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Schrottfahrzeuge blockieren Parkplätze
06.06.2017 - 00:00 Uhr
Von Dennis Fettig

und Stephan Juch

Gaggenau/Gernsbach - Abgestochene Reifen, verrostete Felgen und die eine oder andere Delle: Seine besten Tage hat der Honda Accord hinter sich. Seit mehr als einem Jahr steht das Auto mit polnischem Kennzeichen auf dem Parkplatz der Stadtbahnhaltestelle in Hörden an Ort und Stelle, einzig das Unkraut wuchert vor sich hin. Wem das Gefährt gehört, ist unklar. Bis zum 16. Juni hat der Halter Zeit, seinen Wagen wegzustellen, ansonsten wird das Fahrzeug abgeholt und verschrottet.

Die Polizei habe einen Hinweis bekommen und dies kürzlich an die Stadtverwaltung weitergetragen, erklärt Gaggenaus Pressesprecher Manfred Mayer auf BT-Nachfrage. Von wem der Tipp kam? Mayer kann nur mutmaßen: "Möglicherweise von einem Anwohner." Der Parkplatz ist zwar öffentlich, aber verfügt lediglich über acht Stellplätze.

In der Folge machte sich der städtische Vollzugsdienst vor Ort ein Bild vom Wagen und klassifizierte diesen als Schrottfahrzeug. Die parallel eingeschaltete Umweltbehörde des Landratsamts stellte drei orangefarbene Aufkleber aus, die der Vollzugsdienst am Auto anbrachte. Durch diese wird der Fahrzeughalter aufgefordert, innerhalb von vier Wochen seinen Wagen zu entfernen - die Hälfte der Frist ist bereits verstrichen. Parallel läuft laut Mayer die Ermittlung des Halters.

Dies sei allerdings gar nicht so einfach, gerade wenn es kein Fahrzeug mit deutscher Zulassung ist, betont ein Polizeisprecher: "Die Autoermittlung im Ausland ist schwierig und sehr zeitaufwendig." Der Grund: Die Datenbanken in vielen anderen europäischen Ländern seien nicht so umfangreich.

Das kann Andreas Weber, der zuständige Sachbearbeiter der Umweltbehörde des Landratsamts, nur unterschreiben: Speziell bei Autos aus Osteuropa sei die Ermittlung des Halters äußerst schwierig. Holt er sein Auto bis Fristende jedoch nicht ab, wird laut Weber ein Abschleppunternehmen beauftragt, das den Pkw abholt. Anschließend wird dieser verschrottet. Abgerechnet wird das Ganze über den Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Rastatt oder vereinfacht ausgedrückt: "Die Kosten trägt in diesem Fall die Allgemeinheit", bemerkt Weber.

Mit 50 bis 60 zurückgelassenen Fahrzeugen sei er jährlich konfrontiert, erläutert der Sachbearbeiter von der Umweltbehörde. Zwei bis drei von diesen Fällen werden über den Abfallwirtschaftsbetrieb abgerechnet. Die Dunkelziffer an einfach abgestellten Schrottautos könnte aber weitaus höher liegen, denn nicht in allen Fällen kann die Behörde aktiv werden. In Hörden gibt es noch einen ähnlichen Fall, auch wenn es sich dabei nicht um ein Schrottauto handelt: Seit mehr als einem Jahr ist auf dem Parkplatz an der Essel beim Spiel- und Sportplatzgelände ein Anhänger - eine Art Mobilküche - abgestellt und seitdem auch nicht bewegt worden, berichten Anwohner. Da es sich allerdings um einen öffentlichen Parkplatz handelt und der Anhänger über eine Zulassung verfügt, seien der Behörde die Hände gebunden, konstatiert Weber. In diesem Fall müsse wiederum die Kommune aktiv werden.

Verlassener Lkw Thema im OR Reichental

Ein weiteres zurückgelassenes Fahrzeug hat zuletzt den Ortschaftsrat Reichental beschäftigt. Seit mehreren Monaten steht ein verlassener Lastwagen an der Landesstraße 76b auf einem Schotterweg gegenüber dem Wanderparkplatz "Hohleich". Zunächst hatte es noch ein Esslinger Kennzeichen, was aber inzwischen abmontiert wurde, weil der Lkw Ende April abgemeldet wurde, wie Ortsvorsteher Bernhard Wieland auf BT-Anfrage mitteilt. Der Halter sei bekannt. Er wurde vom Umweltamt Rastatt dazu aufgefordert, das defekte Fahrzeug abzuholen. Kommt er dieser Anordnung nicht nach, wird der Lkw abgeschleppt, verschrottet und die Kosten dem Besitzer in Rechnung gestellt.

Zurückgelassene Autos mit ausländischem Kennzeichen sind speziell entlang von Autobahnen keine Seltenheit: "Gerade auf Rastplätzen werden immer mehr Fahrzeuge einfach stehen gelassen", teilt der Polizeisprecher weiter mit. Auch in deutschen Großstädten sind Autos, die auf öffentlichem Grund entsorgt werden, laut Medienberichten mittlerweile ein echtes Problem. "2737 Schrottautos blockieren Hamburgs öffentliche Parkplätze", titelte das Hamburger Abendblatt im vergangenen Oktober. Und die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet zum gleichen Zeitpunkt sogar über 5829 solcher Schrottautos in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

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