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Zottelige, gute Waldgeister
Schon beim ersten Narrenbaumstellen der Waldschädder auf dem Marktplatz im Jahr 1997 war die Resonanz groß.
18.01.2017 - 00:00 Uhr
Gernsbach (red) - Vor 22 Jahren taten sich zwölf junge Gernsbacher zusammen, um eine Holzmaskengruppe nach alemannischem Vorbild zu gründen. Bei der Suche nach einer Figur, die aus der Historie Gernsbachs stammt, fand man nur wenig Verwertbares. So entschied man sich für einen "zotteligen", guten Waldgeist. Dieser sollte von nun an die in der Gernsbacher Kernstadt praktisch nicht existente Fasnacht wiederbeleben, nachdem ein Jahr zuvor die Bleichhexen den Anfang gemacht hatten.


Die zwölf Gründungsmitglieder der Waldschädder trafen sich im Sommer 1995 regelmäßig, um Aussehen und Vereinszwecke festzulegen. Als Maskenschnitzer konnte Ludwig Merkel aus Scheuern gewonnen werden. Er entwarf die Maske und gab somit dem Waldschädder ein Gesicht. Der schwere Glockengürtel und vor allem die zausige Haarpracht sind Handarbeiten, die von jedem Mitglied noch heute selbst erbracht werden, informiert der Verein in seiner Chronik.

Überraschung beim Nachtumzug in Hörden

Kurz nach Dreikönig ging es zum ersten Mal auf die Straße. Beim Nachtumzug der Führig Barthel in Hörden waren am 27. Januar 1996 viele Fasnachter und Zuschauer überrascht, dass sich eine Gruppe aus Gernsbach unter den Umzugsteilnehmern befand. Am Schmutzigen Donnerstag desselben Jahres war die junge Fasnachtsgruppe zum ersten Mal zum Wecken in der Altstadt unterwegs, um den Winter auszutreiben, was mit lautem Schellen und dem bis heute gültigen Ruf geschieht: "Wir ziehen jetzt von Haus zu Haus und treiben euch den Winter aus! Die Fasent wollen wir euch bringen, drum Schädder lasst die Schelle klingen."

Bei der Entmachtung des Bürgermeisters, damals noch im Sitzungssaal, versprachen die Waldschädder, in Zukunft einen Narrenbaum aufzustellen. Nach der positiven Resonanz der ersten Kampagne schlossen sich vier weitere Mitglieder dem aufstrebenden Verein an. Auch das Häs (Gewand) erhielt eine Aufwertung in Form von Blättern aus Filz, und die Gamaschen (Stulpen), die ursprünglich aus Sackstoff gefertigt waren, wurden durch lederne ersetzt. Wie versprochen, ging man an die Planung des ersten Narrenbaumstellens auf dem Marktplatz, für das die Stadt ihre Unterstützung zusagte.

Fähnle wurden angefertigt und aufgehängt. Den Transport des Narrenbaums übernahm Otto Hecker senior, der sich als Mitglied der Maibaumgruppe mit dem Transport bestens auskannte. Um den 18 Meter hohen Baum nur von Muskelkraft in die Höhe zu wuchten, reichten die eigenen Kräfte der Waldschädder damals noch nicht aus. Sie holten sich Unterstützung bei den Gernsbacher Murgflößern. Unter Anleitung von Oberflößer Adolf Wild wurden einige Stellproben auf der Weinau durchgeführt, "damit man sich auf dem Marktplatz nicht blamieren würde", blicken die Waldschädder zurück.

Für die Bewirtung der Veranstaltung konnte die Schwimmbadinitiative "Badkappen" Gernsbach gewonnen werden. Nachdem 18 Gruppen ihr Kommen zugesagt hatten, wurde aus dem Einzug des Narrenbaums auch gleich der erste Umzug. Dabei waren unter anderen der Scheuerner Fasnachtsclub, die Stadtkapelle und die Bleichhexen sowie auswärtige Gruppen wie die "Schrägen Vögel" Ettlingenweier, die bis heute am Umzug teilnehmen. "Spätestens nach diesem Ereignis war jedem klar: Die Gernsbacher Fasnacht lebt", schreiben die Waldschädder.

Seit 1998 sind die zotteligen Waldgeister ein eingetragener Verein. Die Aktivitäten erstrecken sich nicht nur über die Fasnachtszeit. So ist die jährliche Teilnahme am Altstadtfest ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens. Unvergessen geblieben sind bei vielen die Altstadtfeste im "Kasperhaus" (Hauptstraße 4). Seit einigen Jahren haben die Waldschädder ihr Altstadtfest-Domizil in der Garage und im Keller der Firma Tapeten-Seyfahrt in der Waldbachstraße gefunden.

Seit geraumer Zeit gehören die Waldschädder auch der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine an und sind somit Teil des Bunds Deutscher Karneval (BDK). Seit 2015 sind sie als jugendfreundlicher Verein zertifiziert. Außerdem besitzt man seit dem Vorjahr die Gemeinnützigkeit.

Knapp 100 Mitglieder

Zum Start in die Jubiläumskampagne zählen die Waldschädder 79 Erwachsene sowie 16 Kinder und Jugendliche. Jeder neue Maskenträger muss vor Beginn seiner ersten Kampagne das streng geheime und gut gehütete Taufritual über sich ergehen lassen.

Zu den alljährlichen Aktivitäten des Vereins zählen außer dem Altstadtfest ein Sommergrillfest und das Kindercamp. Satzungsgemäß besteht der Vereinszweck in erster Linie in der Belebung und Pflege der Gernsbacher Fasnacht. Seit 2011 veranstalten die Waldschädder die Gernsbacher Fasnachtssitzungen in der Stadthalle (bis 2016 in Kooperation mit der Stadtkapelle). Um immer wieder neue und interessante Maskengruppen zum Umzug nach Gernsbach zu holen, sind die Waldschädder seit Jahren auf unzähligen Umzügen im gesamten südbadischen Raum sowie in Frankreich und der Schweiz zu Gast.

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