https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
Vier Fragen an Hartmut Fünfgeld
Vier Fragen an Hartmut Fünfgeld
05.01.2020 - 08:00 Uhr
Freiburg/Baden-Baden (for) - Sonnenschein, 20 Grad und Schnee passt eigentlich nicht zusammen. In einigen Skigebieten ist das mittlerweile aber Realität. Immer mehr Liftbetreiber starten bereits im Oktober in die Wintersportsaison. Der Schnee rieselt dann nicht vom Himmel, sondern aus riesigen Schneekanonen. Ökologisch gesehen sei das aber kritisch, sagt der Geograf Hartmut Fünfgeld. Er forscht an der Uni Freiburg zur Klimaanpassung. BT-Redakteurin Janina Fortenbacher hat ihm vier Fragen zum Wintertourismus in Zeiten des Klimawandels gestellt.


BT: Herr Fünfgeld, die natürliche Schneesaison wird immer kürzer, auch die Menge des Schnees, der fällt, nimmt zunehmend ab. Immer mehr Skigebiete helfen deshalb mit riesigen Schneekanonen aus, mit denen das weiße Pulver künstlich hergestellt wird. Welche Auswirkungen hat das auf den Klimawandel?

Hartmut Fünfgeld: Natürlich wissen wir, dass wir beim Beschneien der Hänge wahnsinnig viel Energie brauchen. Wir brauchen auch sehr viel Wasser, das in Speichern bevorratet werden muss. Das ist oft verbunden mit zusätzlichen Eingriffen in ökologisch sensibles Gebiet. Deshalb ist es ökologisch nur schwer vertretbar, in Gebieten Alpin-Ski zu fahren, in denen frühzeitig und viel künstlich beschneit wird oder auch lange in den Frühling hinein beschneit wird.

BT: 2018 hat Kitzbühel Schlagzeilen gemacht, als das Skigebiet bereits im Oktober in die Saison gestartet ist - und zwar mit eingelagertem Naturschnee vom Vorjahr. Wie ist Ihre Meinung zu solchen Methoden?

Fünfgeld: Gesellschaftlich gesehen, empfinde ich das als Missachtung der Natur. Es geht auch darum, welche Botschaft Tourismusbetreiber oder größere Gemeinden in die Welt schicken. Die Botschaft in diesem Fall lautet: "Wir sind Herr über die Natur und wir machen es uns so, wie es uns passt." Das hat mit der ursprünglichen Idee von Wintersport, draußen sein im Winter und Natur erleben, nur noch wenig zu tun.

BT: Gibt es denn schon Betriebe, die sich mit dem Umweltaspekt beschäftigen und nach Alternativen suchen, statt stark zu beschneien oder eingelagerten Schnee zu verwenden?

Fünfgeld: Ja, es sind derzeit zwei Trends zu erkennen: diejenigen, die mit Schneekanonen oder Bevorratung von Schnee aufrüsten, und diejenigen, die überlegen, wie sie andere touristische Akzente setzen können. Da geht es immer mehr um Alternativen zum Alpin-Skifahren. Beispielsweise verschiedene Formen des Rodelns, Schneeschuhwandern, geführte Naturwanderungen, aber auch Hütteneinkehr und alle möglichen Arten des Winter-Eventtourismus. Damit werden dann ganz unterschiedliche Gruppen angesprochen und nicht mehr nur die klassischen Ski-Alpin-Fahrer.

BT: Wenn es künftig immer weniger schneit, wie sieht dann die Zukunft für die Skigebiete aus, insbesondere hier in Baden-Württemberg? Müssen wir damit rechnen, dass es irgendwann keine Skigebiete mehr geben wird?

Fünfgeld: Ich glaube, solange der Bedarf da ist und die Menschen bereit sind, fü r beschneite Pisten zu zahlen, wird es auch in schneearmen Wintern noch Pisten geben. Aber ich denke, dass man sich gerade in kleineren Skigebieten wie hier in der Region überlegen muss, in was für einem Umfang und mit was für einem Aufwand man das Ganze betreibt, wenn man sich ernsthaft mit Fragen der Nachhaltigkeit befassen will.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Sinzheim
Johannisbeere ist nicht gleich Johannisbeere

04.01.2020
Schnittkurs für Beerensträucher
Sinzheim (red) - Hobby- und Freizeitgärtner, die mehr über Erziehungs- und Erhaltungsschnitt, über Fächererziehung, Hochstämmchen, Spindel- und Schnurbäume lernen möchten, sind am Samstag, 11. Januar, beim Schnittkurs des OGV Sinzheim richtig (Foto: Hubert Kopf). »-Mehr
Gaggenau
´Jakob war wie weggetreten und lallte´

03.01.2020
Ein Leben als Diabetiker
Gaggenau (er) - Jakob Kaus hat ein Problem mit seinem Blutzucker. Der Vierjährige führte ein unbeschwertes Leben, bis die Erkrankung festgestellt wurde. Der Verdacht auf Diabetes Typ 1 bestätigte sich. Die Eltern mussten den praktischen Umgang mit der Erkrankung lernen (Foto: Kaus). »-Mehr
Berlin
´Das Problem wird nicht gelöst, indem man die Augen zumacht´

03.01.2020
Das Problem der Endlagersuche
Berlin (bms) - Wolfram König ist Präsident des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit, das dafür garantieren soll, dass die Suche nach einem Atommüll-Endlager korrekt verläuft. Im BT-Interview berichtet er, welche Kriterien dafür gelten (Foto: Gorleben - dpa). »-Mehr
Baden-Baden
Sondermüll am 4. Januar abgeben

02.01.2020
Sondermüll am 4. Januar abgeben
Baden-Baden (red) - Die Stadt Baden-Baden bietet am Samstag, 4. Januar, die nächste Sondermüllsammlung auf dem Betriebsgelände des städtischen Baubetriebshofs in der Flugstraße an. Die Sammelfahrzeuge stehen zwischen 13 und 18 Uhr in Oos-West bereit (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Berlin
´Patienten-Navi´ geht an den Start

01.01.2020
"Patienten-Navi" geht an den Start
Berlin (dpa) - Die Nummer ihres Hausarztes können manche schon auswendig. Nun empfehlen die Kassenärzte auch eine andere Telefon-Hotline - als Wegweiser nicht nur in akuten Fällen. Ab sofort sollen sich Kassenpatienten nur noch die Nummer 116 117 merken müssen (Foto: dpa). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Jeder dritte Deutsche hat nach eigenen Angaben nicht ausreichend für das Alter vorgesorgt. Fühlen Sie sich beim Thema Altersvorsorge gut vorbereitet?

Ja.
Nein.
Das weiß ich nicht.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz