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Anklage gegen Rastatter IS-Heimkehrerin
Anklage gegen Rastatter IS-Heimkehrerin
17.01.2019 - 15:35 Uhr
Karlsruhe/Baden-Baden/Rastatt (dpa/dg) - Einer deutschen Islamistin, die jahrelang bei der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien gelebt haben soll, wird voraussichtlich in Stuttgart der Prozess gemacht. Die Bundesanwaltschaft hat beim dortigen Oberlandesgericht Anklage gegen die 32-Jährige erhoben, wie die Karlsruher Behörde am Mittwoch mitteilte.

Sabine Ulrike Sch., die aus Rastatt stammt, war im Juli 2018 als eine der ersten deutschen IS-Rückkehrerinnen im Baden-Badener Stadtteil Lichtental festgenommen worden, wo sie bei Verwandten gelebt haben soll.

Sie hatte ihren Mann und ihre beiden Kinder im Dezember 2013 verlassen und ihnen in einem Brief mitgeteilt: "Ich musste dorthin, um zu helfen und um den ehrenvollen Tod einer Schahida zu erlangen" - den Tod einer Märtyrerin, hieß es im Sommer in einem Bericht des "Spiegel". Der Fall der Rastatterin stehe "für eine Wende in der deutschen Strafverfolgungspraxis", schrieb der "Spiegel" weiter, weil Rückkehrerinnen lange nicht belangt worden seien.

Sabine Sch. wurde nach ihrer Ankunft in Syrien die Frau eines IS-Kommandeurs und schnell schwanger. Von Rakka aus postete sie Fotos ihres Alltags im IS-Gebiet, aber auch drastische Bilder zum Beispiel von gekreuzigten "Abtrünnigen". Mit ihrem Mann habe sie Hinrichtungen besucht und die Gräueltaten im Netz kommentiert ("Das Köpfchen ab"). Dass sie jetzt hinter Gittern sitze, so mutmaßt "Der Spiegel", habe auch damit zu tun, dass sie ein Online-Tagebuch über ihr Leben im Dschihad geführt habe. Der Blog von Sch. sei wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" aus dem Kalifat, hätte eine IS-Aussteigerin berichtet.

Details aus der Anklageschrift

Zu den Vorwürfen gegen die Frau teilte die Bundesanwaltschaft nun alte, aber auch neue Details aus der Anklageschrift mit. Nach den Erkenntnissen der Ermittler nahm sie als Zuschauerin an öffentlichen Hinrichtungen teil. Dabei habe der Ehemann, der später bei einem Gefecht gestorben sein soll, extra um sie eine Gasse bilden lassen, damit sie für die Einheimischen deutlich als "IS-Frau" zu erkennen gewesen sei. Sie soll außerdem Schießtraining bekommen und einmal zur Abwehr gegnerischer Truppen einen Sprengstoffgürtel getragen haben. Letzteres wohl auch im September 2017, als sie von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen worden war.

Rückkehr mit zwei Kindern

Im April des vergangenen Jahres kehrte sie dann zusammen mit ihren beiden jüngsten Kindern, die in Syrien geboren worden waren, nach Deutschland zurück.

Die Festnahme war für den Generalbundesanwalt ein besonderer Erfolg: Ein erster Versuch war zunächst noch am Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) gescheitert.

Symbolfoto: dpa

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