Vier Fragen an drei Fragezeichen

Vier Fragen an drei Fragezeichen

Baden-Baden - Seit 1964 in den USA die erste Folge von "The Three Investigators" ("Die drei Detektive") veröffentlich wurde, sind die Freunde Justus, Peter und Bob zu Stars in der Jugendliteratur geworden. 1968 erschien ihr erstes Abenteuer auch in Deutschland, wo die Reihe unter dem Titel "Die drei Fragezeichen" (geschrieben: Die drei ???) Kultstatus errang. Seit 40 Jahren gibt es sie auch als Hörbücher. Selbst, nachdem die Reihe in den USA eingestellt worden war, läuft sie in Deutschland weiter - seit 1993 aus der Feder von deutschen Autoren. Brigitte J. Henkel-Waidhofer, hauptberuflich als BT-Korrespondentin in Stuttgart tätig, hat die ersten 16 Bände gemeinsam mit ihrem Mann geschrieben. Noch heute geht sie mit den Geschichten der drei Jungs aus Kalifornien auf Lesetour. Mit BT-Redakteur Markus Langer sprach sie über das Geheimnis des so lange andauernden Erfolgs.

BT: Frau Henkel-Waidhofer, Schlauberger Justus, Angsthase Peter und Bücherwurm Bob sind die drei Helden der Reihe. Was macht die drei Jugendlichen so erfolgreich?

Brigitte J. Henkel-Waidhofer: Ihr Mut und ihre lebenslange Verbundenheit. Sie wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können. Es ist ein Zusammenspiel von Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten, die sich gefunden haben und sich ergänzen. Sie sind über die Jahrzehnte hinweg nicht erwachsen geworden, sondern bleiben immer 16 Jahre alt. Ursprünglich waren sie ja noch jünger, höchstens so zwölf Jahre alt. Doch in den in den USA verfassten Büchern machten sie später Führerscheine. Als die Geschichten dann später in Deutschland weitergeschrieben wurden, konnte man ihnen ja schlecht wieder die Führerscheine abnehmen. Deshalb waren sie also 16, das sollten sie aber auch bleiben. Sie bewegen sich auch nicht wie junge Erwachsene, sondern sollen möglichst nah an den jüngeren Lesern sein. Sie haben sich nicht verändert. Während jeder Kühlschrank und jedes Auto heute anders als vor 40 oder 50 Jahren aussieht, sind Justus, Peter und Bob immer gleich geblieben.

BT: Haben sich ihre Geschichten im Laufe der Jahre verändert?

Henkel-Waidhofer: Die Jungs haben natürlich die Digitalisierung mitgemacht. Es gibt keine Walkie-Talkies mehr, sondern Handys und sie können gut mit Computern umgehen. Der Gag ist aber, dass trotz der langen Zeit und der vielen Autoren vieles gleich geblieben ist. Sie schaffen die Modernisierung, gleichzeitig bewahren sie sich aber ihre eigenen Grundzüge. Deshalb sind sie so beliebt. Mittlerweile wird die Begeisterung für die Geschichten schon von Großmüttern und Großvätern an ihre Enkel weitergegeben.

Der Aufbau der Geschichten und die Charaktere bleiben gleich, sie passen sich nur der Zeit an. Es gibt nach wie vor keine Toten und es sind Jugendkrimis, deren Leserinnen und Leser immer auf Augenhöhe mit den Akteuren sind.

BT: Seit beachtlichen 40 Jahren gibt es die Hörspiel-Reihe - immer noch mit den Sprechern der ersten Stunde. Daneben ist das Interesse an den Lesungen ungebrochen. Wie reagieren dabei die Fans auf die Geschichten?

Henkel-Waidhofer: Fasziniert und begeistert, das ändert sich auch nicht. Ich mache das jetzt seit 25 Jahren - und es ist für mich immer noch der Hammer. Da ist immer sehr viel Glanz. Bei Lesenächten in der vierten Klasse zum Beispiel. Da ist die Stimmung noch immer so wie zu Zeiten der D-Mark. Es ist kuschelig, alle haben ihre Schlafsäcke dabei und wollen nun spannende Geschichten hören. Die Faszination, die man mit den Geschichten wecken kann, sieht man an solchen Ritualen, die sich über alle Zeit hinweg behaupten. Dazu zählt auch der Kirschkuchen. Den habe ich in meinem ersten Band erfunden, weil Mathilda die Jungs zum Kaffee eingeladen hatte. Da musste ich mir überlegen, was es um die Jahreszeit in Kalifornien so gibt, um einen Kuchen zu machen. So kam ich auf den Kirschkuchen - und der ist inzwischen Kult. Da sieht man, wie sich vier Zeilen Text auch außerhalb des Buchs weiterverbreiten.

BT: Wie kommt man eigentlich als Journalistin dazu, Jugendbücher zu schreiben?

Henkel-Waidhofer: Das liegt an der Neugierde, die Journalisten besitzen. Sie wollen wissen, was los ist, wollen es verstehen und so niederschreiben, dass die Leserschaft etwas davon hat. Da gibt es zwischen dem Schreiben eines Artikels und eines Buches keine großen Unterschiede. Um Material für die Geschichten zu finden, geht man einfach mit offenen Augen durchs Leben. Ein Beispiel: Bei einem Skiurlaub bin ich abends spazieren gegangen und an einer Häuserzeile vorbeigekommen. Überall lag Schnee, nur vor einem einzigen Haus nicht. Da denkt man drüber nach und kommt darauf, dass es unterkellert sein muss. Das habe ich dann in dem Buch "Geisterstadt" aufgegriffen. Da kommt Justus darauf, dass der entführte Spieleverleger in dem Keller sein muss.

Zu den drei Fragezeichen kam ich, als der amerikanische Verlag die Reihe einstellte und der Kosmosverlag, der bis dahin die Übersetzungen veröffentlicht hatte, die Möglichkeit nutzen wollte, eigene Geschichten für den deutschsprachigen Raum herauszubringen. Ich hatte vorher für Kosmos bereits Vorlesebücher geschrieben, den Kontakt gab es also schon. Nachdem mein Mann und ich entschieden hatten, dass wir uns das zutrauen, haben wir uns 20 kurze Geschichten ausgedacht und die in Schulklassen zur Abstimmung gestellt. Da haben wir getestet, was ankommt. Ich dachte vielleicht Geister, aber alle waren von der Zirkuswelt fasziniert. Deshalb habe ich dann auch "Tatort Zirkus" als erstes Buch geschrieben. Mit dem machte ich dann in einer Schulklasse eine Lesung. Dort saß ein Mädchen, die heute im Autorenteam ist.

Foto: privat

"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags um 8 Uhr auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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