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KSC-Profiabteilung vor Ausgliederung
KSC-Profis droht Ausgliederung
24.06.2019 - 13:31 Uhr
Karlsruhe (red/vo/ket) - Die Profiabteilung des Karlsruher SC sowie die U19 und U17 stehen vor der Ausgliederung. Ob es soweit kommt, entscheidet sich an diesem Samstag in einer finalen außerordentlichen Mitgliederversammlung. Bereits 30 von 56 Vereinen der Fußball-Bundesliga, der 2. Bundesliga und der 3. Liga haben ihre Struktur von einem klassischen Verein (e.V.) in eine andere Gesellschaftsform gewandelt. Auch beim KSC gibt es schon länger konkrete Überlegungen:

Im November 2018 nahm ein eigens dafür gebildeter Ausschuss seine Arbeit auf. Dort wurde das Für und Wider einer Ausgliederung der Profiabteilung abgewogen. Im April gab dieser Ausschuss, dem Vertreter aller Interessensgruppen rund um den KSC angehören, dem Präsidium des Clubs einstimmig seine Empfehlung ab: Ausgliederung in eine GmbH & Co. KGaA.

BT-Sportchef Frank Ketterer und der stellvertretende BT-Chefredakteur Jürgen Volz haben sich bereits Anfang März mit Präsident Ingo Wellenreuther und Geschäftsführer Michael Becker über mögliche Perspektiven für die Zukunft unterhalten. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist Sinn und Zweck einer Ausgliederung?
Die im Profifußball lange Zeit vorherrschende Rechtsform des "eingetragenen Vereins" (e.V.) ist nach dem Willen des Gesetzgebers ausdrücklich nicht auf den Betrieb eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs gerichtet, sondern auf die Gemeinnützigkeit. Zwar dürfen sich auch gemeinnützige Vereine wirtschaftlich betätigen, allerdings nur in deutlich eingeschränktem Maße und nur dann, wenn diese wirtschaftliche Betätigung dem ideellen Hauptzweck untergeordnet wird. "Ein e.V. kann kein Kapital generieren", fasst Präsident Ingo Wellenreuther dies zusammen. Außerdem geht es bei einer Ausgliederung darum, den Gesamtverein, also alle anderen Abteilungen außerhalb des Profifußballs, zu schützen. Sollte der Profibereich etwa in finanzielle Schieflage geraten, wäre bei einem eingetragenen Verein der Gesamtverein haftbar - und damit unter Umständen in seinem Bestand gefährdet.

Welche Hoffnung verbinden Vereine mit einer Ausgliederung?
Der maßgebende Vorteil einer Ausgliederung liegt darin, dass externe Investoren Anteile an der neugegründeten Kapitalgesellschaft erwerben können. Das heißt: Dem Klub wird dadurch der Zugang zu neuem Kapital eröffnet.

Zwingend ist die Öffnung gegenüber Investoren aber nicht - oder?
Nein. Eine Ausgliederung und die Beschaffung von Kapital sind zwei verschiedene Prozesse. "Das muss man klar trennen", sagt Geschäftsführer Becker. Die Ausgliederung schafft lediglich die Voraussetzung dafür, Anteile verkaufen zu können. Ob und wann der Verein diesen zweiten Schritt geht, bleibt ihm überlassen, ebenso wie viele Anteile er verkaufen möchte. "Die Kapitalbeschaffung ist der zweite Schritt und muss nicht zwingend sein", sagt Becker. Wahrscheinlich ist sie in den meisten Fällen indes schon.

Welche Ausgliederungsmöglichkeiten gibt es und mit welchen Rechtsformen?
Generell bevorzugen die Proficlubs in Deutschland drei Rechtsformen: eine Aktiengesellschaft, eine GmbH oder eine GmbH & Co. KGaA. Welche Form letztendlich gewählt wird, hängt unter anderem von den jeweiligen Vereinsstrukturen und Finanzierungsmöglichkeiten ab. Beispiele: Die TSG Hoffenheim mit einem einzigen großen Anteilseigner, in diesem Fall Dietmar Hopp, ist als GmbH organisiert. Der FC Bayern München mit mehreren großen Investoren aus der Wirtschaft firmiert als AG.

Und welche Rechtsform bevorzugt der KSC?
Hier tendiert man zurzeit zu einer GmbH & Co. KGaA, also eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. Die Gründe dafür: Eine Komplementär-GmbH, deren Gesellschafter der KSC e.V. zu 100 Prozent wäre, wäre persönlich haftender Gesellschafter der KGaA. Als Kommanditaktionäre kann es den KSC e.V. und gegebenenfalls weitere Aktionäre geben, deren Haftung auf Aktien beschränkt ist. "Die Entscheidungs- und Kontrollhoheit bleibt allein beim KSC als eingetragener Verein", betont Wellenreuther. Die Organe wären eine Geschäftsführung der KGaA, die identisch mit der Geschäftsführung der Komplementär-GmbH ist, ein Aufsichtsrat, die Hauptversammlung der Kommanditaktionäre, ein optionaler Beirat der GmbH sowie die Gesellschafterversammlung. Grundsätzlich gibt es für die konkrete Ausgestaltung einer GmbH & Co. KGaA bei Profivereinen unterschiedliche Modelle. Hier gilt es, die optimale Struktur für den KSC zu finden.

Seit wann wird im deutschen Fußball ausgegliedert?
Die Deutsche Fußball-Liga hatte 1998 beschlossen, dass neben der bis dato vorherrschenden Rechtsform des e.V auch Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb teilnehmen dürfen. Zwar steckt auch heute noch hinter jeder Kapitalgesellschaft ein e.V., der Profifußball findet jedoch in besagter Kapitalgesellschaft statt.

Ist Ausgliederung gleichbedeutend mit Börsengang?
Nein. Man kann auch ausgliedern, ohne seine Anteile an der Börse handeln zu lassen.

Wer bestimmt, ob ausgegliedert wird?
Da es sich bei einer Ausgliederung um eine Satzungsänderung handelt, haben die Mitglieder das letzte Wort. In der Regel, so auch beim KSC, bedarf es dafür einer Zwei-Drittel-Mehrheit.

Wer legt fest, in welcher Höhe ein Verein Anteile verkaufen kann?
Das hängt vom Unternehmenswert ab. Dieser wird auf Basis verschiedener Methoden und mit Unterstützung einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und unter Einbeziehung des Finanzamts bestimmt. Wie viele Anteile ein Verein letztendlich verkauft, bleibt, wie erwähnt, ihm überlassen. Gut beraten ist man, einen günstigen Zeitpunkt abzuwarten, ab wann man Anteile veräußert. Als Zweitligist würde der KSC schließlich deutlich höher bewertet als in Liga drei.

Von welchen Summen ist da die Rede?
Bei Zweitligisten kann man von einem Wert zwischen 100 und 200 Millionen Euro ausgehen.

Woraus ergibt sich das? Was sind die Bemessungsfaktoren?
Die sportliche Situation spielt naturgemäß eine große Rolle, aber auch die Tradition und der allgemeine Marktwert. "Der KSC ist eine Marke. Diesen Markenwert kann man bei einer Ausgliederung aktivieren", stellt Wellenreuther entsprechend fest. Auch der Stadionneubau wird sich bei einer Bemessung deutlich positiv auswirken, weil er die Zukunftsfähigkeit des Clubs unter Beweis stellt.

Wer wären im Falle des KSC denn potenzielle Anteils-Käufer?
Jeder, der sich eine KSC-Aktie leisten kann. Laut Präsident möchte der Verein einzelne Anteile an den "normalen Fan" ebenso verkaufen wie größere Pakete etwa an Sponsoren. Der Ausdruck "Badische Volksaktie" zaubert Wellenreuther in diesem Zusammenhang ein Lächeln ins Gesicht.

Was wird eine KSC-Aktie wohl kosten?
Auch das hängt von der Gesamtbewertung des Unternehmens ab und lässt sich heute noch nicht genau sagen. Um Mal ein Beispiel zu nennen: Der 1. FC Kaiserslautern verkauft seine Anteile zum Ausgabepreis von 32 Euro pro Aktie.

Muss der KSC irgendwelche Voraussetzungen erfüllen, um ausgliedern zu können?
Selbstverständlich. Voraussetzung ist die Beseitigung des sogenannten negativen Eigenkapitals, das zum 30. Juni vergangenen Jahres 2,6 Millionen Euro betrug, sowie die Einbringung von 1,0 (3. Liga) bzw. 2,5 Millionen Euro in Liga zwei.

Wo soll dieses Geld herkommen?
Zunächst geht das negative Kapital auf die neue GmbH über. Dort muss es natürlich ausgeglichen werden. "Das heißt, wir müsssen die stillen Reserven aktivieren", sagt Wellenreuther. Und zwar in enger Abstimmung mit dem Finanzamt. Der ermittelte Firmenwert wird dann als Posten in der Bilanz dargestellt.

Und wie verhält es sich mit den angehäuften Besserungsscheinen in Höhe von knapp zehn Millionen Euro, von denen KSC-Vize-Präsident Günter Pilarsky den größten Batzen ausgestellt hat?
Sie könnten in Anteile umgewandelt werden. Zumindest ist dies laut Wellenreuther "ein Denkmodell", das man allerdings noch prüfen müsse. Klar ist laut Vereinsboss, dass die Verpflichtungen sich nicht in Luft auflösen, sondern übernommen werden: "Die gehen vom e.V. in die Kapitalgesellschaft über."

Wie groß ist die Gefahr einer "feindlichen Übernahme", etwa durch einen Großinvestor?
Sie besteht so gut wie nicht. Zum einen will der KSC vorbehaltlos an der sogenannten 50+1-Regel festhalten, wie Präsident Wellenreuther betont. Dies ist im Übrigen auch in der jetzigen Vereinsatzung des KSC so festgeschrieben. Zum anderen könne die künftige Gesellschaft jederzeit entscheiden, wie viele Anteile sie an wen abgibt. "Wir wollen natürlich wissen, wer Anteile von uns hält", sagt Becker.

Wie geht es jetzt weiter?
Nach der vierten Sitzung des Ausgliederungs-Ausschusses Anfang Ende Februar ist der Stand wie folgt: "Die erforderliche Satzung für eine Kommanditgesellschaft und der Gesellschaftsvertrag für die Komplementär-GmbH sind inzwischen weitestgehend erarbeitet", sagt Becker. Was noch fehlt, ist ein Gesellschaftsvertrag für die GmbH. Das ist die nächste Aufgabe. Parallel dazu will der KSC mit Informationsveranstaltungen die rund 7.000 Mitglieder für die Idee der Ausgliederung gewinnen.

Foto: GES/Markus Gilliar/Archiv

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