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Tötungsvorsatz oder "nur" gefährliche Körperverletzung?
Tötungsvorsatz oder 'nur' gefährliche Körperverletzung?
28.06.2017 - 00:00 Uhr
Gaggenau/Baden-Baden (stj) - "Es tut mir leid, was passiert ist." Das waren die letzten Worte des Angeklagten nach dem gestrigen vierten Verhandlungstag am Landgericht Baden-Baden, wo sich der Gaggenauer vor der Schwurgerichtskammer wegen versuchten Mordes zu verantworten hat (wir berichteten). Das Urteil ist für Freitag, 30. Juni, angekündigt. Dabei muss die Kammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Fischer die Frage beantworten, ob es bei der Messerattacke einen Tötungsvorsatz gegeben hat oder sie letztlich "nur" den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllt.

Dem mittlerweile 67-Jährigen wird vorgeworfen, am 21. Dezember 2016 einen Nachbarn (51) hinterrücks mit elf teils wuchtig ausgeführten Messerstichen schwer verletzt zu haben. "Es bleiben körperliche Schäden, es bleiben psychische Belastungen", fasste Oberstaatsanwalt Michael Leber die medizinischen Unterlagen zusammen, die zuvor im Wege eines Urkundsbeweises verlesen worden waren. In seinem Plädoyer erörterte Leber, ob die Voraussetzungen für den Tatbestand des versuchten Mordes gegeben seien. Die Merkmale Heimtücke, Arglosigkeit und Wehrlosigkeit sah Leber aufgrund der Zeugen- und Sachverständigenaussagen der vorangegangenen Prozesstage als erfüllt an. Er forderte sieben Jahre Haft.

Rechtsanwalt Ferdinand Sahner unterstützte diese Forderung als Vertreter der Nebenklage. Er ging insbesondere auf die niedrigen Beweggründe der Tat ein, die sich aus einer "kleinkarierten Hausgemeinschaftsstreiterei" ergeben habe: "Niedriger geht es nicht." Wie der Oberstaatsanwalt kaufte Sahner dem Angeklagten nicht ab, an die Tat selbst keine Erinnerung mehr zu haben und nannte dies eine "reine Schutzbehauptung".

Verteidigerin setzt auf Zweifelsgrundsatz

Verteidigerin Katrin Behringer versuchte, den Mordversuch zu entkräften. Sie verwies dabei vor allem auf den Zweifelsgrundsatz. Der besagt, dass ein Angeklagter im Strafprozess nicht für etwas verurteilt werden darf, wenn dem Gericht Zweifel verbleiben. An der Schuld des Gaggenauers bestehen diese nicht, laut Behringer wohl aber an der Heimtücke, am Tötungsvorsatz sowie an der Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers.

Sie erinnerte an die monatelangen mietrechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Täter und Opfer. So belegten Gespräche mit der Vermieterin, dass sich der Geschädigte "schon seit Monaten mit einem Angriff auseinandergesetzt" habe. Auch den Vorwurf, ihr Mandant habe den 51-Jährigen "von hinten überrascht", wies sie in ihrer Deutung des Tatgeschehens zurück. Zuguter Letzt hätte ihr Mandant "die Tat final ausführen können", habe aber "freiwillig vom Opfer abgelassen", als dieses "Hilfe, Hilfe" schrie.

Die Rechtsanwältin versuchte zudem, die Glaubwürdigkeit des Geschädigten infrage zustellen, weil sich dieser schon einmal einem Verfahren wegen Falschaussage ausgesetzt sah. Zudem seien die Einlassungen des Nebenklägers zum Tatgeschehen laut Behringer nicht mit allen Zeugenaussagen in Einklang zu bringen. Sie habe jedenfalls erhebliche Zweifel an den Schilderungen "der Gegenseite" und forderte eine Verurteilung ihres strafrechtlich bislang noch nicht in Erscheinung getretenen Mandanten wegen gefährlicher Körperverletzung zu sechs Monaten Gefängnis, die der in Untersuchungshaft befindliche Täter bereits verbüßt hätte.

Opfer und Täter hatten in den ersten Verhandlungstagen konträre Angaben zum Tathergang gemacht. So behauptete der Angeklagte, der am Morgen der Tat bereits Wein konsumiert hatte, er habe seinem Nachbarn keinesfalls aufgelauert, sondern habe im Esszimmer mit einem Küchenmesser Kohlrabi geschnitten, als der 51-Jährige an seiner Wohnungstür geklingelt und ihm den "Stinkefinger" entgegengestreckt habe. Das Opfer hingegen berichtete, der 67-Jährige sei ihm im Mehrfamilienhaus begegnet und habe unvermittelt auf ihn eingestochen. Das Küchenmesser mit einer Klinge von 17 Zentimetern Länge habe er hinter seinem Rücken versteckt. Für den genauen Tatablauf gibt es keine Augenzeugen. Der letzte Verhandlungstag am kommenden Freitag beginnt um 8.30 Uhr in Saal 15 des Landgerichts.

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