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Mehr Radfahrer bei Unfällen getötet
Mehr Radfahrer bei Unfällen getötet
27.02.2019 - 17:04 Uhr
Baden-Baden (dpa) - Auf deutschen Straßen sind nach zwei Jahren des Rückgangs 2018 insgesamt wieder mehr Menschen bei Unfällen ums Leben gekommen. Besonders betroffen waren die Zweiradfahrer. In Baden-Württemberg ging die Zahl der Opfer hingegen zurück.

Das Statistische Bundesamt sprach am Mittwoch von 3.265 Verkehrstoten im Jahr 2018, das sei eine Zunahme von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zugleich handele es sich um den drittniedrigsten Stand seit dem Jahr 1950, berichtete das Amt unter Berufung auf vorläufige Zahlen.

432 Radfahrer ums Leben gekommen

Nach Ergebnissen von Januar bis November geht der Anstieg der Unfalltoten auf eine Zunahme bei getöteten Fahrrad- und Motorradfahrern zurück - und die lag bei Fahrradfahrern mit insgesamt 432 Toten um 13,6 Prozent oder 50 tödlich Verunglückte höher als ein Jahr zuvor. Bei den Pedelecs, die in der Statistik mit den Fahrrädern gezählt werden, war der Anstieg der getöteten Fahrer mit einem Zuwachs um 28,4 Prozent besonders hoch. .

Weniger getötete Autofahrer und Fußgänger

Hinzu kamen 699 getötete Motorradfahrer, dies bedeutet einen Anstieg um 9 Prozent oder 57 Tote, wie das Bundesamt in Wiesbaden weiter mitteilte. Die Zahl sank hingegen bei den Fußgängern um rund sechs Prozent auf 456 und bei den Autofahrern um rund zwei Prozent.

"Bedrückende Situation"

Von einer "bedrückenden" Situation spricht Stephanie Krone, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). In Deutschland sterbe jeden Tag im Jahr mindestens ein Radfahrer, "am häufigsten durch fahrlässig abbiegende Autos und Lastwagen. In drei Vierteln dieser Fälle sind die Kraftfahrer die Unfallverursacher, indem sie den Radfahrenden die Vorfahrt nehmen."

Immer mehr Pedelecs

Es gab zweistellige Zuwachsraten bei der Nutzung von Pedelecs, das ist vor allem auf Senioren zurückführen, sagt Siegfried Brockmann, der Leiter Unfallforschung der Versicherer. "Viele alte Menschen genießen dabei eine neue Mobilität, nachdem sie für das Fahrradfahren keine Puste mehr haben oder wegen künstlicher Gelenke auf dem herkömmlichen Fahrrad Probleme haben", schildert Brockmann. Leider habe das auch eine Kehrseite. "Die Beherrschung des Fahrzeuges, gerade mit der höheren Geschwindigkeit, ist in vielen Fällen nicht gegeben." Zudem glaubten viele Senioren, dass sie nicht so forsch fahren, und verzichteten auf einen Helm.

Da ein Viertel der Pedelec-Unfälle sogenannte Alleinunfälle ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer sind, hält Brockmann eine Koppelung der Geschwindigkeit von Pedelecs an die Kraftabgabe des Fahrers für sinnvoll.

Hoher Anteil von Senioren

"Gerade bei den getöteten Fußgängern und Radfahrern kann man feststellen, dass diese häufig im Seniorenalter sind", sagt auch Katrin van Randenborgh vom ADAC. "Wir führen dies weniger auf verlangsamte Reflexe oder nachlassende Konzentration zurück als auf nachlassende Kraft und Beweglichkeit, um sich bei einem Sturz gut abstützen und insbesondere schwere Kopfverletzungen verhindern zu können."

"Da muss sich was verbessern"

Ein weiteres Thema sei die Infrastruktur, gerade im innerstädtischen Bereich. "Da muss sich natürlich was verbessern", betont Brockmann. "Gerade in Ballungsräumen besteht grundsätzlich eine erhebliche Flächenkonkurrenz um den öffentlichen Straßenraum", betont auch van Randenborgh. "Die Gestaltung des Straßenraums und Aufteilung der Flächen ist seit jeher Gegenstand der politischen Diskussion und muss immer wieder neu austariert werden."

Weniger Verkehrstote im Südwesten

Entgegen der bundesweiten Entwicklung ist die Zahl der Verkehrstoten in Baden-Württemberg zurückgegangen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben von Januar bis November 2018 auf den Straßen im Südwesten 440 Menschen und damit 18 weniger als im Vorjahreszeitraum. In absoluten Zahlen betrachtet sei das bundesweit der stärkste Rückgang, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (minus 16). In neun Bundesländern stieg die Zahl der Opfer an.

Symbolfoto: dpa

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