Vier Fragen an: Imker Engelmann

Alexander Engelmann. Foto: Paul Engelmann

Baden-Baden - Wie das rheinland-pfälzische Fachzentrum Bienen und Imkerei mitteilte, haben Imker im Südwesten im Winter 2017/18 im Schnitt 14,5 Prozent ihrer Bienenvölker verloren. Damit lagen die Betriebe zwar unter dem bundesweiten Durchschnitt, die Zahl ist trotzdem alarmierend. In diesem Zusammenhang hat BT-Volontär Marius Merkel mit Alexander Engelmann (52), stellvertretender Vorsitzender des Kreisimkervereins Baden-Baden, gesprochen. Seit seiner Kindheit beschäftigt sich der 52-Jährige mit Bienen. Mittlerweile hat der Hobby-Imker 45 eigene Bienenvölker.

BT: Herr Engelmann, ist unsere Region auch vom Bienensterben betroffen?

Alexander Engelmann: Ja, diese Problematik kennen wir auch hier. Ich habe glücklicherweise zuletzt nur ein Volk verloren. Es gibt aber durchaus auch Kollegen, die alles verloren haben: Da reden wir dann von bis zu 35 Völker auf einen Schlag.

BT: Wie kommt es überhaupt zum Bienensterben?

Engelmann: Es gibt verschiedene Gründe: Zum einen ist der Parasitenbefall zu nennen. Vor allem die Milben sind einer der Hauptgründe für das Sterben von Bienenvölkern. Insbesondere die Varroamilben vermehren sich in der Bienen-Brut und übertragen Krankheiten. Nach einem Milben-Befall zeigt die Bienen-Brut Entwicklungsstörungen und ist kurzlebig. Erwachsene Bienen haben vor allem ein geschwächtes Immunsystem. Aber auch die Tatsache, dass es immer weniger Wiesen gibt, macht den Bienen zu schaffen. Sie können sich meist nicht mehr richtig ernähren und verhungern deshalb. Ein weiterer Gegner der Tiere sind Pestizide und Insektizide: Es gibt Substanzen, die nicht nur Schädlinge beseitigen, sondern auch ganze Bienenvölker vernichten können.

BT: Wie sieht die Arbeit eines Imkers über das Jahr hinweg aus?

Engelmann: Eigentlich ist es eine ganzjährige Arbeit: Im Frühjahr etwa schaut man sich an, wie viele Bienen den Winter überlebt haben. Im Sommer ist Hochbetrieb: Man muss unter anderem die Bienenvölker rechtzeitig erweitern und auch den Honig ernten. Außerdem ist es wichtig, auf den Schwarmtrieb zu achten. Im Herbst muss man dann die Bienenvölker etwa behandeln und ist mit der sogenannten Einfütterung beschäftigt. Über das ganze Jahr hinweg ist zudem der Schutz gegen Parasiten wichtig.

BT: Welche Tipps haben Sie für Gartenfreunde, die die Bienen unterstützen wollen?

Engelmann: Was man in letzter Zeit immer häufiger sieht, sind die Insektenhotels. Durch menschliche Eingriffe in die Naturlandschaft gibt es immer weniger natürliche Lebensräume für Insekten. Mit den Hotels kann man Abhilfe schaffen, welche etwa den Bienen beim Nisten und Überwintern helfen können. Diese Hotels kann man entweder im Fachhandel kaufen, oder auch ganz einfach selbst bauen. Wer den Bienen und auch anderen Insekten etwas Gutes tun will, der kann in seinem Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon etliche verschiedene Blumen, Kräuter, Wildpflanzen sowie Obst und Gemüsearten anbauen. Diese können den Tieren als reichhaltige Nahrung dienen und die Möglichkeit zur Vermehrung sichern. Außerdem sollte man nicht zu oft den Rasen mähen: Einfach mal wachsen lassen. Das schützt die Bienenpopulation, da die blühenden Pflanzen länger für die Bienen erhalten bleiben.

Vier Fragen an:

"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags um 8 Uhr auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

Foto: Paul Engelmann

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