Als Wikinger auf dem Mittelaltermarkt

Als Wikinger auf dem Mittelaltermarkt

Bietigheim (kie) - Die Vergangenheit ist zu Gast in Bietigheim. Zum dritten Mal findet an diesem Wochenende dort der Mittelaltermarkt statt. Familie Gormanns aus Malsch organisiert als "Gormanns Clan" das zweitägige Fest. Im BT-Gespräch erzählen Sabine und Thomas Gormanns von ihrer Faszination fürs Mittelalter und den Höhepunkten des anstehenden Markts.

"Geschichte geht durch unser Leben", sagt Thomas Gormanns. Diese Begeisterung habe sich stets weiterentwickelt, ergänzt seine Frau Sabine. Die 19 und 14 Jahre alten Töchter Katharina und Fiona seien von klein auf dabei gewesen. Angefangen habe aber alles mit einer Cabrio-Tour vor rund 20 Jahren, so Sabine Gormanns. Zufällig sind die heute 49-Jährige und ihr 50-jähriger Mann damals auf einem Mittelalterfest gelandet. Nachdem sie einige Lagergruppen kennengelernt hatten, war es um sie geschehen. "Mit einem simplen Gürtel hat es angefangen", erzählt Thomas Gormanns von den Anfängen seiner Verwandlung zum osteuropäischen Wikinger.

Familie stellt Wikingergruppe dar

Er und seine Familie (Auf dem Foto Thomas, Sabine, Katharina und Fiona Gormanns) stellen als Lagergruppe "Gormanns Clan" Kiewer Rus dar, eine Wikingergruppe, die im frühen Mittelalter in Osteuropa sesshaft wurde. Das sei eine Richtung, "die nicht so viele betreiben", wie Gormanns erzählt. Im Vergleich zu anderen Wikinger-Gewändern gefalle ihm an der Bekleidung der Kiewer Rus, dass diese "weicher, eleganter" und nicht so warm sei. Anhand von Fachbüchern rekonstruiert die Familie Schnittmuster; ein Schneider erledigt dann den Rest. In seinem Schrank hänge inzwischen "mehr Mittelalterkleidung als normale Kleider", sagt Thomas Gormanns.

Zwei Tage leben wie in der Vergangenheit

Während der Lager versucht die Familie, einige Tage so authentisch in der europäischen Vergangenheit zu leben wie möglich. Das sei nicht immer ganz leicht, beschreibt Sabine Gormanns: Beispielsweise erinnerten Marktbesucher, vorbeifahrende Autos oder die Plastikverpackung der mitgebrachten Lebensmittel an die Gegenwart. Doch sei das Lagerleben für einige Tage "entspannend und entschleunigend, ohne Handy und Computer", so ihr Mann. Der Wiedereintritt in die Gegenwart sei hingegen "stressig".

Mittelaltermärkte vermitteln, wie es früher war

Auf den Märkten spiele man keine Rolle: "Im Prinzip sind wir die Gleichen wie vorher", sagt Sabine Gormanns. Es gehe bei Mittelaltermärkten mehr darum, zu vermitteln, wie es früher war, ergänzt ihr Mann. Zu diesem Zweck nennt der "Gormanns Clan" auch eine Wikingermühle sein Eigen - eine Sonderanfertigung von einem Steinmetz, mit der die Gormanns den Marktbesuchern zeigen können, wie viel Arbeit es einst machte, Mehl zu mahlen. Zudem leiten Sabine und Thomas Gormanns mittelalterliche Tanzworkshops und der Familienvater übt sich im Schwertkampf.

Programm in Bietigheim

Wenn sich an diesem Samstag und Sonntag, 18. und 19. Mai, jeweils ab 11 Uhr das Gelände um den Bietigheimer Festplatz mit Gauklern, Handwerkern und Lagergruppen füllt, werden die Gormanns zum dritten Mal als Organisatoren wirken. "Wir wollten ein kleines, kuscheliges Fest machen, und weg von der ganzen Kommerzialisierung", sagt Thomas Gormanns. "Da steckt viel Herzblut drin, es sind nur Leute dabei, die wir persönlich kennen." Rund 60 Gruppen und Händler sind es. Als Highlights zählen die Gormanns die CD-Release-Party der Gruppe "Saitenstreich" mit anschließender Feuershow am Samstag ab 19 Uhr und den Blick über die Schulter eines Steinmetzes auf, der unter mittelalterlichen Bedingungen arbeitet.

Foto: Privat

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