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Vier Fragen an: Gabriel Kirch
Vier Fragen an: Gabriel Kirch
22.09.2019 - 08:00 Uhr
Sinzheim (sga) - Im kommenden Jahr soll wieder die Meisterpflicht eingeführt werden - bislang für zwölf Berufe. Damit will man für bessere Qualität und Qualifikationen in den Betrieben sorgen. Die Auflösung von Marktverzerrungen durch Ein-Personen-Betriebe sowie eine bessere Förderung des Nachwuchses sind weitere Ziele. Aber ist dafür wirklich ein Meistertitel notwendig? Darüber spricht BT-Volontärin Sarah Gallenberger mit Gabriel Kirch, der seit dem vergangenen Jahr mit "Kirch Ausbau" im Bereich des Innenausbaus und Trockenbaus selbstständig ist.


BT: Herr Kirch, vergangenes Jahr haben Sie sich selbstständig gemacht, zuvor waren Sie Angestellter. Was hat Sie dazu bewegt?

Gabriel Kirch: Die Überlegung zur Selbstständigkeit gab es schon längere Zeit. In meiner Zeit als angestellter Bauleiter hatte ich auch schon Verantwortung für Personal und Kosten. Allerdings entsprachen die vorherrschenden und eingefahrenen Strukturen oft nicht meiner Vorstellung. Das hat mich dann letztlich zur Gründung bewegt.

BT: Ab 2020 soll für insgesamt zwölf Berufe wieder die Meisterpflicht eingeführt werden. Was halten Sie davon?

Kirch: Grundsätzlich macht die Meisterpflicht schon Sinn, auch wenn ich selbst keinen Meistertitel trage. Dafür gibt es ja unter bestimmten Voraussetzungen noch Ausnahmeregeln. Zum Beispiel Berufsausbildung, Berufserfahrung und eine bestimmte Zeit in einer Führungsposition. Erwiesenermaßen sind meistergeführte Betriebe nachhaltiger und langfristig beständiger am Markt..

BT: ..und können so mehr Qualität für die Kundschaft ermöglichen? Oder ist das Problem der Marktverzerrung durch die zunehmende Zahl von Ein-Personen-Betrieben gar nicht vorhanden?

Kirch: Das Problem der minderen Qualität hat meiner Meinung nach zwei Gründe. Zum einen haben die Menschen sehr oft die "Geiz ist geil"-Mentalität. Zum anderen gibt es sehr viele Solo-Selbstständige, die Aufträge und Rechnungen "hin- und herschieben". Das hat nichts mit nachhaltigem und qualitativem Handwerk zu tun.

BT: Der Meisterbrief soll auch bessere Ausbildungsmöglichkeiten für den Nachwuchs garantieren. Aber braucht es für das eine überhaupt das andere? Kann ein Auszubildender nicht genau so gut von jemandem ausgebildet werden, der keinen Meisterbrief in der Tasche hat?

Kirch: Die Qualität einer Ausbildung hat für mich mehr mit dem Pflichtbewusstsein des auszubildenden Betriebs zu tun, als mit dem Meistertitel. Denn auch in Meisterbetrieben werden Azubis oft als Putzkraft für die Baustellen eingesetzt. Da sitzt der Meister selbst im Büro und hat keine Zeit, sich um den Lehrling zu kümmern. Dann liegt die Verantwortung bei den Gesellen, die oftmals wiederum entweder nicht die Qualifikation oder geringes Interesse für den Auszubildenden haben. In der Schule herrscht schon früh Druck - ohne Abitur und Studium bist Du in der heutigen Zeit nichts mehr. Diese Werteverschiebung macht es wahnsinnig schwer, überhaupt motivierte Jugendliche für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern.

Foto: Liane Kirch

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