Abi-Noten im Südwesten bleiben hinter anderen Ländern zurück

Abi-Noten im Südwesten bleiben hinter anderen Ländern zurück

Stuttgart (lsw) - Die Abitur-Noten in Baden-Württemberg haben sich - anders als in anderen Bundesländern - in den vergangenen Jahren verschlechtert. Der Anteil der Schüler mit der Bestnote 1,0 sank nach Angaben des Kultusministeriums zwischen 2006 und 2016 von 1,79 Prozent auf 1,4 Prozent.

Auch die Durchschnittsnote verschlechterte sich von 2,38 auf 2,43. Zuvor hatten "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" (Montag) darüber berichtet.

Zum Vergleich: In Bayern ist der Prozentsatz der Spitzenabsolventen demnach von 0,95 auf 1,9 Prozent gestiegen. Der Notenschnitt verbesserte sich im genannten Zeitraum von 2,43 auf 2,32. Die aktuellen Abi-Noten werden mit der amtlichen Schulstatistik im Herbst erhoben und im Frühjahr veröffentlicht.

Absolventen könnten bei Studienplatzvergabe den Kürzeren ziehen

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) wertete die Zahlen nicht als Zeichen, dass die Schüler andernorts höhere Leistungen erbringen. "Dass die Schüler in Berlin und Brandenburg in den vergangenen Jahren aber auf einmal alle schlauer geworden sind, wage ich sehr zu bezweifeln", sagte die Politikerin den Zeitungen.

Der Chef des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, gab zu bedenken, dass der Trend baden-württembergischen Abgängern vom Gymnasium schaden könne. "Baden-Württemberg mag Vorbild sein, die Noteninflation könnte jedoch Nachteile für Abiturienten haben", sagte er dem Bericht zufolge. Bei Studiengängen mit Zulassungsbeschränkungen könnten Absolventen aus dem Südwesten im Wettbewerb mit anderen womöglich den Kürzeren ziehen.

Rahmenbedingungen zwischen den Ländern angleichen
Der Landesschülerbeirat will die Abitur-Noten nicht künstlich verbessern. Er lehnte die Möglichkeit ab, dass Lehrer im Rahmen ihres Ermessensspielraums Noten nach oben drücken. "Solche Eingriffe wären der falsche Weg", sagte der Vorsitzende des Landesschülerbeirats, Leandro Karst, am Montag in Pforzheim. Die Abituraufgaben aus dem bundesweiten Pool zeigten in die richtige Richtung, aber es gebe noch immer deutliche Unterschiede. Beispiel: das umstrittene Englischabitur im Südwesten. Dabei hatten sich baden-württembergische Schüler über die aus ihrer Sicht sehr schwierige Aufgabe beschwert - anders als Prüflinge in Mecklenburg-Vorpommern mit der gleichen Aufgabe.

Die unterschiedliche Wahrnehmung des Schwierigkeitsgrades könnte an der im Norden großzügiger bemessenen Zeit für die schriftliche Prüfung und dem dort erlaubten Einsatz eines Wörterbuchs liegen. Karst: "Es müssen auch die Rahmenbedingungen der Prüfungen definiert werden." Doch eine völlige Vergleichbarkeit werde es nie geben: Denn auch die Vorbereitung auf die Abi-Klausur variiere - und zwar von Schule zu Schule.


Foto: dpa

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