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Ohne Leistungsziel Heilkraft der Natur wirken lassen
01.09.2019 - 08:00 Uhr
Baden-Baden - Immer mehr Menschen leiden unter ihren alltäglichen Belastungen. Seelische Störungen und Erkrankungen nehmen zu. Entspannen, oder Energie tanken, das geht auch ohne großen finanziellen oder zeitlichen Aufwand in der Natur. BT-Redakteur Harald Holzmann ist nebenbei als Landschaftstherapeut tätig und hilft Menschen in dieser Funktion dabei, die Natur als heilende Kraft zu erleben. BT-Redakteurin Stephanie Hölzle hat ihm dazu vier Fragen gestellt:

BT: Worin liegt der therapeutische Nutzen der Natur?

Harald Holzmann: Stress, Rastlosigkeit, Zeitdruck bestimmen unser modernes Leben. Das alles führt nicht selten zu Erschöpfungszuständen, Krankheiten und psychischen Leiden sowie einer Schwächung des Immunsystems. Ein Aufenthalt in der Natur setzt ein Gegengewicht. Das möglichst absichtslose Unterwegssein und Erleben von Landschaft, das "Ausspannen" und "die Seele baumeln lassen", stärkt die Immunabwehr und begünstigt heilsame Prozesse für Körper, Geist und Seele. Das ist übrigens kein pseudowissenschaftliches Blabla, sondern die Schlussfolgerung ernsthafter medizinischer und biologischer Forschung der vergangenen Jahre. Es steht mittlerweile zweifelsfrei fest: Die Natur bietet uns eine große Bandbreite an heilsamen Wirkungen für Körper, Geist und Seele. Das fängt an bei hochwirksamen Heilkräutern und nützlichen pflanzlichen Botenstoffen, die wir bei jedem Atemzug bei einem Waldspaziergang aufnehmen, geht weiter über die beruhigende und zugleich anregende Wirkung auf die Psyche, die jeder Aufenthalt in der freien Natur hat, bis hin zu der körperlichen Betätigung, die damit verbunden ist. Dabei kommt es übrigens überhaupt nicht darauf an, eine Leistung zu erzielen. Wir müssen nicht besonders schnell unterwegs sein, eine weite Wegstrecke absolvieren, wie müssen auch nicht weit reisen in exotische Länder oder uns etwa eine spezielle Outdoor-Ausrüstung zulegen, um von der nützlichen Wirkung der Natur zu profitieren. Nein: Es geht nur ums Da-Sein. Je entspannter wir dabei sind, umso besser. Und das Beste: Es gibt keine festen Sprechstunden, die Behandlung kostet nichts. Die Natur ist immer da. Der Schwarzwald hat 24 Stunden am Tag geöffnet.

BT: Und wieso braucht es dafür einen menschlichen Therapeuten?

Holzmann: In der heutigen Zeit gibt es einen weitgehenden Beziehungsverlust der Menschen zu der sie umgebenden Natur. Diese Entfremdung kommt einer Entfremdung von sich selbst gleich, da der Mensch ja eigentlich untrennbar zu der ihn umgebenden Umwelt gehört. Diese Entfremdung verursacht oft weitere medizinische Probleme, und vor allem macht sie es vielen Menschen schwer, die heilsame Erfahrung in der Natur ohne Anleitung und alleine machen zu können. Es ist ja so, dass viele Menschen die Natur gar nicht mehr aufsuchen - und wenn sie es tun, dann geht es oft um eine sportliche Betätigung oder darum, sich im Gespräch mit anderen Menschen die Zeit zu vertreiben. Um aber die heilsame Wirkung der Landschaft erleben zu können, sollte die Konzentration auf anderen Dingen liegen. Da geht es darum, achtsam unterwegs zu sein, sich Zeit zu nehmen für die kleinen Wunder am Wegesrand oder vielleicht auch mal eine gewisse Zeit lang schweigend querfeldein zu schlendern. Ein Wanderführer, der auf solche Dinge Wert legt und eine entsprechende Ausbildung hat, kann da sehr hilfreich sein.

BT: Wie kommt man auf die Idee, Landschaftstherapeut zu werden und wie läuft die Ausbildung dazu ab?

Holzmann: Die Idee kam mir 2017 während meiner Ausbildung zum Schwarzwaldguide. Da schnupperten wir einen Tag lang in das Gebiet der Landschaftstherapie hinein - und ich spürte spontan, dass das etwas für mich ist. Schließlich bin ich schon als Jugendlicher in meiner Heimat im Pfälzerwald ständig in der Natur unterwegs gewesen, und dass das Unterwegssein in der Landschaft eine therapeutische, wohltuende Wirkung hat, das habe ich damals schon am eigenen Leib oft genug erfahren. Seit Anfang 2018 absolviere ich nun berufsbegleitend die Weiterbildung zum zertifizierten Landschaftstherapeuten bei Olfert Dorka in Freudenstadt, der seit vielen Jahren als Ausbilder in diesem Bereich tätig ist. Die Ausbildung findet an mehreren verlängerten Wochenenden pro Jahr mit unterschiedlichen Referenten zu unterschiedlichen Themen mit vielen praktischen Übungen in den verschiedensten Landschaften statt und endet im kommenden Frühjahr mit einer praktischen und einer schriftlichen Prüfung. Im Rahmen der Ausbildung habe ich beispielsweise die Schwäbische Alb, den Kellerswald bei Kassel oder die Lüneburger Heide kennengelernt. Andere Wochenenden fanden im Allgäu statt oder in den Vogesen. Dabei ging es dann um Themen wie Meditation in der Natur, Yoga oder Land-Art, aber auch um ganz praktische medizinische und psychosomatische Zusammenhänge oder um den Aufbau unserer Wahrnehmungsorgane.

BT: Und wie sieht dann die praktische Tätigkeit aus?

Holzmann: Sehr unterschiedlich. Man kann natürlich Führungen für Gruppen anbieten, aber auch spezielle Angebote für Männer, Paare, junge Leute sind möglich. Auch eine freiberufliche Tätigkeit als Dienstleister für Kliniken oder als Coach, dessen Beratungsstunden in der freien Natur stattfinden, ist denkbar. Ich selbst biete derzeit pro Jahr in der Landschaft rund um Baden-Baden lediglich drei bis vier landschaftstherapeutische Führungen an, an der jeweils bis zu zwölf Teilnehmer mitmachen können. Mehr geht nebenberuflich nicht. Mir geht es dabei v or allem darum, in Übung zu bleiben. Denn, wenn ich als Redakteur in Ruhestand gehe, will ich mich mehr der Landschaftstherapie widmen. Und wer weiß, was ich bis dahin noch alles für Weiterbildungen absolvieren werde...

Weitere Informationen: 
www.landschafts-therapie.de
https://www.youtube.com/watch?v=RBD92o8r19g

 
"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind.

Fotos: privat

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