. Das Konzentrat wird per Aktivkohlefilter gereinigt, der die meisten PFC-Bestandteile ausfiltert.
Auch der Umbau und die damit verbundene Stilllegung des Rauentaler Wasserwerks waren die Folge von PFC-Verunreinigungen. Nach fast fünfjähriger Zwangspause ist das Wasserwerk seit Juni wieder am Netz – ausgestattet mit hochwirksamer Filtertechnik (wir berichteten). Vier speziell entwickelte Aktivkohlefilter sorgen dafür, dass Verunreinigungen aus dem Brunnenwasser entfernt werden. Pro Filter werden täglich rund 1,5 Millionen Liter Trinkwasser im 24-Stunden-Betrieb aufbereitet und von PFC befreit.

Vielfältige Infos rund um das Thema PFC gibt es auch auf der Internetseite der eigens geschaffenen Stabstelle PFC des Regierungspräsidiums.

Foto: dpa. Auf den Anbau von Weizen auf PFC-Flächen muss verzichtet werden, stellt das Regierungspräsidiums klar. Die Pflanzen nehmen zu viel PFC auf.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Bühlertal
Unbekannter verletzt Hund mit Waffe

09.11.2018
Hund durch Waffe verletzt
Bühlertal (red) - Ein bislang Unbekannter hat am Donnerstag in Bühlertal mit einer Waffe einen Hund verletzt. Der Vierbeiner litt nach dem Angriff an Atemnot und hatte mutmaßlich eine Schussverletzung. Er musste operiert werden. Die Polizei sucht Zeugen (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Bretten
Schafdiebe töten acht Tiere

07.11.2018
Blutbad an acht Schafen
Bretten (red) - Ein Blutbad an acht Schafen haben unbekannte Diebe in der Nacht von Montag auf Dienstag bei Bretten angerichtet. Nachdem sie die Tiere getötet hatten, luden sie die Kadaver in ein Fahrzeug und fuhren davon. Weitere Schafe flüchteten aus dem Gehege (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Baden-Baden
--mediatextglobal-- Sabine Schöck sendet mit ihren Geschichten auch Botschaften an das Gute im Menschen aus. Foto: Brüning

31.10.2018
Neues Buch von Sabine Schöck
Baden-Baden (gib) - Sabine Schöck (Foto: gib) aus Varnhalt hat ein neues Buch herausgegeben: "Märchen und andere Wunder" lautet der Titel der Nachfolger-Lektüre des Gedichtbands "Wörterleuchten". Das Märchenbuch enthält den "Hausschatz" der Familie Schöck. »-Mehr
Bühl
--mediatextglobal-- Jörg Kräuter (Bild) eröffnet mit René Egles die Kulturtage. Foto: Stadt

30.10.2018
Novemberlicht geht an
Bühl (red) - Schon der Auftakt verspricht, furios zu werden: René Egles, der tiefgründige Liedermacher aus dem Elsass, trifft am Samstag, 10. November, 20 Uhr, zur Eröffnung der zwölften Auflage des "Novemberlichts" im Bürgerhaus auf den Bühler Kabarettisten Jörg Kräuter (Foto: Stadt). »-Mehr
Achern
Mann mit Alkohol hinterm Steuer erwischt

25.10.2018
Mit Alkohol am Steuer
Achern (red) - In der Nähe des Acherner Stadtgartens hat die Polizei am frühen Donnerstagmorgen einen VW-Fahrer kontrolliert. Bei einem Alkoholtest stellte sich heraus, dass der 49-jährige Mann mit rund einem Promille Alkohol unterwegs gewesen war (Symbolfoto: red). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Gut zwei Drittel der Deutschen schlemmen einer Umfrage zufolge an Weihnachten ohne schlechtes Gewissen. Sie auch?

Ja.
Nein.
Ich halte mich generell zurück.
Ich esse immer worauf ich Lust habe.


http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz