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Benz-Buch schafft es an Broadway
Sabine Katz hält ihr jüngstes Werk, das über den 'Katz'schen Garten', und ihr liebstes Buch aus ihrem Verlag, 'Das schwarze Schaf des Hauses Baden', in Händen.  Foto: Metz
22.04.2017 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - Jetzt ist Sabine Katz doch zu einem weiblichen Pendant von Dostojewskis "Der Spieler" mutiert - und kommt nicht mehr davon weg wie der Protagonist in Roulettenburg, für das Baden-Baden als Vorbild diente. Dabei hatte die Gernsbacherin ihrem Vater bis 2008 immer verkündet: "Ich bin kein Spieler! Ich übernehme den Verlag nicht!"

Die Produktion von Büchern empfand die 61-Jährige lange Zeit als Hasardspiel: "Du setzt beim Roulette alles auf Schwarz. Hast du Glück und Schwarz kommt, gut. Fällt die Kugel dagegen auf Rot, ist dein Geld weg." Mit dieser Casino-Mentalität mochte sich die Verlagsbuchhändlerin, die bei Klett lernte, nicht anfreunden, denn: "Man hat Kosten. Ein Haufen Geld ist weg, bis das Buch fertig beim Händler steht", weiß Katz um das Wagnis, seit sie bei dem renommierten Schulbuchverlag in Stuttgart alle Stationen durchlief vom Erstkontakt mit dem Autor bis zur Buchbinderei.

Obwohl das Risiko für kleine Verlage noch höher erscheint, hat Katz die Übernahme des 1985 gegründeten Unternehmens nicht bereut. Mit Quersubventionierungen durch ein paar Erfolgstitel hält die Eigentümerin der "Bücherstube" den Verlag am Leben - "allzu oft darf es dazu aber auch nicht kommen", betont sie.

Mit historischen Büchern, Biografien und Regionalgeschichten besetzt der Casimir Katz Verlag Nischen. Wurde ein Titel über die Schwarzwälder Uhrenindustrie nur 1000 Mal gedruckt, ging die Abhandlung "Die Frauen am badischen Hof: Gefährtinnen der Großherzöge zwischen Liebe, Pflicht und Intrigen" 10000-fach über die Ladentheke. Noch mehr ins Schwärmen gerät die Verlegerin allerdings bei einem ähnlichen Thema: Markgraf Eduard Fortunatus (1565-1600). In "Das schwarze Schaf des Hauses Baden" sind all seine Intrigen, Morde und Ranküne nachzuschmökern. "Mir machte das Lesen besonders viel Spaß", gesteht die Gemeinderätin der FVBG augenzwinkernd, ohne dabei ein politisches Vorbild abzuleiten.

Vor Ort dürfte ihr jüngstes Verlagsprodukt unter den aktuell rund 50 Titeln im Programm ein Klassiker werden: "Katz'scher Garten" präsentiert das kleine Palmenparadies an der Murg, das ihre Urgroßmutter Johanna ab 1913 schuf. "Im Katz'schen Garten liegen Flyer über unser Buch aus. Daher kommen viele Besucher hier zu unserem Laden und kaufen es am Wochenende in unserer aufgestellten Bücherbox", freut sich Sabine Katz über die erfolgreiche Verquickung mit der Familiengeschichte.

Der Casimir Katz Verlag gibt selbst Manuskripte in Auftrag und bekommt auch "pro Woche ein Angebot - aber vieles ist davon nicht zu gebrauchen", erzählt die Buchhändlerin. Zwischen zwei und zehn Titel gibt sie jährlich heraus. Zum einen überschätzen einige ihre Autobiografien und Erzählungen, zum anderen "passt manches nicht in unser Portfolio". Begeistert Katz sich allerdings trotzdem für eine Idee, vermittelt sie den Autoren gerne an andere Verleger im entsprechenden Segment. Die Weiterempfehlung verweigerte die 61-Jährige einem Murgtal-Krimi, den die Vielleserin zunächst verschlang - doch "zu viele logische Fehler" versetzten dem Krimi den Todesstoß.

Zusammen mit ihren Angestellten gibt sie den Kunden in einer Ecke der "Bücherstube" gerne Anregungen. Viele vertrauen auf die Empfehlungen - vor allem, wenn sich die Buchhändlerinnen schon fast darum "balgen", wer einen brillanten Lieblingsroman aller in seinem Regal anpreisen darf, berichtet Katz schmunzelnd. Aktuell sind "Elefant" von Martin Suter und "Unsere Seelen der Nacht" Objekte der Empfehlungs-Begierde. Im Bestseller des verstorbenen US-Amerikaners Kent Haruf geht es um die Beziehung einer 70-jährigen Witwe zu ihrem Nachbarn Louis. Im "Rüsselroman" von Suter erlebt ein rosafarbenes Fabeltier eine Odyssee.

Ihre "Bücherstube" betreibt Katz seit 36 Jahren. "Früher waren Weihnachten und Ostern wahre Feste für Buchhändler", erinnert sie sich, in Zeiten von Wikipedia kaufe dagegen keiner mehr den "24-bändigen Brockhaus als Geschenk. Dafür gibt es heutzutage Koch- und Grill-Bücher in Massen" als Verkaufsschlager. Dem Wandel der Branche passt sich die Gernsbacherin an und macht beim Internet-Vertrieb der Buchhändler über "www.genialokal" mit. "Vom Buchhandel kann man noch immer leben, wenn das Konzept stimmt - muss aber aktiv bleiben und Aktionen anbieten wie Autorenlesungen", lädt die Gernsbacherin demnächst wieder neun Schulklassen ein, um die Leselust zu fördern.

Insgesamt darf man Katz in Sachen Selbstgedrucktes wohl bescheinigen: Schwarz kam bisher häufiger als Rot! Das bekommt sie nicht nur aus Rostock bestätigt. "Der Fall Doria - Die Ehe von Elvira und Giacomo Puccini" von Sophia Mott wird dort "veropert - ein Wort, das ich bisher auch noch nicht kannte", berichtet die Verlegerin amüsiert über ihren anstehenden Trip zur Premiere am 10. Juli in die Hansestadt. Noch lukrativer klingt es, dass der Casimir Katz Verlag jetzt gar die Rechte für "Bertha Benz" an den Broadway verkaufen konnte. Der Premierentag steht noch nicht fest - und ob Sabine Katz dann auch nach New York pilgert.

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