Vier Fragen an: Bertold Wagner

Vier Fragen an: Bertold Wagner

Baden-Baden - Sommerliche Temperaturen erreichen endlich den Südwesten. Doch mit der Wärme steigt nicht nur die Laune, sondern auch die Brandgefahr. BT-Volontärin Franziska Kiedaisch stellte Bertold Wagner, seit über 50 Jahren Feuerwehr-Fotograf des Stadtkreises Baden-Baden, vier Fragen.


BT: Die Waldbrandgefahr nimmt zu; am Fremersberg hat es bereits gebrannt. Offenes Feuer und Rauchen ist im Wald tabu. Welche Verhaltenstipps sind aus Ihrer Sicht noch wichtig?

Bertold Wagner: Zunächst ist die Früherkennung und Meldung wichtig, dann die Lokalisierung der Brandstelle, sodass die Löschfahrzeuge die Brandstelle schnell finden. Leider werden aber immer wieder Hinweise, Mahnungen, Verbote durch Leichtsinn, Überheblichkeit und Vorsätzlichkeit ignoriert. "Ach, es wird schon nichts passieren", denken sich wohl viele. Aber man sollte sich einmal vor Augen führen, dass ein abgebrannter Baum, der ersetzt werden muss, Jahrzehnte oder Jahrhunderte braucht, bis ein gesunder, blühender Baumstamm gewachsen ist - also oftmals mehr als ein Menschenleben.

BT: Wie gefährlich ist ein Einsatz für die Feuerwehr bei einem Waldbrand?

Wagner: Eine Gefahr ist das Entstehen einer Feuerwalze durch Winde. So ist es möglich, dass die Mannschaften von Feuer und Rauch umschlossen werden. Deshalb muss beim Löschen immer ein gesicherter Rückzug im Auge behalten werden. Die nötigen Löschwasserzufuhren müssen außerdem geplant werden, weil sie oftmals Kilometer weit entfernt sind und nur durch einen Ringverkehr von Fahrzeugen sichergestellt werden können. Ringverkehr bedeutet, dass die Fahrzeuge mit Wasser zur Einsatzstelle fahren und auf einem anderen Weg zurück zur Wasserentnahmestelle. So begegnen sie sich nicht, was auf engen Waldwegen äußerst problematisch werden könnte. Doch zum Glück gab es - meines Wissens nach - im Stadtkreis Baden-Baden keine größeren Waldbrände. Allerdings brach im Sommer 1964 ein Waldbrand ausgehend von Forbach am Immenstein aus. Damals dauerte der Einsatz drei Tage. Weitere Waldbrände beim Hardberg, im Raum Balg, an der Deponie "Tiefloch" und im Gebiet Sandweier konnten glücklicherweise jeweils durch den schnellen Einsatz der gesamten Feuerwehr des Stadtkreises auf ein kleines Gebiet beschränkt werden.

BT: Grillen gehört zum Sommer dazu, kann aber auch zur Gefahr werden. Zu welchen Vorsichtsmaßnahmen raten Sie?

Wagner: Wer im Freien grillen möchte, sollte sich an die Vorschriften und an den gesunden Menschenverstand halten.

BT: An welche Einsätze erinnern Sie sich besonders?

Wagner: Der spektakulärste Einsatz fand für mich im Jahr 1975 statt bei der Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen. Hier war ich mit einem Einsatztrupp aus Baden-Baden in Celle-Altenhagen für fünf Tage dabei. Wir waren in einer Turnhalle untergebracht. Wenn nachts der Gong ging, mussten wir raus in die finstere, rauchige Nacht, um andere Kameraden aus den verschiedenen Bundesländern abzulösen. Am Schluss blieb ein bedrückender Anblick der schwarzen, verbrannten Wälder und Wiesen. Und die Hoffnung, niemals so etwas in der Heimatstadt zu erleben.

"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind.

Foto: Anne Wagner

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