https://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Jung, neu und entschlossen
25.12.2018 - 07:36 Uhr
Von Hagen Strauß

Berlin - Sie sind jung und neu im Deutschen Bundestag. Wie war ihr erstes Jahr als Abgeordnete? Sieben Parlamentarier schildern ihre Eindrücke, mal heiter, mal pathetisch. Und mit teilweise durchaus überraschenden Erkenntnissen - etwa die Macht der Faxgeräte im Reichstag.

Elisabeth Kaiser stammt aus Gera. Die SPD-Abgeordnete ist 31 Jahre alt - und wundert sich über die Kommunikation im Parlament: "Das erste Jahr im Bundestag war vielfältig, spannend und ging unheimlich schnell vorbei. Überraschend fand ich am Anfang vor allem die Kommunikation mit der Bundestagsverwaltung. Ohne Faxgerät ging so gut wie nix. Ansonsten habe ich das Jahr genutzt, um mich in die Abläufe der Fraktion und meiner Fachbereiche Innen, Bauen und Kommunen einzufinden. Mittlerweile konnte als Berichterstatterin sogar schon für die SPD-Fraktion einen Gesetzentwurf verhandeln. Hier merke ich, dass ich wirklich etwas für die Menschen bewegen kann."

Claudia Müller ist 37 Jahre alt, die Grüne kommt aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie beklagt Sexismus: "Die Arbeit im Bundestag ist immer noch sehr aufregend für mich. Besonders überrascht hat mich, wie viele der Abläufe extrem formalisiert und bürokratisch sind. Sehr erfreut hat mich der kollegiale Umgang in den Arbeitszusammenhängen und auch abseits der Gremien, nicht nur mit den Kollegen aus der eigenen Fraktion, durchaus auch fraktionsübergreifend. Auf der anderen Seite muss ich feststellen, noch nie so viel Sexismus erlebt zu haben, wie im Bundestag und in bestimmten Lobbyveranstaltungen. Als jüngere Frau ist man häufig immer noch ein Unikum. Das finde ich sehr irritierend."

Matthias Büttner kommt aus Stendal und ist mit 28 Jahren der jüngste AfD-Abgeordnete. Sein Fazit lautet: "Das erste Jahr im Bundestag war, auch für mich persönlich, eine spannende und aufregende Zeit. Gefreut hat mich, dass der Bundestag seit unserem Einzug wieder deutlich mehr öffentliche Aufmerksamkeit erfährt. Ärgerlich finde ich vor allem, dass sich die anderen Fraktionen oft nicht an parlamentarische Spielregeln halten. Statt hart in der Sache, ver sucht man uns zu bekämpfen, indem uns Sitze in Gremien und andere wichtige Positionen - entgegen dem parlamentarischen Konsens - vorenthalten werden. Ich war überrascht, dass sie mit derart undemokratischen Mitteln arbeiten."

Doris Achelwilm ist 42 Jahre alt und 2017 über die Landesliste Bremen in den Bundestag eingezogen. Die Linke will langfristig am Ball bleiben: "Mein erstes Jahr im Bundestag war durchweg spannend: von der langen Regierungsbildung über den Umgang mit der AfD bis hin zum Aufbau eigener Schwerpunkte und Strukturen. Positiv ist immer, etwas zu erreichen - Zuspruch von Bürgern, ein Perspektivwechsel im Ausschuss, mediale Resonanz auf eine soziale Forderung von links oder Aktionen gegen rechts. Entscheidend ist, für konkrete Veränderungen langfristig am Ball zu bleiben, Gegenwind nicht persönlich zu nehmen, sondern das große Ganze im Blick zu behalten."

Roman Müller-Böhm ist erst 26 Jahren alt. Auch der FDP-Mann hat seine Erfahrung mit Faxgeräten im Parlament gemacht: "Das erste Jahr als Abgeordneter war wirklich aufregend. Man bekommt die Chance an seinen Aufgaben zu wachsen und lernt unglaublich viel Neues. Besonders überrascht hat mich dabei die intensive Nutzung von Faxgeräten im Bundestag. Faxen musste ich bis dahin noch nie. Ärgerlich ist, dass im Bundestag ein durchschnittlicher Abgeordneter 51 Jahre alt ist und diese Gruppe über wichtige Entscheidungen für die junge Generation bestimmt. Einige Entscheidungen, wie zum Beispiel zur Rente, ärgern mich deshalb sehr."

Katrin Staffler hat 2017 den Wahlkreis Fürstenfeldbruck gewonnen. Die 37-Jährige CSU-Frau wünscht sich mehr Mut in den Debatten: "Bei mir als neu gewählte Abgeordnete hat zunächst die lange Zeit der Regierungsbildung einen bleibenden Eindruck hinterlassen. So wussten wir zum Beispiel lange nicht, in welche Ausschüsse wir entsendet werden. Danach war die Freude umso größer, als ich Mitglied in meinen zwei Wunschausschüssen Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sowie Angelegenheiten der Europäischen Union wurde. Mit Blick auf das auslaufende Jahr wünsche ich mir für die Zukunft, dass wir die Debatten im Bundestag mit mehr Mut und wieder großer Sachlichkeit führen."

Philipp Amthor hat für seine Reden im Bundestag bereits viel Lob bekommen. Der CDU-Mann aus Uckermünde ist 26 Jahre alt. Er verrät: "Unser Grundgesetz und meine konservativen Werte haben mir in meinem ersten Jahr im Bundestag den Weg gewiesen. Im Innenausschuss habe ich mich insbesondere für die Stärkung unseres wehrhaften Rechtsstaats eingesetzt. In meinen Reden im Plenum habe ich mich kritisch mit Anträgen der Opposition auseinandergesetzt. Denn klar ist: Die Grünen sind keine bürgerliche Volkspartei der Mitte und die AfD ist keine konservative Partei. Diesen falschen Annahmen bin ich entschieden - und nicht ohne medialen Erfolg - entgegengetreten."

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Bühl
´Ich hatte nie Friseurin werden wollen´

20.12.2018
Kammersiegerin kommt aus Bühl
Bühl (marv) - Die beste Friseurmeisterin der Handwerkskammer Freiburg wohnt in Bühl. Im kommenden Jahr möchte sich Shirley May (Foto: Lauser) selbstständig machen und einen Friseursalon eröffnen. "Ich hatte nie Friseurin werden wollen", verrät die 26-Jährige im BT-Gespräch. »-Mehr
Gernsbach
Zwei Fronten auch beim Einzelhandelskonzept

19.12.2018
Neues Konzept für den Einzelhandel
Gernsbach (stj) - Der Gemeinderat hat ein das Einzelhandelskonzept fortgeschrieben und es als städtebauliches Teilentwicklungskonzept verabschiedet. Während SPD und Freie Bürger die Stadt damit auf dem richtigen Weg wähnen, warnen CDU und Grüne vor den Folgen (Foto: vgk). »-Mehr
Karlsruhe
Wenn Tiere über Kunst sinnieren

18.12.2018
Ästhetisches Vergnügen
Karlsruhe (red) - Anfang der 1920er Jahre schrieb der tschechische Komponist Leos Janacek seine Oper "Das schlaue Füchslein". In einer Inszenierung mit animiertem Bühnenbild und mit der großen Staatskapelle mitten auf der Bühne ist das Werk jetzt am Staatstheater zu erleben (Foto: pr). »-Mehr
Gernsbach
Gemeinderat billigt Planentwurf für Pfleiderer-Areal

18.12.2018
Gemeinderat billigt Planentwurf
Gernsbach (stj) - Der Gemeinderat hat am Montag mit den Stimmen von Freien Bürgern und SDP den Planentwurf der Krause-Gruppe (Bayreuth) für die Entwicklung des Pfleiderer-Areals gebilligt und ihn in die erste Offenlage geschickt. CDU und Grüne lehnten die Pläne ab (Foto: vgk). »-Mehr
Baden-Baden
Erfolgsrezept wird fortgesetzt

17.12.2018
Eisweinlauf wieder ein Erfolg
Baden-Baden (vr) - Zum 17. Mal fand am Wochenende der Eisweinlauf von Offenburg nach Baden-Baden auf den Christkindelsmarkt statt, organisiert von "laufendhelfen.de". Am Ende konnten die Veranstalter gleich zwei Rekorde verzeichnen und eine Neuigkeit bekannt geben (Foto: Rechel). »-Mehr
Umfrage

Erste Hilfe rettet Leben. Hand aufs Herz: Wüssten Sie, was zu tun ist?

Ja.
Nein.
Teilweise.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz