Warnungen vor steigender Gewalt gegen Praxisteams

Warnungen vor steigender Gewalt gegen Praxisteams

Stuttgart (lsw) - Experten gehen von einer steigenden Gewalt gegenüber Ärzten und Praxisteams in Deutschland aus. Nach Auskunft der Bundesärztekammer nehmen Ärzte deutlich wahr, dass die Aggressivität gegenüber ihrer Berufsgruppe und anderer Berufsgruppen im Gesundheitswesen zunimmt.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Verband medizinischer Fachberufe (VMF): "Die Medizinischen Fachangestellten in den Arztpraxen berichten von einem zunehmend raueren Umgangston an den Anmeldungen und von offener Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Team einer Arztpraxis", sagte Barbara Kronfeldner, Referatsleiterin für Medizinische Fachangestellte beim VMF.

2017 gab es im Südwesten 92 Straftaten mit Ärzten als Opfer. Drei Jahre zuvor zählte das Sozialministerium noch 62 Fälle. Für medizinische Fachangestellte gibt es keine Zahlen, das baden-württembergische Ärzteblatt weist außerdem auf eine Dunkelziffer hin.

Forderung nach Ausweitung des Straftatbestands

Die Bundesärztekammer verweist auf Angebote der Ärztekammern im Land. So gebe es Beratungen, Deeskalationskurse, Sicherheitstrainings und Kommunikationskurse. Um den Schutz von Ärzten zu erhöhen, sei man zudem in intensiven Gesprächen mit der Bundesregierung. Der VMF fordert, dass Gewalt gegen Praxisteams auch in den Straftatbestand "Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und Rettungsdienstmitarbeiter" aufgenommen wird. Zudem müssten Arbeitgeber ihrer Schutzfunktion für ihre Angestellten besser nachkommen.

Offenburger Arzt stirbt bei Angriff

Mitte August vergangenen Jahres hatte ein Patient einen Allgemeinmediziner in Offenburg in dessen Praxis mit zahlreichen Messerstichen getötet und eine Arzthelferin verletzt. Die Tat hatte in der mehr als 60.000 Einwohner zählenden Stadt für Unruhe gesorgt und Betroffenheit ausgelöst. Der mutmaßliche Täter steht derzeit vor Gericht.

Symbolfoto: dpa

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