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Europawahl: Grüne vor der SPD
Europawahl: Grüne vor der SPD
27.05.2019 - 11:20 Uhr
Baden-Baden (dpa) - Union und SPD erleben bei der Europawahl ein historisches Desaster und verlieren in Deutschland Millionen Wähler an die Grünen. Die Ökopartei verdrängt erstmals bundesweit die SPD vom zweiten Platz, die große Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt damit immer stärker in Bedrängnis. Auch europaweit verlieren Christdemokraten und Sozialdemokraten. Nationalisten und Populisten legen unterm Strich zu, für einen Rechtsruck reicht es aber nicht.

Die Union aus CDU und CSU erreicht nach Auszählung aller Wahlkreise in Deutschland nach dem vorläufigen Endergebnis des Bundewahlleiters 28,9 Prozent - bei der Europawahl 2014 waren es 35,4 Prozent und bei der jüngsten Bundestagswahl 32,9 Prozent. Die SPD stürzt auf 15,8 Prozent ab. Bei der vorherigen Europawahl waren es noch 27,3 Prozent, bei der Bundestagswahl 20,5 Prozent. Die Grünen legen auf 20,5 Prozent zu - fast zehn Punkte mehr als bei der Europawahl vor fünf Jahren (10,7 Prozent). Die AfD kommt auf 11,0 Prozent (2014: 7,1 Prozent). Die Linke liegt bei 5,5 Prozent (2014: 7,4 Prozent), die FDP bei 5,4 Prozent (2014: 3,4 Prozent). Von den anderen Parteien erzielten nur die Freien Wähler und die Satirepartei Die Partei mehr als zwei Prozent.

Region liegt im Trend

Deutliche Verluste für die CDU und SPD, hohe Zugewinne für die Grünen: Auch die Ergebnisse in Mittelbaden liegen im bundesweiten Trend:

Im Stadtkreis Baden-Baden verlor die CDU nach dem vorläufigen Ergebnis gut sechs Prozent und kam auf 32,0 Prozent. Die SPD halbierte ihr Ergebnis von 2014 nahezu und rutschte auf 12,3 Prozent ab, während die Grünen ihren Anteil fast verdoppeln konnten und 25,8 Prozent errangen. Die AfD konnte sich laut auf 9,6 Prozent verbessern, die FDP legte um gut zwei Prozentpunkte auf 7,6 Prozent zu, während die Linke mit 2,6 Prozent auf dem Niveau von 2014 verlieb. Die Wahlbeteiligung war mit 61,7 Prozent) deutlich höher als vor fünf Jahren (47,5 Prozent).

Im Landkreis Rastatt büßten CDU und SPD jeweils knapp zehn Prozent ein, während die Grünen diese zulegen konnten. Die CDU kam auf 33,5 Prozent, die SPD auf 13,7. Die Grünen errangen 20,6 Prozent. Die AfD verbesserte sich um knapp drei auf 11,6 Prozent, die FDP legte um gut drei auf 5,7 Prozent zu, während die Linke mit 2,4 Prozent sogar noch einen leichten Rückgang verbuchen musste.

Die Einzelergebnisse der Orte in Mittelbaden gibt es hier:

Homepage Landkreis Rastatt

Homepage Stadt Baden-Baden


Südwesten: Grüne legen bei Europawahlen zu, CDU bleibt vorne

Die Europawahlen gingen in Baden-Württemberg mit dramatischen Verlusten für CDU und SPD aus - deutliche Gewinne gibt es hingegen für die Grünen. Ein ähnliches Bild zeigt sich nach den ersten Zahlen des SWR bei den Kommunalwahlen in Stuttgart, Mannheim und Karlsruhe. Dort sind die Grünen jeweils stärkste Kraft im Gemeinderat, während CDU und SPD schlechtere Ergebnisse als bei den Wahlen 2014 verzeichneten.
Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis vom frühen Montag erreicht die CDU bei der Europawahl im Südwesten 30,8 Prozent - das sind 8,5 Punkte weniger als 2014. Die SPD kommt auf 13,3 Prozent, was einem Verlust von 9,7 Punkten entspricht. Das sind die jeweils schlechtesten Ergebnisse bei einer Europawahl im Südwesten für beide Parteien. Die Grünen legten 10,1 Punkte zu und kommen auf 23,3 Prozent. Für die Partei von Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist das ein Rekordhoch bei einer Europawahl in Baden-Württemberg.
Die AfD verzeichnet 10 Prozent (plus 2,1 Punkte), die FDP 6,8 Prozent (plus 2,7 Punkte). Nur leicht verändert hat sich im Vergleich zur Wahl von 2014 mit 3,1 Prozent das Ergebnis für die Linke (minus 0,5 Punkte).
Mehr als 8,5 Millionen Menschen in Baden-Württemberg waren zur Wahl aufgerufen. Die Wahlbeteiligung stieg deutlich auf 64 Prozent - nach 52,1 Prozent 2014. Bei der Europawahl werden die Mitglieder des Europäischen Parlamentes bestimmt. In Baden-Württemberg waren 40 Parteien und politische Vereinigungen angetreten.

Zwölf Kandidaten aus Baden-Württemberg kommen ins EU-Parlament

Aus Baden-Württemberg ziehen zwölf Kandidaten in das EU-Parlament ein. Die CDU ist dabei die einzige Partei mit einer eigenen Landesliste und schickt vier Männer nach Straßburg. Rainer Wieland (62) aus Gerlingen (Kreis Ludwigsburg), Daniel Caspary (43) aus Weingarten (Kreis Karlsruhe), Andreas Schwab (46) aus Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) und Norbert Lins (41) aus Pfullendorf (Kreis Sigmaringen) waren alle bereits in Straßburg.
Die Abgeordneten der anderen Parteien sind Teil der Bundesliste mit Wohnsitz in dem Bundesland. Für die Grünen sind das Romeo Franz (52) aus Altlußheim (Rhein-Neckar-Kreis), der politisch aber eher in Rheinland-Pfalz verankert ist, Michael Bloss (32) aus Stuttgart und Anna Deparnay-Grunenberg (42), ebenfalls aus Stuttgart. Nur Romeo Franz saß bereits zuvor in Straßburg. Ebenfalls drei Abgeordnete kommen von der AfD: Jörg Meuthen (57) aus Achern (Ortenaukreis) mit EU-Erfahrung, Lars Berg (53) aus Heidelberg und Joachim Kuhs (62) aus Baden-Baden. Für die SPD bleibt Evelyne Gebhardt (65) aus Schwäbisch Hall im EU-Parlament, für die FDP kommt Andreas Glück (44) aus Münsingen (Kreis Reutlingen).  

EVP und S+D ohne Merheit?

Europaweit dürften die christdemokratische Parteienfamilie EVP und die Sozialdemokraten der S+D laut Umfragen vor der Wahl künftig deutlich schwächer unter den 751 Europaabgeordneten vertreten sein. Erstmals könnten sie gemeinsam keine Mehrheit haben. Die Liberalen, die sich mit der erstmals angetretenen Partei LREM des französischen Präsidenten Emmanuel Macron verbünden wollen, dürften dafür erheblich stärker werden.

Le Pen setzt sich in Frankreich durch

In Frankreich setzte sich die rechtspopulistische Partei Rassemblement National von Marine Le Pen einer ersten Hochrechnung zufolge durch. Le Pens Partei erhielt rund 24,2 Prozent der Stimmen, wie der Nachrichtensender BFMTV am Sonntag nach Schließung der Wahllokale berichtete. Die Liste der Regierungspartei La République en Marche (LREM) von Staatschef Emmanuel Macron kam demnach auf 22,4 Prozent.

Jubel bei den Grünen

Das Bild zeigt Annalena Baerbock (Mitte), Grünen-Vorsitzende, und Sven Giegold, Abgeordneter der Grünen im Europaparlament, nach der Bekanntgabe der ersten Prognose.

Foto: Foto: Kay Nietfeld/dpa

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