Gaggenauer Unfall: Urteil erwartet

Gaggenauer Unfall: Urteil erwartet

Gaggenau (red) - Der Prozess gegen einen 48-Jährigen, der am 13. Juli 2018 in Gaggenau eine 54-Jährige und deren sieben Monate Enkel angefahren und tödlich verletzt haben soll, wird am Freitag fortgesetzt. Erwartet werden die Plädoyers von Anklage und Verteidigung sowie die Urteilsverkündung.

Der dritte Verhandlungstag beginnt am Freitag um 9 Uhr im Saal 151 des Rastatter Amtsgerichts (im Schloss). Da der Prozess unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfindet, sind erneut Einlasskontrollen zu erwarten.

In den ersten beiden Verhandlungstagen hatte der Angeklagte eingeräumt, den Unfall verursacht zu haben. Allerdings könne er sich nicht daran erinnern, Menschen umgefahren zu haben. Laut Zeugenaussagen und Gutachten habe er seinen Wagen unter erheblicher Alkoholeinwirkung sowie dem Einfluss von Cannabis gesteuert.

Unweit des Daimler-Bildungszentrums war er dann mit seinem Renault von der Fahrbahn der Goethestraße abgekommen und auf den Gehweg gefahren, auf dem die Frau und ihr im Kinderwagen liegender Enkel unterwegs waren. Sie wurden von dem Wagen erfasst. Nach dem Unfall war er weitergefahren und hatte sich später bei einem Bekannten versteckt.

Schreckensbild in der Goethestraße

Aus dem Schreckensbild, das sich Helfern und Polizeibeamten bot, rekonstruierte Sachverständiger Wolfgang Mangold von der Dekra am zweiten Verhandlungstag das Geschehen. Auch das Unfallauto hat er untersucht. Ein technischer Defekt als Unfallursache komme nicht infrage.

Rund 55 Meter Länge umfasst die Unfallstelle. Dabei wurde der Kinderwagen mindestens 39 Meter nach der Kollision weggestoßen, gut 40,5 Meter waren es bei der Frau. Auf Fotos sind die massive Eindellung der Motorhaube zu erkennen, die zerstörte Frontscheibe und weitere Schäden an der Fahrzeugfront. Die Frau starb noch an der Unfallstelle, ihr Enkel kurze Zeit später in einer Klinik.

Familie der Opfer verzichtet auf Nebenklage

Die Familie der Unfallopfer verzichtete auf eine Nebenklage. Richterin Angelika Binder verlas am zweiten Verhandlungstag eine entsprechende Erklärung. Die Familie sei nach eigenem Bekunden sehr gläubig und gehe davon aus, dass der Verursacher "seine gerechte Strafe erhalten" werde. Die Familie mit acht Kindern war vor 16 Jahren von Russland nach Deutschland umgesiedelt. Der Tod der Mutter und Ehefrau habe unter anderem dazu geführt, dass Angehörige wochen- und monatelang arbeitsunfähig gewesen seien.

Foto: Benedikt Spether/dpa/Archivfoto

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