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Feldhamster trotz Zucht bedroht
Feldhamster trotz Zucht bedroht
18.04.2019 - 08:17 Uhr
Karlsruhe (lsw) - Es gibt fast keine Feldhamster mehr - in Baden-Württemberg sind die wild lebenden kleinen Nager bis auf wenige Ausnahmen ausgestorben. Nur noch dank der Auswilderung nachgezüchteter Feldhamster gibt es überhaupt noch einige Exemplare des kleinen und durch seine Niedlichkeit so bekannten Tieres. Auf etwa 100 bis 120 Exemplare schätzt Biologe Ulrich Weinhold, der am Institut für Faunistik für die Erhaltungszucht der Hamster zuständig ist, ihre Zahl insgesamt im Bundesland.

Eine Handvoll wild lebender Tiere vermutet der Experte dabei im Main-Tauber-Kreis an der Grenze zum bayerischen Unterfranken. Weitere 60 bis 80 Hamster aus Nachzüchtungen leben demzufolge im Rhein-Neckar-Kreis. Dorthin werden am Heidelberger Zoo gezüchtete Tiere seit 2007 Jahr für Jahr ausgewildert. "Mit Mühe und Not halten wir dort die Population stabil", sagt Weinhold. Im Heilbronner Raum hingegen, einst größtes Hamstergebiet im Südwesten, gebe es seit vielen Jahren keine Nachweise mehr.

Auswilderung im Mai

Im Mai ist es wieder soweit: Etwa 30 Landwirte haben den Hamsterschützern im Rhein-Neckar-Raum um die 100 Hektar Flächen zum Auswildern überlassen. Dafür werden bald Löcher gebohrt, darin die sogenannten Nistboxen eingegraben und dann 150 bis 170 Hamster im Alter von einem Jahr hineingesetzt - in der Hoffnung auf viel und vor allem auch überlebenden Nachwuchs.

Als Ernteschädling bekämpft

Der Feldhamster, einst weit verbreitet und seinerzeit als Ernteschädling verfolgt, kämpft auch bundesweit ums Überleben. Die Deutsche Wildtier Stiftung rief daher im vergangenen Jahr ein deutschlandweites Rettungsprojekt ins Leben, an dem sich Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz beteiligen. Neben Bayern gibt es nur noch in diesen Bundesländern wild lebende Populationen, sagt Projektleiter Moritz Franz-Gerstein.

Hohe Sterberate

Die genaue Zahl der putzigen Nager sei schwer zu schätzen. "Feldhamster produzieren wahnsinnig viele Nachkommen, haben aber auch wahnsinnig hohe Sterberaten", sagte er. Das liege zum einen daran, dass sie bevorzugte Beute sind für Greifvögel, Füchse, Marder oder Wiesel. Vor allem aber die Landwirtschaft mit riesigen Kulturen ohne Blühwiesen, Hecken oder Feldrainen mache dem Hamster das Überleben schwer. "Auf den immer gleichzeitig abgeernteten Feldern findet er keine Deckung mehr."

Strategie für den Südwesten angemahnt

Für den Südwesten sprach Weinhold sich für eine gemeinsame, behördenübergreifende Strategie aus, um den Feldhamster auch in anderen Landkreisen wieder anzusiedeln. "Leider gibt es kein Programm für Baden-Württemberg allgemein", sagte er.

Foto: dpa

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