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Viele Generäle und Adlige - kaum Frauen
29.10.2019 - 08:20 Uhr
Von Walter Metzler

Baden-Baden - Als Mark Twain auf seiner Europareise 1878 Baden-Baden besuchte, machte er einige die Mentalität der Kurstädter betreffende Beobachtungen. Eine davon lautet: "Was gesellschaftlichen Rang betrifft, den beten sie an, denn sie sind seit jeher an Generäle und den Adel gewohnt."

Diese Verehrung, die einen Amerikaner seltsam anmuten musste, lässt sich bis heute an den Straßennamen Baden-Badens ablesen. Es dürfte wenige Städte geben, deren Straßenschilder so sehr von Kaisern, Königen, Großherzögen, Kurfürsten, Markgrafen und Kronprinzen namens Bernhard, Berthold, Christoph, Friedrich, Leopold, Ludwig-Wilhelm und ihren weiblichen Anverwandten namens Augusta, Hilda, Luise, Maria Viktoria, Sophie, Stephanie und wie sie alle heißen, beherrscht werden.

Im badischen Baden-Baden schreckte man nicht einmal vor dem Äußersten zurück und huldigte einem Schwaben! Die 1859 benannte Wilhelmstraße verdankt ihren Namen nämlich weder dem deutschen Kaiser noch einem badischen Markgrafen, sondern König Wilhelm I. von Württemberg. Hinzu kommen noch einige preußische Generäle wie Blücher, Moltke und Graf von Werder, zu dessen nachhaltigsten Handlungen zählt, dass er bei der Beschießung Straßburgs die älteste und größte humanistische Bibliothek Europas in Schutt und Asche legte. Monarchen, Adel und Militär besetzen seit Langem die größten und repräsentativsten Straßen.

Es erstaunt daher kaum, dass man heute Mühe hat, für verdiente Demokraten einen adäquaten Ort zu finden. Konrad Adenauer und Willy Brandt bekamen Plätzchen - der eine bei der Konzertmuschel, der andere vor der alten Polizeidirektion. Die erklärenden Zusätze sind durchaus notwendig, denn ohne sie wären die Plätze als solche kaum auszumachen. Für einen unscheinbaren Fußweg am Gymnasium Hohenbaden darf der ehemalige Lehrer und frühere badische Staatspräsident Leo Wohleb als Patron herhalten, und ein für das badische Bewusstsein und die Entwicklung der Demokratie in Deutschland zentrales Ereignis, die Revolution von 1848/49, ist im Stadtbild gar nicht präsent. Als mal wieder ein rundes Jubiläum der Revolution gefeiert wurde, wollte man auch in Baden-Baden dabei sein und taufte darum einen Flecken in einer Grünanlage auf den Namen "Platz der badischen Revolution". Indes könnte dessen Lage kaum abgeschiedener sein: Er befindet sich an der Schlossbergtangente weit vor den Toren der Stadt.

Noch schlechter als den Demokraten ergeht es übrigens den Frauen, sofern sie nicht einem regierenden Herrscherhaus angehören (siehe oben). Mit Bertha Benz, Clara Schumann und Simone de-Beauvoir wurden nur drei Frauen Namensgeberinnen einer Straße oder eines Platzes. Das ist bemerkenswert bei geschätzt mehr als 700 Straßen im Stadtgebiet. Man darf also gespannt sein, ob im Zuge der kürzlich wieder aufgeflammten Diskussion um die Umbenennung des Hindenburgplatzes eine vierte bürgerliche Frau als Namenspatronin zum Zug kommt. Zeit dafür wäre es.

Foto: Haral Holzmann/Archiv

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