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Gruselige Funde im Bodensee
Gruselige Funde im Bodensee
03.11.2019 - 09:17 Uhr
Friedrichshafen (dpa) - Die Vorstellung ist gruselig: Am Grund des Bodensees liegen vermutlich rund 100 vermisste Tote. Sie sind beispielsweise beim Baden verunglückt, mit dem Boot gekentert oder in ein Unwetter geraten - und buchstäblich nie wieder aufgetaucht. Die Polizei führt seit 1947 gemeinsam mit den Kollegen aus Österreich und der Schweiz eine entsprechende Übersichtsliste, wie der Leiter der Wasserschutzpolizeistation Friedrichshafen, Michael Behrendt, sagt. Es gehe vor allem darum, dass die Beamten schnell ablesen könnten, wer seit wann, wo und unter welchen Umständen auf dem Bodensee vermisst wird.

Aber warum ist es so schwer, Vermisste aus dem Bodensee zu bergen? "Das hängt jeweils von den Umständen des Einzelfalles ab", sagt Behrendt. Wenn klar sei, wo der Unfall geschehen ist, und die Suche etwa mit Tauchern sofort losgehen könne, sei die Chance sehr groß, die vermisste Person zu finden. "In aller Regel ist dies auch der Fall." Manchmal lasse sich der genaue Ort und Zeitpunkt eines Unfalls aber nicht so leicht eingrenzen - zum Beispiel, wenn ein Boot gefunden wird, das alleine auf dem Wasser treibt. Außerdem gebe es Strömungen im Bodensee, die vom Zufluss des Rheins und auch der Windrichtung abhängig seien. Und natürlich ist der Bodensee mit bis zu 250 Metern schlicht sehr tief. Zwar bilden sich bei der Verwesung eines Körpers Gase. Aber die reichten nicht aus, um den Toten wieder an die Oberfläche zu bringen, sagt Behrendt.

Zweiter Weltkrieg hinterlässt Spuren

Doch der tiefe Grund des Bodensees birgt noch mehr Geheimnisse: Auch der Zweite Weltkrieg hat Spuren hinterlassen. Immer mal wieder werden beispielsweise Bomben oder Granaten gefunden - einmal sogar ein Flugzeug in über 150 Metern Tiefe. Einen genauen Überblick darüber, was wo liegt, gebe es aber nicht, sagt Christoph Rottner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst in Stuttgart. Man könne natürlich annehmen, dass in den Städten wie Friedrichshafen, die stark bombardiert worden seien, viel liege. Allerdings lägen die Funde meist nicht offen auf dem Seegrund, sondern seien tief versandet. "Das müsste man theoretisch orten und das ist alles nicht ganz so einfach."

2017 habe der Kampfmittelbeseitigungsdienst beispielsweise einen Torpedo aus dem See geborgen. "Das Stück war fünf Meter lang und steckte im Sand - da war grade noch das Heck zu sehen", berichtete Rottner. "Ihn freizulegen war eine Riesenarbeit." Generell seien Wasserbergungen im Vergleich zu Bergungen an Land um ein Vielfaches aufwendiger. Funde, die sehr tief im See lägen, müssten auch nicht zwingend herausgeholt werden, da sie niemandem gefährlich werden könnten. "Im schlimmsten Fall rostet mal was durch und es tritt Sprengstoff in den See aus - das wäre dann aber aus Umweltgründen nicht gut."

Raddampfer "Jura" liegt im Wasser

Im Archiv des Dornier Museums kennt man ebenfalls ein paar Geheimnisse des Bodensees: So liege beispielsweise mit dem Raddampfer "Jura" ein sehr bekanntes Wrack auf dem Seegrund vor der Schweiz, heißt es dort. Manche Flugzeuge seien bereits geborgen worden, andere befänden sich noch im Wasser - beispielsweise soll ein He 177-Bomber in einiger Tiefe liegen. Wohl eher in den Bereich der Mythen gehört die Geschichte eines "Cognac-Bombers": Im Zweiten Weltkrieg stürzte demnach ein entsprechend beladenes Flugzeug über dem Bodensee ab - auf dem tiefen Grund lagern nun angeblich noch die Kisten mit jahrzehntealtem Cognac.

Gesichert dagegen ist eine archäologische Sensation: Im Jahr 2015 entdeckte das Institut für Seenforschung in Langenargen bei Tiefenvermessungen vor dem Schweizer Ufer zwischen Romanshorn und Bottighofen zahlreiche Steinhügel. Sie haben jeweils einen Durchmesser von 15 bis 30 Metern und befinden sich in regelmäßigen Abständen in einer Reihe in Ufernähe, rund viereinhalb Meter unter Wasser. Wer sie errichtet hat, wie genau sie konstruiert wurden und wozu sie entstanden sind, über diesen Fragen grübeln Schweizer Archäologen nun schon seit Jahren. Mithilfe von Proben haben die Forscher inzwischen zumindest herausfinden können, dass die "Hügeli" in der Jungsteinzeit vor etwa 5 500 Jahren aufgeschüttet wurden. Die Vermutung der Wissenschaftler: Möglicherweise gehörten sie zu Pfahlbauten, die ebenfalls tief unter Wasser liegen und noch der Entdeckung harren.

Foto: Wasserschutzpolizei

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