Vier Fragen an: Leona Berlin

Vier Fragen an: Leona Berlin


Berlin - "Nomen est omen" - selten hat dieser lateinische Sinnspruch so gut gepasst wie bei Sängerin Leona Berlin. Die 27-Jährige wurde zwar in Karlsruhe geboren, lebt aber seit 2016 in der Hauptstadt. Leona Berlin ist nicht etwa ein Künstlername, sondern steht so in ihrem Ausweis. Aufgewachsen ist die Musikerin, die ihr gleichnamiges Debütalbum auch selbst produziert hat, in Hügelsheim und Iffezheim. Am 14. Juni erscheint ihre neue Single "Monkeys". Ihr zweites Studioalbum soll Ende Oktober rauskommen. Berlin tritt im Rahmen des Festes "Waldorf 100" und 21 Jahre Freie Waldorfschule Rastatt am Samstag, 21. September, und Sonntag, 22. September, in der Reithalle in Rastatt auf. BT-Volontär Marvin Lauser hatte vier Fragen an Sie.

BT: Frau Berlin, stehen Sie in der Regel allein auf der Bühne?

Leona Berlin: Ich spiele hautsächlich mit Band. Ab und zu spiele ich auch solo. Die Solo-Performance ist natürlich ungewöhnlicher als eine Band, aber ich komme aus dem Band-Kontext und fühle mich dort auch am wohlsten. Sowohl solo als auch mit Band nutze ich einen Harmonizer. Damit kann ich Loops erzeugen, Effekte auf meine Stimme legen und vor allem meine Stimme vervielfältigen, daher der Name. Ich spiele auf einem Keyboard Akkorde und meine Stimme wird zu einem Chor. Das kam zustande, weil ich in meinen Produktionen viele Background-Vocals benutze - also einfach viele zusätzliche Stimmen einsetze und der Song, wenn die Backings dann live wegfallen, komplett anders klingt. Und da ich das nicht wollte, habe ich den Harmonizer ausprobiert und mache damit quasi meine eigenen Backings auf der Bühne. Das ist mittlerweile ein Stilmittel geworden.

BT: In ihrem Song "Make Me Wanna" singen Sie: "Baby I am crazy about you." Ist das konkret auf eine Person bezogen? Haben Sie immer ein konkretes Beispiel im Kopf?

Berlin: Bei dem Text hatte ich ein konkretes Beispiel. Das war, als meine aktuelle Beziehung angefangen hat. Dieses ganz frische Gefühl - in dem Moment habe ich den Song geschrieben. Ich wollte einfach diese romantische, verspielte, positiv naive Phase musikalisch ausdrücken. Es ist aber nicht immer so konkret. Bei "Feel the Love" hatte ich zum Beispiel kein konkretes Beispiel im Kopf, sondern viele Eindrücke hier aus Berlin. Obdachlose, Drogenabhängige, Vereinsamte. In dem Song geht es, darum, dass jemand seine Hoffnung, alles verloren hat, aber am absoluten Tiefpunkt merkt, das alles cool ist und das er in sich die Liebe fühlen kann. Da hatte ich kein konkretes Beispiel, aber natürlich trotzdem viele Inspirationen um mich herum, die ich als Beispiel nehmen konnte. In dem Song erzähle ich zwar von einem konkreten Fall, der ist aber fiktiv. Der Großteil meiner Songs bezieht sich aber auf ein konkretes Ereignis oder eine konkrete Person, die ich beim Schreiben im Kopf hatte. "Feel the Love" ist da eher die Ausnahme. Für mich ist es wichtig, einen Bezug zu mir herzustellen, weil es schon so viel Musik gibt, die für andere Leute geschrieben wurde, die dann nicht mehr viel Persönliches enthält. Musik ist etwas total Persönliches und deswegen ist das auch textlich wichtig für mich.

BT: Gibt es ein paar Künstler, die Sie als Vorbilder bezeichnen würden? Haben Sie schon vor ihnen gespielt?

Berlin: Es gibt welche, die mich stilistisch und von ihrer ganzen Art her geprägt haben. Zum Beispiel in den vergangenen drei Jahren Anderson Paak, Kendrick Lamar und Erykah Badu. Alicia Keys war für mich am Anfang ein ziemlich krasser Einfluss. Dann noch so ein paar Insider-Namen wie Rachelle Ferrell, sie kennt hier aber fast keiner, sie ist in Amerika ganz groß. Vom musikalischen, vom Style, von den Produktionen und von der Ausstrahlung her beeindrucken und inspirieren sie mich. Das sind Musiker, vor denen ich noch nicht gespielt habe (lacht). Ich hoffe, dass ich das irgendwann einmal kann, das wäre toll, aber bisher habe ich das leider noch nicht.

BT: Mit welchem Künstler, mit welcher Künstlerin würden Sie in Zukunft gerne zusammenarbeiten?

Berlin: Es gibt auf jeden Fall mehrere, aber wen ich gerade extrem feiere, ist Anderson Paak. Und Kendrick Lamar (lacht). Wenn ich mit den beiden zusammen arbeiten könnte, würde sich ein Traum erfüllen!

Vier Fragen an:

"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags um 8 Uhr auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

Fotos: Marlen Albrecht

Homepage von Leona Berlin

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