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Mehr als jeder zweite Bahnhof könnte saniert werden
Mehr als jeder zweite Bahnhof könnte saniert werden
14.12.2019 - 19:02 Uhr
Heilbronn (lsw) - Mal müssen Aufzüge her, mal werden Rampen benötigt oder Info-Tafeln und bei vielen weiteren Bahnhöfen wird es höchste Zeit, die Bahnsteige zu erhöhen. Denn Reisende sollen in Baden-Württemberg bequemer und vor allem frei von Hindernissen und fremder Hilfe - also barrierefrei - in die Züge einsteigen können. Allerdings ist das derzeit an mehr als jedem zweiten Bahnhof in Baden-Württemberg nicht der Fall. Ein großes Finanzierungspaket von Bund, Bahn, Land und Kommunen soll helfen, zumindest einen Teil der sanierungsbedürftigen Stationen auf einen neuen Stand zu bringen.

Im Rahmen des sogenannten Bahnmodernisierungsprogramms II sollen zwischen den Jahren 2020 und 2029 insgesamt 430 Millionen Euro in die Bauprojekte investiert werden. Dies geht aus der Kabinettsvorlage von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hervor. Wie viele Bahnhöfe am Ende dann tatsächlich saniert werden, ist allerdings noch unklar. Das hänge von der Beteiligung der Kommunen ab, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Samstag.

Das Programm soll nach Angaben von "Heilbronner Stimme" und "Mannheimer Morgen" in der nächsten Sitzung des grün-schwarzen Ministerrats am Dienstag verabschiedet werden. Einen Tag später will sich der Minister öffentlich zu einzelnen Projekten äußern. Sanierungsbedürftig sind nach Angaben von Bahn und Land rund 400 Stationen. Insgesamt gibt es im Südwesten laut Verkehrsministerium 787 Bahnhöfe.

Kommunen sollen insgesamt 80 Millionen Euro zur Verfügung stellen

Am neuen Paket beteiligt sich das Land nach Angaben des Verkehrsministeriums von Samstag mit 150 Millionen Euro. Die Kommunen sollen insgesamt 80 Millionen Euro zur Verfügung stellen. "Mit dem Bahnhofsmodernisierungsprogramm II will die Landesregierung die Anstrengungen deutlich verstärken mit dem Ziel, den Schienenverkehr attraktiver für einen Umstieg vom Auto auf die Bahn zu machen", sagte Ministeriumssprecher Edgar Neumann der dpa. Unter dem Titel "Bahnhof der Zukunft" hatte die Regierung sich bereits grün-schwarzen Koalitionsvertrag darauf verständigt, Bahnhöfe barrierefrei ausbauen und zu Mobilitätsdrehscheiben weiterentwickeln zu wollen.

Bereits 2009 zahlreiche Stationen saniert

Es ist bereits die zweite Finanzierungsspritze für die Stationen. Im ersten, deutlich kleineren Bahnhofsmodernisierungsprogramm waren nach 2009 schon zahlreiche Stationen saniert und auch barrierefrei umgebaut worden. Umfang des Pakets zwischen 2009 und 2019 laut Bahn: rund 218 Millionen Euro. Damals hatten bereits abgeschlossene Sanierungen an großen Bahnhöfen nach Ministeriumsangaben mit 6,6 bis 11,5 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Zum neuen Paket wollte sich ein Bahnsprecher nicht äußern, er verwies auf die Veröffentlichung durch Minister Hermann am Mittwoch.

Stefan Buhl, der Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, nannte die Investitionen einen "ganz wichtigen Schritt in die richtige Richtung". Es gebe nach wie vor zu viele Bahnhöfe, an denen die Bahnsteige zu niedrig seien.

Bahnsteighöhe kann für Ältere oder Kinderwagen zur Hürde werden

Von der Bahnsteighöhe hängt allerdings ab, ob ein Reisender selbstständig und bequem in einen Zug einsteigen kann - oder eben nicht. Es gibt auch in Baden-Württemberg Bahnhöfe, auf denen der Bahnsteig so niedrig und der Zug vor allem im Fernverkehr so hoch ist, dass der Einstieg einer Kletterpartie gleicht. Auch Aufzüge oder Rampen seien wichtig, sagt Buhl: "Denn auf diese Bahnsteige müssen sie als älterer Reisender oder Behinderter zunächst mal draufkommen. Für Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen ist das oft enorm schwer."

Derzeit herrscht bei Bahnsteighöhen an deutschen Stationen noch ein ziemliches Durcheinander. Viele Bahnsteige liegen 38 Zentimeter über der Schienenoberkante oder sogar niedriger, andere haben eine Sonderhöhe von 96 Zentimeter - meistens wegen der städtischen S-Bahnen. Im Regionalverkehr dominiert oft die 55-Zentimeter-Variante, während die Züge des Fernverkehrs auf 76 Zentimeter ausgerichtet sind. Der Höhenunterschied hat sich vor allem historisch ergeben. Grundsätzlich wird eine Harmonisierung angestrebt, allerdings gibt es seit langer Zeit einen Streit um die passenden Höhen.

Foto: Gabbert/zb/dpa

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